König: Windverhältnisse auf der Segelröute von der Linie bis Kap Horn, 369
dem Südostpassat und dessen polare Seite von Winden aus dem nordwestlichen
Quadranten gebildet wird. An der Ostseite des Wirbels haben die Winde eine
mehr polare, an der Westseite eine mehr äquatoriale Richtung.
Diese grofsen Züge der Windverhältnisse sprechen sich ganz deutlich auf
unseren. Tabellen aus, wie man auf den ersten Blick erkennt. In den einzelnen
Jahreszeiten aber spielen sich verschiedene kleinere oder gröfsere Aenderungen
ab, die man nur bei genauerem Zusehen und durch Vergleichen herausfindet.
In den dem Aequator angrenzenden Gradfeldern weht. jahraus jahrein der
Südostpassat, nur gelegentlich unterbrochen durch Kalmen. Die mittlere
procentische Häufigkeit derselben ist in dieser Gegend im ;
Sommer Herbst Winter Frühling
1,0 0,4 0,3 09%
die mittlere Stärke des Windes beträgt dagegen
3,9 3,3 4,2 ; 4,2° B.
Im südhemisphärischen Sommer ist demnach die Häufigkeit der Kalmen
etwas gröfser als im Winter, was als eine Folge der Verschiebung des Kalmen-
gürtels nach Süden bezeichnet werden kann. Mehr nach Süden zu nimmt der
Wind allmählich an Stärke zu, um dann wieder abzunehmen. Die Stärke beträgt
für das Intervall 5— 20° S im Südsommer 4,53, Herbst 3,7, Winter 4,5 und
Frühling 46 B.
Die Entwickelung des „afrikanischen Südwestmonsuns“ aus dem Südost-
passat zeigt sich namentlich in den Monaten Juli, August und September sehr
deutlich. In diesen Monaten erreicht der SSE östlich von 35° W eine Häufigkeit
von 52% (August), im September kommt sogar direkter Südwind zu 8°/9 vor. Sehr
deutlich erkennt man auch an dem Vorwalten der Ostsüdost- und Ostwinde in
den nordhemisphärischen Winter- und Frühlingsmonaten — am ausgesprochensten
im Mai — die südliche Lage des Kalmengürtels um diese Zeit.
In dem Zehngradfeld 10 — 20° S, 30 — 40° W zeigt sich ein periodisches
Windverhältnifs insofern, als in den südhemisphärischen Sommermonaten der
Passat als Ostsüdostwind mit etwas geringerer Häufigkeit vorwaltet als der SE
im Winter: Gruppirt man — unter Benutzung auch der in Tabelle 2 fortgelassenen
Richtungen — die Windrichtungen nach der Breite und addirt man die Mittel-
werthe der procentischen Häufigkeitswerthe der einzelnen Richtungen in den
beiden Streifen dieses Zehngradfeldes — was wohl zulässig ist, da sich die
Winde mehr nach der geographischen Breite als nach der Länge ändern —, so
erhält man folgendes Bild:
* Tabelle 4
10 — 20° 8. 30 — 40° W.
Dez. ! Jan. |! Febr. ! Sommer‘
Juni ! Juli August! Winter
SSE 3 2
SE 13 | 43
ESE 28 62
E 51 27
ENE 27 24
NE A 10
NNE IR 23
Y =
. 5 #5 37 9 71
14 70 64° 68 | 44 176
65 155 54 | 46 | 58 | 158
25 103 17. | 13 | 27 57
17 78 10 a. 8 23
nr 56 2 51.14 tx
17 | 56 | 2 2 11 15
12 0 0 6 | 5
In dieser Zusammenstellung bedeuten — wohlgemerkt! — die einzelnen
Zahlen nicht reine Procente, sondern die Summen der mittleren. Procentzahlen
in den zwei Streifen 10—15° S und 15—20° S.. Um die. mittleren Procente zu
erhalten, wären also die Monatswerthe noch durch 2 zu theilen, was hier, um
Brüche zu vermeiden, unterlassen ist. Aufser der oben erwähnten jahreszeitlichen
Periode erkennt man noch, dafs im südhemisphärischen Sommer die Winde mit
äquatorialer Komponente viel häufiger vorkommen als im Winter. Namentlich
unter 15—20° S sind die Nordostwinde im Sommer und Frühling so häufig, dafs
sie zu den vorherrschenden werden.
Die Procente der Häufigkeitswerthe für diese Breiten sind in folgender
Tabelle enthalten:
Ann. d. Hydr. ete., 1898, Hoft 1X.