Die Witterung an der deutschen Küste im Juli 1898,
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pressionen auf seiner Nordseite bestimmte. Entsprechend ‘zeigt die Vertheilung
der zu Zeiten der Terminbeobachtungeh ‘herrschenden Windrichtungen auf die
Kompafsrose das ‚ganz bedeutende Ueberwiegen der Winde aus westlichen
Richtungen gegenüber den übrigen nur mehr vereinzelt beobachteten Wind-
richtungen. Stürmische Winde wehten am 9, bis 11. aus nördlichen Richtungen,
meist Stärke 8, an der östlichen Ostsee, am 14. bis 18. aus westlichen Richtungen,
Stärke 8 bis 9 und (am 14. und 15.) stellenweise 10, an der Ostsee und besonders
im Osten am 21. aus SW — WNW, Stärke 8, an der östlichen Ostsee, am 24,
aus West—NW, Stärke 8, an der Nordsee und aus SW—NW, Stärke 8 bis 9,
an der Ostsee, am 25; aus SW—NW, Stärke 8 bis 9 und. im Osten mehrfach 10,
an der Ostsee, sowie am 31. aus SW — NW, meist Stärke 8, an der östlichen
Ostsee. Aufserdem wurde an der Ostsee am Nachmittag des 3. eine starke und
längere Sturmböe aus westlichen Richtungen beobachtet. Die Ostsee war also
entschieden sturmreicher als die Nordseeküste, entsprechend dem vorherrschenden
Wettertypus, da die über Mittelskandinavien liegenden Theildepressionen bei
ihrem weiteren Fortschreiten meist nur für die Ostsee stürmische Witterung
herbeiführen, in Wechselwirkung mit von Westen her über Kontinentaleuropa
stark vordringendem hohen Luftdruck — ein Fall, der unter Anderem häufig
beobachtet wird, wenn bei einer Depression über der Ostsee und einem Maximum
über den Britischen Inseln eine neue Depression nördlich von Schottland erscheint,
die den Kern des Hochdruckgebietes im Westen südwärts drängt,
Die Morgentemperaturen lagen durchweg, mit vereinzelten Ausnahmen,
unter den vieljährigen Werthen und zeigten in ihrem Gang von Tag zu Tag nur
ein geringes beständiges Schwanken um eine gleichbleibende Mittellage; nur in
Memel fand ein fast stetiges länger währendes Sinken der Morgentemperatur
vom 11. bis 19. statt. Entsprechend hatte die mittlere tägliche Veränderlichkeit
der Temperatur nur kleine, vielfach im Mittel unter 1° bleibende und im Maximum
nur vereinzelt 2° erreichende Werthe; die Veränderlichkeit der Temperatur von
"Tag. zu Tag war an der Küste meist am Nachmittag am gröfsten, hatte ihren
kleinsten Werth jedoch im Westen am Morgen und im Osten meist am Abend,
In Rügenwaldermünde traten die höchste und die niedrigste Temperatur des Monats
an demselben Tage ein.
Die monatlichen Niederschlagsmengen waren am gröfsten an der mittleren
und östlichen Ostsee, bedingt durch die am 9. hier gefallenen sehr ergiebigen
Niederschläge; sie überstiegen hier meist 70 mm und erreichten mit 105 mm in
Greifswalder Oie und 103 mm in Memel ihre höchsten Werthe, während die
geringsten Monatsmengen in Süderhöft 25 mm und in Aarösund 27 mm betrugen.
Rechnet man den Niederschlagstag von 8* a Ortszeit des gleichnamigen Kalender-
tages an, so waren, bis auf kleinere Niederschläge, trocken an der Nordsee der
1., 11., 14., 15., 21., 25. bis 27., 30. und 81., an der westlichen und mittleren
Ostsee der 11., 12., 15., 19. bis 21. und 26. bis 31., an der östlichen Ostsee der
6., 11., 12., 20. bis 22, und 27. bis 29. Sehr ergiebige, 20 mm übersteigende
Niederschläge fielen am 9, in Wittower Posthaus (26), Thiessow (22), Greifs-
walder Oie (24), Ahlbeck (32), Swinemünde (81), Colbergermünde (38), Rügen-
maldermünde (36), Leba (28), Neufahrwasser (48), Hela (49), Pillau (32) und
Brüsterort (28) und am 23. in Brake (21), wo die Monatssumme des Niederschlags
mit 95 mm die sonst an der Nordsee beobachteten Regenmengen erheblich über-
traf, Gewitter traten selten auf, in gröfserer Verbreitung am 3. und 4. und am
23. an der ganzen Küste, sonst nur vereinzelt und über kleinem Gebiet. Heiteres
Wetter, dadurch charakterisirt, dafs an solchen Tagen die nach den Zahlen
0 bis 10 geschätzte Bewölkung im Mittel aus den drei täglichen Beobachtungen
kleiner als.2 blieb, herrschte über gröfserem Gebiete nur am 29; und 30. an der
mittleren Ostsee. Nebel wurde in gröfserer Verbreitung nur am 30. an der öst-
lichen Ostsee, an der Nordsee gar nicht beobachtet.
Nachdem am 1; und 2. ein von der Biscaya - See über Kontinentaleuropa
ausgebreitetes Hochdruckgebiet gegenüber einem Depressionsgebiet über der
Nordhälfte Europas bestanden hatte, stieg am 3. bis 5. der Luftdruck zunächst
im Nordwesten und drängte die Depression im Norden ostwärts bis Skandinavien
zurück; zwei Ausläufer niedrigen Druckes schritten am 3. und 4. ostwärts längs
der Küste fort und brachten dieser ausgebreitete Gewitter sowie der Ostsee eine
plötzlich hervorbrechende Sturmböe längerer Dauer aus einer westlichen Richtung.