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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1898. 
bei der ganzen Art des Naturphänomens, um dessen kartographische Darstellung 
es sich bandelt, ebenso wie bei der Darstellung der Windverhältnisse u. 8. w. 
in Karten, nur eine mehr oder weniger große Wahrscheinlichkeit für eine dem 
Kartenbild entsprechende Stromversetzung auf der einzelnen Reise besteht. Dafs 
dies in einer besonderen Bemerkung im Titel zum Ausdrucke kommt, kann nur 
im Interesse der Verwerthung der Karten in der Praxis gebilligt werden, während 
es andererseits für die Gewissenhaftigkeit, mit welcher Dr. Schott an die Lösung 
der ihm gestellten Aufgaben herantrat, Zeugnifs ablegt, 
Wie auf der eingangs erwähnten Weltkarte zur Uebersicht der Meeres- 
tiefen, so auch in unserer Karte, sind die unterseeischen Kabellinien, die Docks 
und Kohlenstationen als gewifßs nicht unerwünschte Beigaben eingetragen. 
Der Ausstattung der Karten ist seitens der Verlagshandlung alle thunliche 
Sorgfalt gewidmet, und sind keine Kosten gespart worden, damit das Werk, 
soweit es einen Fortschritt in der Darstellung der Strömungen bedeutet, auch, 
wie bisher nicht in gleichem Mafse, ein Mittel bietet zur Erleichterung des 
Ueberblickes über das komplicirte Phänomen der Meeresströmungen, die in der 
praktischen Seefahrt als ein Element von hervorragender Bedeutung anerkannt sind. 
Aus diesen verschiedenen Erwägungen und Gesichtspunkten glaubt der 
unterzeichnete Direktor das vorliegende Kartenwerk sowohl den Seeleuten wie 
auch den Leuten im Komtoir, die zur Seefahrt eine Beziehung haben, bestens 
»mpfehlen zu können. 
Hamburg, im Juli 1898. 
Dr. Neumayer, 
Wirklicher Geheimer Admiralitäts-Rath. 
Windhosen und Stürme in den mittleren Breiten des 
Südatlantischen Ozeans. 
Das Schiff „Louise“ wurde auf seiner Reise von Hamburg nach Rangun 
im Dezember 1896 im Südatlantischen Ozean, auf ungefähr 35° S-Br und 21° W-Lg, 
von einem heftigen Windstofs überfallen, der dem Schiffe sehr schweren Schaden 
zufügte und es nöthigte, zur Reparatur seiner Havarie Kapstadt anzulaufen. Es 
ging demselben frischer Nordwind, zuletzt mit Regen, vorher bei allmählich ab- 
aehmendem Luftdruck, doch fiel das Barometer nicht unter 762 mm (unred.), 
and die Windstärke stieg nicht über 6, Auf den Windstofs folgte Nordwest- 
and Westnordwestwind, der auch nur von der mäfsigen Stärke 5 blieb, und erst 
zwei Tage später, als das Barometer schon wieder um 3 mm gestiegen war, ging 
der Wind, ebenfalls nur als mäfsige Briese wehend, in das südwestliche Viertel. 
Kapt. 8. Susewind berichtet über das Ereignifs, wie folgt: „Am 30, Dezember, 
während wir auf etwa 35° S-Br und 21,4” W-Lg bei Nordwind 6 mit reichlich 
L1 Knoten Fahrt nach OSO steuerten, überfiel uns um 1'% Uhr nachmittags 
olötzlich ein rasch vorübergehender Windstofs, welcher die Vor- und die Grofs- 
marsstänge mit sämmtlichen Raaen, auch den Untermarsraaen, und die Kreuz- 
bramstänge über Bord warf. Die Takelung war vorher in tadellosem Zustande 
gewesen, auch war von den Pardunen, Stagen u. s. w. nichts gebrochen. Da 
die Windstärke vor und nach dem Windstofse dieselbe und nur 6 war, so ist 
wohl anzunehmen, dafs ein Wirbel über das Schiff hinweggegangen ist, obwohl 
von einem Backschlagen der Segel nichts bemerkt wurde, wohl aber ein leichtes 
Ueberholen des Schiffes zuerst nach B. B. und dann etwas stärker nach St. B. 
Das Schiff war zur Zeit unter Oberbramsegeln und hatte den Wind zur Zeit von 
B.B. zwei Striche achterlicher als dwars, Da das Schiff, als es von dem Segel- 
druck befreit war, stark schlingerte und die Wrackstücke gegen dasselbe schlugen, 
wurden diese durch Kappen der Pardunen, Stage u. s. w. losgeworfen, und 
wurde so das Leckstofsen des Rumpfes verhindert. Erst zwei Tage später hatten 
wir durch Wegräumen des Wrackguts und durch Erneuerung der Fock und des 
Grofssegels das Schiff wieder steuerfähig gemacht. Wir brachten so viel Stag- 
segel wie möglich an und setzten unseren Kurs nach Kapstadt als Nothhafen. 
Am 21. Jamnar 1897 kamen wir hier zu Anker.“
	        
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