Matthien: Anwendung der orthographischen Aequatorialprojektion in der Nautik, 361
Man denke sich eine Aequatorial-Himmelsprojektion, um ihre Aequatorialaxe
drehbar, so hergestellt, dafs die elliptische Projektion der Meridiane von Grad
zu Grad oder 4 zu 4 Zeitminuten durch die nach der Formel r sin h auf dem
Aequator vom Drehpunkte aus abgetragenen Theilpunkte eingezeichnet sind.
Sechsuhrkreis und Aequator sind als senkrecht aufeinander stehende Durchmesser
projicirt; die gleichfalls als gerade Linien herzustellenden Deklinationsparallele
müssen für die Zeit der Beobachtung mit Bleistift parallel zum Aequator ein-
gezeichnet werden.
Ueber diese Himmelsprojektion ist eine zweite, die Höhenprojektion, auf
wasserhellem Celluloid gedruckt, angebracht. Letztere Projektion ist nach dem-
gelben Princip hergestellt als die erstere, nur ist, da man nur die Höhen über
dem Horizonte gebraucht, vom Horizonte nach unten die Projektion weggelassen
und an Stelle dessen eine Gradeintheilung des Horizontes angebracht, unter
welcher sich noch eine 'Theilung in Kompalfsstrichen befindet. Die Celluloidfilm
ist aufklappbar mit Charnieren am Träger der drehbaren Himmelsprojektion an-
gebracht, daß beim Herunterklappen der Film der Mittelpunkt der einen Pro-
jektion mit dem der anderen zusammenfällt.
Wird der Deklinationsparallel für einen gegebenen Tag eingezeichnet und
die Himmelsprojektion gedreht, dafs die Polhöhe gleich der Ortsbreite ist, so
kann man direkt folgende Ahblesungen machen:
1. An der Stelle, wo der Deklinationsparallel den Horizont schneidet,
liest man am Horizonte das Azimut beim Aufgange bezw. Untergange ab
(Amplitude, Morgen- und Abendweite).
2. Am Stundenkreise die Uhrzeit des wahren Auf- bezw. Unterganges
(halber Tag- und Nachtbogen).
3. Der Schnittpunkt mit dem Meridian giebt die Mittagshöhe, auf höheren
Breiten in der unteren Kulmination die Mitternachtshöhe an.
4. Der Schnittpunkt mit dem ersten Vertikal giebt Zeit und Höhe beim
Passiren desselben an.
5. Der Schnittpunkt mit dem Sechsuhrkreise die Höhe bezw. Azimut des
Gestirns in demselben, ;
6. Von vier zu vier Zeitminuten ist am Horizonte, wenn man den Höhen-
kreis bis dahin verfolgt, das Azimut abzulesen,
7. Für einen bestimmten Zeitpunkt läfst sich die Sonnenhöhe in ganzen
Graden, .
8. für die Sonnenhöhe in Graden, Zeit und Azimut ablesen,
9. Bei gegebener Mittags- bezw. Mitternachtshöhe und bekannter Deklination
Jläfst sich durch Einstellen der Höhen am Meridianbogen die Polhöhe des. Ortes
ablesen u. A. mehr.
Das Instrument versagt nie und ist unter allen den Seefahrern zugänglichen
Breiten zu gebrauchen. Da in den Navigationsschulen der Grund zum Verständnifs
des Instrumentes bereits gelegt worden ist, braucht es nur wenig Zeit, um von
Jedem gehandhabt zu werden,
Als Azimutinstrument angewandt, empfiehlt es sich selbst dadurch, dafs
die Deklination statt der Poldistanzen benutzt wird. Das Azimut wird aufserdem,
den Ablesungen am Kompafs entsprechend, von Nord bezw. Süd nach Ost bezw.
West abgelesen. Vormittags gelten die Stunden über dem Aequator, nachmittags
die unter demselben, gleichviel, auf welcher Hemisphäre man sich befindet, Am
Horizonte gilt die obere Kompafstheilung für vormittags, die darunter befindliche
für nachmittags.
Beim Gebrauche des Instrumentes vergesse man nie, auf Nordbreite den
Nordpol über dem Nordhorizonte, auf Südbreite den Südpol über dem Südpunkte
des Horizontes einzustellen. ;
Ich habe oben darauf hingewiesen, dafs das Instrument als Azimutinstrument
nur innerhalb gewisser Grenzen zu brauchen sei. Bei der Aequatorialprojektion
drängen sich die Meridiane am Rande der Projektion zusammen. Zur besseren
Uebersicht lasse ich hier die Abstände der einzelnen Grade voneinander von
0 bis 12°, in Millimetern ausgedrückt, folgen. Der Radius der Projektion ist zu
250 mm, d. ji. die doppelte Gröfsee des Instrumentes, angenommen:
Grade, . . 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Millimeter . 0.10 0,10 0,20 0,30 0,30 0,40 0:50 060 0,70 080 0,90 1.00
Ann. ad. Hrvdr. oto.. 1598, Heft IX.