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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1898. 
Das übrige herangezogene Material bestand in Monatswerthen, aus denen 
das Jahresmittel erst abzuleiten war. Für den Raum zwischen den Wendekreisen, 
in welchem die jährliche Schwankung zwar klein, aber von komplicirter Form 
ist, konnten die zwei extremen Monate nicht genügen; hier habe ich die Mittel 
aus Februar, Mai, August und November abgeleitet, für den Indischen und Stillen 
Ozean aus den Atlanten der Seewarte, für den Atlantischen aus dem bekannten 
Werke des Meteorological Office „Nine Ten-degrees Squares“, Für die aufser- 
tropischen Breiten habe ich das Mittel aus Februar und August im Stillen Ozean 
aus dem Atlas der Seewarte, in den Neufundland-Gewässern aus den Karten von 
Schott in Petermanns Mittheilungen 189 abgeleitet. 
Auf‘ Tafel 9 sind die Gebiete mit mehr als 2° Anomalie durch Flächen- 
druck hervorgehoben, und zwar die zu kalten durch blauen, die zu warmen durch 
rothen Farbenton. Die dazwischen liegenden weifs gelassenen Meeresflächen sind 
thermisch neutral. 
Zwischen 0° und 40° Breite erstrecken sich die kalten Strömungen von 
den Westküsten der Kontinente, dem Passat folgend, von Südafrika und Süd- 
amerika als lange Zungen nach Westen. XNördlich vom Aequator sind die 
analogen Strömungen schwächer entwickelt, an der Küste der Sahara ist die 
Meerestemperatur nur wenig unter dem Normalwerth der Breite. In diesem Falle 
ist es wohl die aufserordentliche Wärme der speisenden warmen Strömung — 
des Westtheils des Ringes —, die eine sehr niedrige Temperatur auch in diesem 
Zweige des Kreislaufs nicht zuläfst. Dafs Afrika und Australien keine so aus- 
gedehnte kalte Strömung zeigen wie Südamerika, liegt wohl daran, dafs diese 
Festländer schon bei 35° S-Br ihr Ende erreichen und daher der grofsen, von 
den Weststürmen der „roaring fourties“ getriebenen östlichen Strömung keine 
solche Barriere entgegenstellen, wie Südamerika. Der grofse Unterschied zwischen 
Afrika und Australien ist aber dabei auffallend. 
Wo der stark entwickelte äquatoriale Gegenstrom des Stillen Ozeans die 
Westküste Mittelamerikas trifft, häuft er zwischen dem peruanischen und dem 
kalifornischen Kältegebiet eine erhebliche Fläche warmen Wassers auf; dafs in 
der analogen Guinea - Strömung im Atlantischen kein entsprechendes Gebiet 
positiver Anomalie sich zeigt, liegt zum Theil an der nördlicheren Lage des 
Gegenstromes im Stillen Ozean, im Bereich niedrigerer Normalwerthe, zum Theil 
vielleicht an der verschiedenen Gröfse beider Ozeane. Für das kalte Küsten- 
wasser an der Goldküste findet sich im Stillen Ozean keine Analogie. 
Jenen kalten Strömen symmetrisch gegenüber liegen in gleichen Breiten 
auf der Westseite derselben Ozeane warme, polwärts gerichtete Strömungen. Im 
Südatlantischen Ozean halten einander beide die Waage, im Südpacifischen ist 
der kalte, im Südindischen der warme Strom mehr entwickelt. Ganz besonders 
aber ist das letztere auf der nördlichen Halbkugel, vor Allem im Atlantischen 
Ozean, der Fall Golfstrom und Kuro Shiwo sind ihren kalten Gegenstücken 
auf den Ostseiten weit überlegen. Für den Gegensatz zwischen dem Süden und 
Norden in diesen beiden Ozeanen hat man, wahrscheinlich mit Recht, vor Allem 
die im Süden weit offene, im Norden durch Landmassen sehr eingeschränkte 
Verbindung mit den beiden Eismeeren verantwortlich gemacht. Denn die leichte 
Verschiebbarkeit der Wassertheilchen bedingt es, dals zwischen zwei Wasser- 
massen verschiedener Temperatur, die miteinander in offener Verbindung stehen, 
die wärmere kälter, die kältere wärmer wird, als wenn keine Verbindung zwischen 
ihnen bestanden hätte; selbst wenn keine ständigen Strömungen, sondern nur 
zufällig wechselnde Triften in gelegentlichen Stürmen zwischen ihnen bestehen. 
Wahrscheinlich ist es dieses selbe Princip, dem wir auch die Kälte des Meeres- 
raumes zwischen Südgeorgien und Kerguelen, verglichen mit den gleichen Breiten 
zwischen den Auckland - Inseln und Kap Horn, zuschreiben müssen. Denn die 
grofse östliche Meeresströmung, welche in diesen südlichen Breiten die Erde um- 
kreist unter dem Antrieb der „braven Westwinde“, wird hier mehr aus niederen, 
dort mehr aus höheren Breiten gespeist, eine Andeutung dafür, dafs im Süden 
des Atlantischen und Indischen Ozeans das Meer weiter zum Pol hinaufreicht 
als im Süden des Stillen Ozeans. 
Für die Erklärung der klimatologisch so interessanten viel höheren Wärme 
der Oberfläche des Nordatlantischen, verglichen mit dem Nördlichen Stillen 
Ozean, genügt indessen dieses Princip noch nicht. Die Beobachtungen aus dem
	        
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