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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Ans den Reiseberichten Seiner Majestät Schiffe. 
2. Stromverhältnisse. Im Tshusan-Archipel fand ich günstigen Ebb- 
strom vor, welcher nach Richtung und Stärke ungefähr den auf der Karte ent- 
haltenen Angaben entsprach. Von Steep Island-Pafs bis Hieshan hatte ich ge- 
ringen mitlaufenden Strom, der meinen Kurs eine Kleinigkeit an die Küste 
heransetzte. Von Hieshan bis Agincourt, welche Insel ich zunächst ansteuerte, 
habe. ich keinen Strom bemerkt. i 
Bemerkenswerth sind die Stromverhältnisse, welchen ich im Weiterverlauf 
meiner Reise begegnete. Die Zusammenwirkung-des Kuro siwo mit der Gezeiten- 
strömung an der Nordküste von Formosa, welche nach der Segelanweisung zum 
gröfsten Theil zwischen zwei Extremphasen eine östliche Richtung verfolgt, 
bewirkt einen Gegenstrom von 3 Sm in nordnordwestlicher Richtung. Um von 
Pinnacle Island, welches bei der Dunkelheit schlecht auszumachen war, gut frei 
zu kommen, mufste ich meinen Kurs allmählich immer östlicher richten, erfuhr 
infolgedessen mehr die alleinige Wirkung des Kuro siwo und wurde nun in nord- 
östlicher Richtung versetzt. Kine westliche Fluthströmung scheint in den Sommer- 
monaten auf die Kraft des Kuro siwo, der um diese Zeit in keiner Monsunströmung 
einen Widerstand findet, gar keinen Einflufs auszuüben. Die Thatsache, dafs 
zur Zeit’nur schwache südliche Winde wehen, entzog der Annahme, dafs der 
Kuro siwo durch den Wind an die Küste herangedrückt würde und sich dort am 
stärksten äufsern könnte, die Berechtigung, und ich kann also nach allgemein 
gültigen Grundsätzen mich überzeugt halten, dafs dicht unter der Küste geringerer 
Strom lief. Ich hielt infolgedessen bei Hellwerden direkt auf die Küste zu und 
setzte, bei Dome Point angelangt, meinen Kurs ungefähr 1 bis 2 Sm von der 
Küste entfernt ab. In dieser Weise fuhr ich bis Kap Nausha. Die Stärke des 
Stromes längs der Küste varlirte mehr oder minder, was ich mit der Nord—Süd 
bezw. Süd— Nord setzenden Gezeitenströmung in Verbindung- bringe. Das End- 
ergebnifs, in welcher Stärke ich den Strom längs der Küste gegenan gehabt 
hatte, konstatirte ich, bei Nausha angelangt, dasselbe ergab 0,7 Sm in der Stunde. 
Infolge dieses relativ geringen Stromes kann demgemäfs der Weg an der 
Ostküste Formosas allen von Nord nach Süd steuernden Schiffen, sofern sie da- 
durch eine geringere Wegstrecke zurückzulegen haben, empfohlen werden. Die 
allerdings’ starke Stromwirkung an der Nordküste: kann vielleicht dadurch einiger- 
mafsen ausgeschaltet werden, dafs man Kelung direkt ansteuert, um sich dem 
wirkungsvollen Bereich des Kuro siwo möglichst lange fernzuhalten. Zweifelhaft 
erscheint es mir allerdings, diese Passage unabhängig von der Entwickelung des 
südlichen Monsuns zu. wählen. . Gestaltet sich an der Ostküste Formosas der 
südliche Monsun zu einem Südostmonsun, so würde ich es nicht für rathsam 
erachten, den Weg längs dieser Küste zu nehmen, da in diesem Falle das Schiff 
Strom, Wind und Monsunströmung gegenan haben würde. Ein entwickelter Süd- 
westmonsun würde, glaube ich, kein Hinderungsgrund sein, da dieser über Land 
wehen würde. In den. Kentermonaten April und Mai kommt jedoch dieses Be- 
denken gar nicht in Betracht.‘') . 
Um einen weiteren Vorzug dieser Passage hervorzuheben, so bin ich 
überzeugt, dafs an der Ostküste Formosas keine so hartnäckigen Nebelbildungen 
entstehen werden, wie an der chinesischen Küste und in der Strafse von Formosa 
wegen der Nähe des Kuro. siwo, der allein den Unterschied zwischen Luft. und 
Wassertemperatur in mäfsigen Grenzen halten wird. 
Schliefslich bietet das reine Fahrwasser einen navigatorisch nicht zu unter- 
schätzenden Vortheil gegenüber demjenigen an der chinesischen Küste und in 
der Formosa-Strafse. Lothungen, welche öfters vorgenommen wurden, ergaben 
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1) Die Route im Oster! von Formosa scheint für die Zeit des Südwestmonsuns — Juni, 
Juli, August — ganz zweckmäfsig und der durch die Furmosa-Strafse, wo um diese Zeit nördliche 
Strömung gefunden wird, vorzuziehen sein, doch sollte man, wie auch bemerkt, wenn der Wind 
statt aus SW aus SO angetroffen wird, nicht nahe unter Land gehen, sondern weiter landabwärts 
von der Ostküste bleiben. April dürfie indessen zu früh sein, die Route zu nehmen. In diesem 
Monat ist der Wind im Osten von Formosa noch vorherrschend östlich und nordöstlich, und es 
steht zu erwarten, dafs zur Zeit der Gegenstrom des Kuro siwo nahe unter Land am stärksten auf- 
treten wird, wie dies während des ganzen Nordostmonsuns der Fall zu sein pflegt. In der Formosa- 
Strafse setzt alsdann der Strom süd- und südwestwärts; sie bietet zu dieser Zeit natürlich den gün- 
stigsten Weg. Auch im Mai kann es noch zweifelhaft sein, ob es besser ist, Ost oder West von 
der Insel zu gehen, da der Wind, wenigstens in der ersten Hälfte dieses Monats, noch vorwiegend 
Östlich, wenn auch meistens nur von geringer Stärke ist.‘ D. R.
	        
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