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Annalen’ der‘ Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1898.
uns gut, unser Luv zu halten. Unter die Küste gekommen, steuerten wir ZU-
nächst noch gut in die Bucht von Cavancha hinein, hielten dann ab und segelten
dicht an den Klippen der Insel vor Iquique entlang nach unserem Ankerplatz,
auf dem wir um 2 Uhr nachmittags unter Anweisung eines Lootsen auf einer
Tiefe von 16,2 m (9 Faden) zu Anker gingen.
Samarang und Boeloe (Bulu) an der Nordküste von Java und
die Reise von dem letzteren Platze durch die Lombok-Strafse in
den Indischen Ozean.
Von Kapt. C, OLTMANN, Führer des Schiffes „Lake Ontario“.
„Eastern Archipelago“, p. II, 1893 — B. X, 17 —.
Am 30. August 1893 um 5! Uhr nachmittags kamen wir nach einer
95tägigen Reise von Rotterdam in Batavia an. Als der für Batavia bestimmte
Theil unserer Ladung gelöscht war, was eine lange Zeit in Anspruch genommen
hatte, wurde am Morgen des 23. September die Weiterreise angetreten und am
27. September um Mittag auf der Rhede von Samarang geaukert. Der Aufenthalt
hier dauerte bis zum 1. Dezember, In dieser Zeit löschten wir den Rest der
Ladung — etwa *%s derselben — und ladeten die Hälfte unserer neuen aus
Eisenbahnschwellen bestehenden Ladung,
Im Monat Oktober wechselten in Samarang (S. 124 ff. a. a. O0.) Land-
und Seebriese regelmäfsig mit einander ab. Letztere setzte gewöhnlich zwischen
10 und 12 Uhr vormittags ein und dauerte bis 5'/» oder 6 Uhr abends, Hierauf
folgte zunächst Windstille, und von 7 bis 9 Uhr abends kam die Landbriese
durch, welche meistens‘ von Gewittern begleitet war, die die heiße Luft des
Tages bedeutend abkühlten. Im November war der Wind unbeständig, die
Gewitter mehrten sich, und die häufig steife Seebriese rief rasch eine kurze
brechende See auf dem Ankerplatz hervor, namentlich auch vor dem Kanal
Kali, der eine Verbindung der Stadt mit dem Meere herstellt.
Am 2, Dezember versegelten wir nach dem an dieser Küste, auf ungefähr
6° 46‘ S-Br und 111° 44’ O-Lg, gelegenen Ort Boeloe,!) um dort unsere Ladung
zu vervollständigen. Wir lagen hier auf einer Wassertiefe von 8,1 m (4'/2 Faden),
den sogenannten Flaggenstock (ein Bambusrohr) mw. SW peilend. Der Platz
ist nur ein ziemlich großes Fischerdorf, in dem viele kleine und mittelgrofse
Fischerfahrzeuge beheimathet sind, und von der See schlecht zu erkennen, bevor
man sich der Küste bis auf etwa 3 Sm genähert hat. Die größeren Fischer-
fahrzeuge dienen auch dazu, um die Ladung an Bord zu bringen. Der Wind
war auf diesem Ankerplatz im Monat Dezember 1893 am Morgen bis 10 Uhr
gewöhnlich von WSW, vom Lande, dann kam die Seebriese aus NW durch, Des
Abends war es gewitterhaft, die Luft aber im Ganzen frischer und angenehmer
als auf der Rhede von Samarang. Das zur Verladung gelangende Holz ist am
Strande aufgestapelt, und bei gutem Wetter kann ein Schiff 2000 bis 2500 Schwellen
an einem Tage übernehmen. Dieselben werden, wenn das Schiff nicht mehr zu
hoch über Wasser liegt, aus den Leichtern auf beiden Seiten gleichzeitig über-
gemannt; hat das Schiff Seitenpforten, so kann die ganze Ladung —- auch der
erste Theil — auf diese Weise eingenommen werden. Im Dezember kamen
schon. mehrere Tage vor, an denen das Laden wegen zu steifer Seebriese unter-
brochen werden mußte. Ein Schiff kann gewöhnlich 35 bis 36 Schwellen für
jede Registertonne seiner Gröfse laden. Das Holz ist ziemlich schwer; es
ähnelt dem Teakholz, wird hier zu Lande zu Möbeln und anderen Gegenständen
verarbeitet und führt den Namen Jappaholz. Die von uns geladenen Schwellen
waren nach East London (Südafrika) bestimmt.
Der Strom auf dem Ankerplatz von Boeloe war stets, der Windrichtung
entsprechend, östlich. Der Luftdruck schwankte nur zwischen 759,5 und 762 mm
(unred.), die Temperatur zwischen 26 und 29° C.
I) In der Segelanweisung nicht erwähnt, D. R.