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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Köppen: Jahres-Isothermen und -Isanomalen der Meeresoberfläche. 359 
letzteren sind allerdings ziemlich spärlich, und ich habe deshalb, um der Natur 
nichts Unwahrscheinliches anzudichten, die Temperaturen nördlich von 40° N-Br 
etwa um etwa 1° wärmer angenommen, als meine Quellen ergaben. Der Gegen- 
satz zwischen den Ozeanen bleibt um so gesicherter bestehen. Die im Allgemeinen 
nach NO flichenden Westküsten Europas sind gewils geeigneter, warme Wasser- 
massen in höhere Breiten zu drängen, als die sie nach .SO ablenkenden Küsten 
Nordamerikas, Allein warum ist auch im Westen der Golfstrom und seine Um- 
gebung so viel wärmer als der Kuro Shiwo? Eine Auffassung, die viel An- 
sprechendes hat, geht dahin, dafs die Lage der Ostspitze von Südamerika an 
der Stirn des südlichen Aequatorialstromes dazu führt, einen Theil ihres warmen 
Wassers auf die Nordhemisphäre hinüberzudrängen; der Ueberschufs an Ober- 
Rächenwasser, der auf diese Weise in den Nordatlantischen Ozean gelangt, mülfste 
daun in der Tiefe zu seinem Ursprung zurückfliefsen, weil bei der Enge der Berings- 
Strafßse ein anderer Rückweg nicht vorhanden ist und ein Verbrauch durch Ver- 
dunstung nicht zur Erklärung ausreicht. Außerdem zeigt unsere Karte aber 
deutlich, dafs die den Kuro Shiwo speisenden Wasserflächen noch wärmer sind 
als jene des Golfstromes, und dafs der entgegengesetzte Wärmeunterschied nörd- 
lich von 20° Breite erst dadurch bedingt wird, dafs der Golf- und Antillen- 
Strom seine Wärme viel weiter trägt als.Kuro Shiwo und Philippinen-Strom. 
Auf die Ursachen dieser für die Klimatologie äufserst wichtigen Verhältnisse 
kann hier nicht näher eingegangen werden, 
Noch ein wesentlicher Zug in dem Bilde, das uns die Tafel 9 bietet, darf 
indessen nicht übergangen werden: das kalte Wasser, das sich an der Westkante 
dieser warmen Ströme zwischen sie und das Festland drängt. Es tritt nur auf, 
wo das betreffende Festland polwärts bis in die Zone der westlichen Winde sich 
erstreckt, also an den Ostküsten von Asien, Nordamerika und Südamerika; der 
Agulhas-Strom und der ostaustralische Strom berühren die Küste. Wir haben 
es also, wenigstens in 38° bis 45° Breite, grofsentheils mit dem Aufquellen von 
Tiefenwasser unter der Wirkung ablandiger Winde zu tihun. In der That ist 
diese Wirkung hier weit mehr zu gewärtigen als bei Peru und Benguela; denn 
während bei den Letzteren die am Platz ‚herrschende Windrichtung der Küste 
parallel geht, wehen an den Ostküsten Asiens und Nordamerikas in diesen Breiten 
während der kalten Jahreszeit heftige und anhaltende Nordwestwinde quer von 
der Küste ab, die durch die schwachen südlichen Winde des kurzen Sommers 
durchaus nicht ausgeglichen werden; an der patagonischen Küste sind die ab- 
landigen Westwinde das runde Jahr hindurch vorherrschend. In einigem Ab- 
stande von der Küste trifft dieses emporgequollene Wasser den warmen Strom 
and taucht es wieder hinab, so dafs die östliche Trift auf dem offenen Ozean 
nicht von ersterem, sondern von letzterem gespeist wird. Jenseits 44° Breite 
tritt sodann, begünstigt durch das Zurückweichen der Küsten nach NW, eine 
durch die nördlichen Winde der Nordwestseite der Island- bezw. Aleuten-Cyklone 
getriebene wirkliche Südströmung kalten Wassers hinzu: der Labrador- und Ost- 
grönland-Strom sowie die Strömungen bei den Kurilen etc. ; 
Dem Emporquellen des Tiefenwassers an der Ostküste der Vereinigten 
Staaten steht das Hinabdrängen des Oberflächenwassers in die Tiefe durch die 
auflandigen Winde an den Westküsten Europas gegenüber, das sich durch die 
aufserordentliche Dieke der Schicht warmen Wassers an diesen Küsten verräth. 
Eine neue Anwendung der orthographischen Aequatorialprojektion 
in der Nautik. 
Schon zu verschiedenen Zeiten hat man den Versuch gemacht, nautisch- 
astronomische Aufgaben auf mechanische Weise zu lösen. Dowes führte die 
orthographische Projektion auf die Meridianebene in die Navigation ein. In 
Rumkers „Lehrbuch der Navigation“ sind die Formeln für Zeit- und Höhen- 
sowie Breitenbestimmungen mittels derselben abgeleitet. Der Emäener Gymnasial- 
Professor Prestel wollte das astronomische Diagramm zum Zwecke rascher 
Lösung nautischer Probleme einführen, und mit der Don-Skala kann man bei 
einigem Geschick und Verständnifs die meisten nautischen Aufgaben konstruiren 
und auf graphische Weise lösen. Für den Gebrauch in Navigationsschulen hat 
Herr Privat-Navigationslehrer Volbers ein Instrument einzuführen versucht,
	        
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