Aus den Fragebogen der Deutschen Seewarte, betreffend Häfen. 393
der Stadt nach Catalinas befördert. In den Docks können auch Leichter zum
Löschen benutzt werden und zwar auf Rechnung und Gefahr des Empfängers,
Zum Laden ist die Ostseite der Docks vorbehalten; in Dock No.1
lediglich für lebendes Vieh, das mit Krähnen verladen wird. Die Ladung kommt
in Leichtern oder Eisenbahnwagen oder Karren längsseit und wird mit eigenem
Ladegeschirr des Schiffes übergenommen; die Schnelligkeit hängt also lediglich
vom Schiff ab.
An Hafenabgaben werden erhoben: Kanalgeld (entrada), Feuergeld
(derechos de Faros), Gesundheitspolizei (Sanidad); diese sind einmalige für alle
Häfen der Republik und werden nach Registertonnen netto berechnet; Kaigeld
(permanencia) ist nach Registertonnen netto und Tag zu zahlen und in den
einzelnen Häfen verschieden hoch; Manifeststempel bei Einreichung des ein-
kommenden Ladungsmanifestes; Packetprivileg nur für Schiffe, welche mit Zoll-
vergünstigung löschen wollen.
Feuerlösch- und Melde- Einrichtungen bestehen im Hafen, doch können
nachts die schwimmenden Spritzen nicht aus einem Dock ins andere gelangen.
Ausrüstung. Frischer Proviant ist in jeden Mengen zu billigen Preisen
zu bekommen, europäische Konserven sind durch die hohen Zölle vertheuert.
Sonstige Ausrüstung ist zu haben, nautische Ausrüstung nur in beschränktem
Mafs zu verhältnifsmäfsig hohen Preisen,
An Bunkerkohlen (Seite 257 a. a. O0.) sind fast nur englische zu haben.
Sie kommen eingesackt in Leichtern sofort nach Bestellung längsseit. Es
empfiehlt sich jedoch mit Rücksicht auf die Fahrwasserverhältnisse, den Kohlen-
bestand erst in Montevideo aufzufüllen.
Wasser, filtrirtes Flulswasser, ist an der Westseite der Docks mit Schiffs-
schlauch aus der städtischen Leitung zu bekommen und kostet etwa 30 cts 1 cbm.
Das Flufswasser ist zwar stark mudhaltig, aber sonst gut und bis zum Feuerschiff
Chico süß. Zum Trinken empfiehlt sich vorherige Filtrirung. Zum Auffüllen
des Kesselwassers benutze man die tiefen Stellen des Flusses, z. B. in der Nähe
des Chico - Feuerschiffes, wo 8 bis 11m (5 bis 6 Faden) Wasser und Sand-
grund sind.
Trockendocks befinden sich in der Darsena Norte zwei der Regierung
gehörige. Die Länge beträgt beim östlichen 180 m, beim westlichen 150 m, bei
beiden ist die Schleusenweite 20 m, die Bodenweite 18 m und die Blockhöhe
0,8 m (32“). Die Docks können in 2 bis 2'/a Stunden leer gepumpt und Schiffe
von 7 bis 7,3 m (28‘ bis 24‘) Tiefgang eingedockt werden. Doch laufen dieselben
ein gewisses Risiko, weil die erforderliche Wassertiefe, 7,6 bis 7,9 m (25 bis
26‘) nur ein- bis zweimal im Monat, zuweilen auch gar nicht eintritt, so dafs
ein so tief gehendes Schiff einem grofsen Zeitverlust ausgesetzt ist („Nachr. f.
Seef.“ No. 2511, 1897). Bei östlichen Stürmen ist das Eindocken gefährlich
wegen des Stromes und Seeganges. Die Dockbehörde befafst sich nur mit dem
Trockenstellen und Abstützen der Schiffe, das als mangelhaft und für beladene
Schiffe als direkt gefährlich bezeichnet wird. Das An- und Vonbordschaffen
schwerer auszubessernder Stücke ist sehr umständlich, da diese beim Fehlen
von Werkstätten in der Nähe der Docks und dem Nichtvorhandensein von
fahrbaren Wagen vor den Dockthoren. in Leichter gegeben werden müssen. Die
Dockkosten betragen für Schiffe bis 500t 50 $ Gold, für je 250 t mehr
10 $ Gold. Für das Eindocken, Standgeld für Schiffe von mehr als 1250 Register-
tonnen netto am ersten Tag 0,10 $, an jedem folgenden 0,05 $ Gold.
Aufschlepphellinge sind für kleinere Küstenflufsfahrzeuge und Leichter
im Riachuelo vorhanden, .
Ausbesserungswerkstätten. Es ist beschlossen, die Regierungs-
werkstätten, welche jetzt am Tigre liegen, in die Nähe der Trockendocks zu
verlegen, so dafs, so lange die Regierung keine dringende Arbeit hat, Aus-
besserungsarbeiten an Handelsschiffen dort ausgeführt werden können. Schiffbau-
anlagen sind nur für kleinere Fahrzeuge vorhanden, Maschinenbau-Werkstätten
ebenfalls nur für kleinere laufende Arbeiten... Alle gröfseren Stücke als Schrauben-
wellen, Kurbeln, Kessel u. s. w. müssen von Europa bezogen werden. Guf[s-
stücke können bis zu ziemlich beträchtlichem Umfange geliefert werden, sind
jedoch äufserst kostspielig. Alle diese Anlagen liegen in der Stadt oder am
Riachuelo.
Ann. d, Hydr. etc., 1898, Heft X,