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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Weltkarte zur Uebersicht der Meeresströmungen., 
Es braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden, dal bei der Uebersichts- 
karte die gesammten Karten- und Tabellenwerke der meteorologischen bezw. 
nautischen AÄemter — soweit sie Stromdarstellungen enthalten — benutzt 
worden sind. Nur beispielsweise seien genannt die „Current Charts“ des 
englischen Hydrographischen Amtes für alle drei Ozeane und mehrere besondere 
Theile derselben. Ein Gleiches kann gesagt werden von den Strömungskarten 
in den zu den Segelhandbüchern der drei Ozeane gehörigen Atlanten, heraus- 
gegeben von der Seewarte. 
Was nun die Art der Bearbeitung des Materials anlangt, so ist das 
Folgende zu bemerken: Die Darstellungsweise der Strömungen ist auf den 
Schottschen Karten dieselbe wie jene auf den Karten der Atlanten zu den 
Segelhandbüchern der drei Ozeane, was in jeder Hinsicht zweckmäfsig erscheint. 
Im Allgemeinen ist diese Weise schematischer als die auf den englischen Karten 
angenommene, sie erlaubt aber, nach Auffassung der Direktion der Seewarte, 
einen leichteren geographischen Ueberblick, was ein wichtiger Gesichtspunkt ist, 
da die Karte auch für geographische Kreise berechnet ist. Damit aber die 
Interessen der praktischen Seefahrt eine eingehende Rücksichtnahme fanden, 
wurden die Küstenströmungen, soweit sie annähernd konstant sind, mit besonderer 
Sorgfalt bearbeitet und auf der Karte zur Darstellung gebracht. Versetzungen 
anter Land sind von grofser Bedeutung, während Abweichungen der wirklichen 
Stromversetzungen auf hoher See von der Karte nur wenig bedeutungsvoll sind. 
Wer daher die Karte hinsichtlich der küstennahen Strömungen genau prüft, wird 
viele Abweichungen von den üblichen kleinen Uebersichtsblättern und sicherlich 
amfangreichere und gründlichere Informationen finden als es auf den ersten Blick 
den Anschein hat. Beispielsweise wird ein gründliches Studium der Wasser- 
bewegung im Golf von Mexiko oder-im Golf von Darien, an der brasilianischen 
Küste südlich vom Kap S. Roque, an der Sierra-Leone- und Liberia-Küste sowie 
an der Ober- und Nieder-Guinea-Küste, neue Klarheit über dieses für die Schiff- 
fahrt so unendlich wichtige Element der Navigirung verbreiten, die man in 
anderen Werken ähnlicher Art nicht oder doch nur in beschränktem Mafse findet. 
So mag es gestattet sein, auf einige weitere Beispiele über die Art der Be- 
handlung der Darstellung der Wasserbewegung in den Küstengebieten hinzuweisen. 
Nach Lage unserer Kenntnisse erscheint es nicht mehr angängig anzunehmen, 
dafs von der Malabar- und Koromandel-Küste bis Kalkutta hin die Strömungen 
einfach in einem Halbkreise vor dem betreffenden Monsun laufen; selbst Karten 
kleineren Mafstabes sollten die sehr erheblichen Abweichungen von diesem bisher 
üblichen Schema künftig beachten. Es ist gerade dieser Theil der Küste Vorder- 
indiens, welcher durch die Vorlagerung der Insel Ceylon und die dadurch be- 
dingten Modifikationen besonders lehrreich für die Vorgänge in dem Monsun- 
wechsel wird. In der Berücksichtigung dieser Vorgänge und Verhältnisse liegt 
ein ganz wesentlicher Theil der aufgewandten Arbeit, und sollten wir meinen, 
auch des besonderen Verdienstes unserer Karte. Vergleicht man die Strom- 
verhältnisse, wie sie zur Zeit des nördlichen Winters (Nordostmonsuns) auf der 
Hauptkarte dargestellt sind, mit der Darstellung auf dem Karton für den nörd- 
lichen Sommer (den Südwestmonsun), so erkennt man sofort in den Unterschieden 
in den Strömungsverhältnissen die Bedeutung dieser Karte auch für die praktische 
Seefahrt. Hier begegnet man der Sorgfalt, welche den jahreszeitlichen Ver- 
änderungen gewidmet wird, wie sie sich namentlich in der grofsen Nebenkarte 
für den nördlichen Sommer ausspricht. Diese interessante Karte umfaßt das 
gesammte tropische Indien und den Stillen Ozean von den Gestaden Ostafrikas 
bis zu jenen Südamerikas. Mit Buntdruck sind auf diesem Karton Bemerkungen 
über jahreszeitliche Abweichungen eingefügt. Von besonderem Werthe für diese 
Darstellung erwies sich die schon erwähnte schöne Arbeit von Dr. Cäsar Puls 
und jene von Dr. Gerhard Schott!) „Oberflächentemperatur und Strömungen 
der ostasiatischen Gewässer“. Durch diese Arbeiten kam zum Theil ganz neues 
Licht in die Strömungsvorgänge innerhalb der genannten Gebiete, weshalb für 
unsere Karte ein erhebliches Verdienst beansprucht werden darf. 
Zum Schlusse muß noch hervorgehoben werden, was allerdings einem 
Jeden, der sich mit dem Gegenstande beschäftigte, an und für sich klar ist, dafs 
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ij) „Aus dem Archiv der. Deutschen Seewarte“, XIV. Jahrgang, 1891, No. 1,
	        
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