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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Dinklage: Vom Indischen Ozean nach Japan zur Zeit des Nordostmonsuns. 403 
die Sunda-Strafse. und die China-See zu beschwerlich, wenn nicht ganz unmöglich 
macht, ist es in letzterer Zeit vielfach Gebrauch geworden, die Route statt durch 
die östlichen Passagen, südlich und östlich von Australien zu nehmen. Die 
Schiffsführer machen damit einen sehr weiten Umweg, glauben aber den Ueberschufs 
an Distanz durch die gröfsere Stärke der angetroffenen Winde leicht einbringen 
zu können; auch schätzen sie den Vortheil. des freieren Fahrwassers im Vergleich 
mit den verhältnifsmäfsig engen Passagen der Lombok-, Allas- oder Ombai- und 
der Makassar- oder Jilolo - Strafse, deren Durchfahrt für die grofsen Segelschiffe 
der Gegenwart bei den vorherrschenden leichten und veränderlichen Winden und 
den unregelmäfsigen, oft starken Strömungen ziemlich unbequem ist. Der eine 
oder der andere Kapitän ist vielleicht auch der Meinung, dafs er von der Jilolo- 
Strafse aus seinen Bestimmungsort in Japan mit dem Nordostpassat nicht eines 
Schlages wird anholen können. In Bezug auf letzteres Bedenken möge hier in- 
dessen gleich bemerkt werden, dafs an der Südküste von Japan im Winter der 
Wind ebenso viel, wenn nicht noch mehr aus einer Richtung westlich als östlich 
von Nord weht, und,dafs es also, wenn man auch noch die Strömung in Betracht 
zieht, leichter erscheint, hier in der fraglichen Jahreszeit von Westen nach Osten 
als von Osten nach Westen zu kommen. Am Schlusse dieses Artikels sind die frag- 
lichen Windverhältnisse nach den auf der Seewarte berechneten Windhäufigkeits- 
tabellen zahlenmäfsig dargelegt worden. Diekürzlich bei derSeewarte eingegangenen 
Journale von zwei Schiffen, die, beide nach Japan bestimmt, nur mit einem Tage 
Unterschied im Datum den Meridian von 80° O-Lg überschritten und von denen das 
eine. durch die östlichen Passagen, das andere östlich von Australien ging, ermög- 
lichen es nun, durch die, Vergleichung der Erfolge dieser beiden gleichzeitigen Reisen 
einen werthvollen Beitrag zur Lösung jener Routenfrage zu gewinnen. Die Frage 
ist um sc wichtiger, als die Fahrt von Segelschiffen nach Japan, die gewöhnlich 
über einen Hafen Nordwestamerikas nach Europa fortgesetzt wird, in letzterer 
Zeit beträchtlich zugenommen hat. , 
Das erste der beiden in Rede stehenden Schiffe ist das 1714 Register- 
tonnen grofßse eiserne Bremer Vollschiff „Beethoven“, Kapt. W. von Thülen. 
Dasselbe verliefs New York mit der Bestimmung nach Yokohama am 26. Juni 1897 
und erreichte nach einer mittelwerthigen Reise von 83 Tagen am 17. September 
in 39,4° S-Br den Meridian von 80° Ost. Hier vor die Wahl gestellt, die Fahrt 
nach Osten bis jenseits Tasmanien fortzusetzen oder schon im Indischen Ozean 
nordostwärts zu halten und mit dem Südostpassat nach einer der Strafsen östlich 
von Java zu steuern, entschlofs Kapt. von Thülen sich für das Letztere. Er 
setzte seinen Kurs auf die Ombai- Strafe und nahm weiter seine Route durch 
die Manipa- und die Jilolo-Strafse und dann östlich von den Palao-Inseln und 
in weitem Abstande östlich von der Miako-Shima- und der Liu-Kiu-Gruppe nach 
Norden. „Beethoven“ traf auf diesem Wege eine verhältnifsmäfßsig günstige 
Gelegenheit. Der anfänglich herrschende steile Westwind begleitete ihn bis 
38° S-Br und 93,5° O-Lg. Hier schon helte der Wind nach Süd und Südost und 
wehte, nur für zwei Tage bei 21° S-Br durch flaue Briese aus Nordost, Nordwest 
und West unterbrochen, ziemlich frisch bis 10° S-Br. Südwestliche Briese und 
Mallung brachten das Schiff am 8. Oktober, nach 21 Tagen, in die Ombai - Straße. 
Auch weiter durch die Molukken - See, die Manipa-, Pitt- und Jilolo - Strafse traf 
„Beethoven“ verhältnifsmäfsig günstige Verhältnisse in zwar flauen, doch sehr 
vorwiegend südöstlichen und südwestlichen Winden, so dafs er den Aequator in 
der Jilolo - Strafse auf 129,4° O-Lg am 20. Oktober, am 12, Tage ab Ombai, 
überschreiten konnte. Seine Fahrt von 80° O-Lg bis hier von 46 Tagen war 
7 bis 8 Tage kürzer als das Mittel. Im Stillen Ozean ging es. weniger gut, ins- 
besondere auf dem ersten und dem allerletzten Theile dieses Wegeabschnittes, 
Bis 10° N-Br, welche „Beethoven“ am 2. November östlich von den Palavo-Inseln 
ansteuerte, herrschten sehr leichte, mallende Winde, vorwiegend aus dem Ööst- 
lichen Halbkreise. Erst in 10° N-Br setzte der Nordostpassat ein, der zunächst 
auch noch flau blieb und in 17° N-Br noch wieder durch Stille unterbrochen 
wurde, dann aber bis 32° N-Br und 135° O-Lg als ziemlich frische Briese durch- 
stand. „Beethoven“ hielt hier eine gut östliche Route ein; er schnitt 10° N-Br 
in 136,6° O-Lg am 2, November, 20° N-Br in 134,8° O-Lg am 8. November und 
30° N-Br in 133,5° O-Lg am 12, November, Die östliche Stellung an. der Nord- 
grenze des Passats war ihm zum Vortheil, denn wenn auch auf dem ‚Rest des
	        
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