Aus den Fragebogen der Deutschen Seewarte, betreffend Häfen.
Ausbesserungsarbeiten an Schiff und Maschinen‘ können schnell und gut aus
geführt werden.
Schiffahrtsunkosten, Hafenabgaben werden für die Tonne der ge-
Jlöschten oder geladenen Ladung gezahlt; dänische Schiffe zahlen geringere Ab-
gaben als andere; Schiffe derselben Linie, welche Ladung von einander über-
nehmen, ebenfalls; Schiffe, die für Nothhafen anlaufen, sind von der Abgabe frei.
An Quarantäneabgaben zahlen Dampfer und Segelschiffe bis einschliefslich
Brigantinen 3 %$, kleine Segler 2 $; zwischen 6* abends und morgens das
Doppelte.
Zeitsignale. Der Morgen- und Abendschufs vom Fort (5a und 8p
mittlerer Ortszeit) sind zur Zeitbestimmung für Chronometer nicht zu verwerthen,
Orkansignale werden bei Annäherung eines Orkans vom Fort gegeben;
a) bei Tage: Zwei kurz auf einander folgende Kanonenschüsse, denen
nach einer halben Minute zwei ebensolche folgen; ferner wird am Signalmast
des Forts eine blaue Flagge geheilßt;
b) bei Nacht: nur die Schüsse. ;
Allgemeines. Die Hafenstadt von St. Thomas, Charlotte-Amalie, hatte
im Jahre 1890 12019 Einwohner, darunter zwei Deutsche. Die Einwohnerzahl
ändert sich sehr wenig, sie betrug 1886 12000 (Ann. 86, S, 353). Eine nennens-
werthe Industrie ist nicht vorhanden, die Schiffahrt mufßs die Bevölkerung ernähren.
Der Arbeitslohn beim Laden und Löschen der Schiffe ist verhältnifsmäfßig hoch.
Die Bebauung des Bodens hat fast ganz aufgehört, fast alle Bedürfnisse an
Nahrung und Kleidung werden eingeführt. Zwei Banken sind am Ort vertreten,
Die Br. Adm. Karte No. 2183 — Tit. VII, 283 — giebt im Stadtplan die Lage
der öffentlichen Gebäude an.
Die Ein- und Ausfuhr ist unbedeutend, abgesehen von Kohlen, an welchen
1897 etwa 70 000 t eingeführt wurden, als einziger Ausfuhrartikel ist Bayrum
und Bayöl zu erwähnen,
Den Schiffsverkehr vermitteln meist Dampfer, nur im Verkehr mit den
Nachbarinseln werden kleine Segler verwendet. In St, Thomas sind nur einige
kleine offene Segelfahrzeuge beheimathet. 1897 besuchten 38 Kriegsschiffe,
408 Handelsdampfer und 99 Segler den Hafen. Von den Handelsschiffen waren
deutsche: 164 Dampfer und 1 Segler. Von diesen brachten 92 Dampfer kleinere
Ladungsmengen für St. Thomas, die anderen liefen nur zum Bunkern oder um
Instruktionen zu empfangen an. Die deutsche Flagge ist im Hafenverkehr die
vorherrschende.
Die Hamburg—Amerika-Linie hat hier ihre Haupt- und Kohlenstation
für die westindische Linie, sie ist einem Superintendenten unterstellt.
An Seeversicherungsgesellschaften ist der Verein Bremer See-
versicherungsgesellschaften, je zwei amerikanische und englische und eine
norwegische vertreten.
Seemannskrankenhaus besteht nicht, kranke Seeleute finden im Kom-
munalkrankenhaus Aufnahme, aufser welchem noch zwei Krankenhäuser vor-
handen sind, Nach der Hafenordnung müssen Fälle ansteckender Krankheiten
an Bord zu Anker liegender Schiffe sofort dem Hafenmeister gemeldet werden;
die Kranken dürfen nicht an Bord behandelt werden.
Die Postverbindung ist eine gute. Von Europa durch die Hamburg—
Amerika-Linie im Winter alle 14 Tage, im Sommer alle 6 Tage, Royal Mail
Steam P, Co. alle 14 Tage, Compagnie generale Transatlantique allmonatlich,
La Veloce von Genua alle 14 Tage, mit diesen Linien Anschluß nach Westindien
bezw. H. A L. nach Venezuela, Columbien, Centralamerika und Mexiko; nach
Europa. fahren die vorgenannten Linien in den gleichen Zeitabständen mit
Anschluß von Westindien u.s. w. Einmal im Monat ohne bestimmten Ankunftstag
verkehrt die West India and Pacific S. S. Co. von Liverpool nach Colon, Jamaica
und Mexiko. Von New York hin und zurück laufen die Dampfer der Quebec
Steamship Co. ein- bis zweimal monatlich ohne bestimmte Daten an.
Telegraphenverbindung. Drei Kabel der Westindian and Panama
Telegraph Co. münden im Gregerie Channel, nach Porto Rico, Santa Cruz und
St. Kitts (St. Christopher). Kine französische Gesellschaft hat kürzlich ein
Kabel in Frenchmans Bay östlich des Hafens gelandet, besitzt aber hier noch
keine Station.
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