392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1898.
Winden, daß die Fluth 24 Stunden ununterbrochen einläuft und das Wasser 1,8
bis 2,4 m (6 bis 8‘) über den gewöhnlichen Stand steigt, Bei normalem Wetter
ist bei Hochwasser im Südkanal 6,1 bis 6,4 m (20' bis 21’), im Nordkanal 0,3
bis 0,6 m (1‘ bis 2‘) mehr, und da bei Tonne 11 mit am wenigsten Wasser im
Südkanal ist, so thut man gut, mit nicht gröfserem Tiefgange auszugehen als der
Wasserstandzeiger des Südkanals angiebt. Nach „Nachr. f. Seef.“ No. 1707,
1898 fand D. „Säo Paulo“ Mitte Mai d. J. beim Ausgehen im Nordkanal 7,85 m
(25), im Südkanal zwischen Tonne No. 8 und No. 14 7,22 bis 7,53 m (23' bis 24’)
Wasser, dagegen auf der Rhede nur 7,06 bis 7,22 m (22,6‘ bis 23’). Dagegen
wurde D. „Belgrano“ im März d. J. mit einem Tiefgang von vorn 6,7 m (22°),
hinten 6,8 m (22,3‘) niedrigen Wasserstandes halber zwei Tage lang am Auslaufen
verhindert. Die Wassertiefe war bei starkem westlichen Wind (Pampero) weniger
als 5,5 m (18°).
Beim Befahren der Kanäle muß man sich an der Seite halten, von welcher
her der Strom setzt. Für grofse Schiffe ist das gegenseitige Passiren im Kanal
sehr schwierig; es kommt häufßg vor, dafs hierbei das eine oder andere Schiff
festkommt.
Hafeneinrichtungen (Seite 258 a. a. O.). Das Fahrwasser des Riachuelo
ist bei gewöhnlicher Fluth nur mit 4,3 m (14) Tiefgang zu passiren, tiefer gehende
Schiffe müssen Hochwasser abwarten, kommen aber mit 6,1 bis 6,4 m (20‘ bis 21’)
Tiefgang fast bis zur Barracas-Brücke hinauf,
Das gesammte Hafenterrain wird durch einen 4500 m langen, Nord— Süd
laufenden Steindamm geschützt, Die vier Docks sind je 160 m breit, Dock No. 1
und No. 2 je 570 m, Dock No. 3 690 m und Dock No. 4 630 m lang. Sie stehen
unter einander durch je 80 m lange und 20m breite Kanäle in Verbindung.
Die mittlere Wassertiefe in den Docks beträgt etwa 6 m (20') bei Niedrigwasser
(„Nachr. f, Seef.“ No. 2511, 1897). Dort ist auch angegeben, dafs Dock No. 4
sowohl gegen Dock No. 3 als gegen die Darsena Norte durch Schleusenthore
abgeschlossen sei, was nach den Mittheilungen des Kapts, H. Böge vom
Februar d, J. noch nicht der Fall war.
Die Wassertiefen in den Docks richten sich nach den herrschenden Winden
und deren Stärke wie im Flufs, da die Strömung frei durch die Dockanlagen
hindurchgeht. Wenn derselbe in den verschiedenen Bassins auch nicht sehr
sichtbar ist, so macht er sich um so unangenehmer in den engen Verbindungs-
kanälen derselben bemerklich, wo er eine Stärke von 4 bis 6 Sm erreichen kann.
Das Passiren der recht langen Verbindungskanäle ist deshalb für grofßse Schiffe
recht schwierig, weil der starke Strom dieselben nach der einen oder anderen
Seite herüberdrückt. Man sollte deshalb beim Einlaufen und Verholen in den
Docks an beiden Seiten möglichst viel grofßse Fender zum Schutz der Schiffsseiten
gegen Berührung mit den steinernen Mauern anbringen.
In den Docks macht sich, durch den Strom verursacht, ein Verflachen
der Ost- und Westseiten bemerkbar.
Laden und Löschen, Im Riachuelo sind Ladebrücken bis zur Barracas-
Brücke erbaut. Passagierdampfer landen hier ihre Passagiere, deren Gepäck und
die Post und gehen dann erst an ihren Löschplatz, Im Riachuelo werden meist
Massengüter und Kohlen gelöscht; Krähne sind nicht vorhanden, Schienengleise
nur in beschränktem Mafse. Dagegen ist ein Getreide-Elevator auf dem rechten
Flußufer,
Die Docks werden fast nur von Dampfern benutzt, und zwar ist die
West-(Stadt)-Seite zum Löschen, die Ostseite zum Laden bestimmt. An der
Westseite liegen auch die fiskalischen Güterlagerschuppen, die für Dock No. 3
und 4 theilweise erst in der Fertigstellung begriffen sind. Zum Löschen sind
hydraulische Krähne, 3 bis 4 für den Dampfer, vorhanden von 1,5 t Hebekraft.
In Dock No. 1 und 2 ist je ein Krahn von 10t Hebekraft, der 40 t-Krahn in
der Darsena Norte ist dem Verkehr noch nicht übergeben. Im Privatbesitz
befindet. sich ein Schwimmkrahn von 80t Hebekraft, der nach festem Tarif
arbeitet. In der Boca ist ein 10 t-Krahn.
Kohlen dürfen nur in der Darsena Sud gelöscht werden.
Pulver, Dynamit und sonstige Explosivstoffe müssen auf der Rhede gelöscht
werden, sonstige feuergefährliche Waaren, auch alle in Stroh verpackten Güter
and Petroleum werden in den Docks auf Eisenbahnwagen gelöscht und aufserhalb