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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1898.
Der in der Strafse herrschenden starken Strömung wegen (bis zu 3 Sm
stündlich) ist die Strafse nur Dampfern, und auch diesen nur bei Tage oder
klaren Nächten, zu empfehlen. Bei unsichtigen Nächten, Regen u. 8. w. thut
man gut, den Tag abzuwarten. Ankerplätze giebt es, so viel wie bekannt, in
der Strafse nicht.
Jahres-Isothermen und -Isanomalen der Meeresoberfläche.
Von W. KÖöPPEN.
(Hierzu Tafel 9.)
Bei Darstellung der Meeresströmungen, besonders für ein gröfseres
Publikum, ist es längst üblich, kalte und warme Strömungen zu unterscheiden,
mögen die betreffenden Karten im Uebrigen noch so einfach ausgestattet sein.
Und mit Recht, hat doch der gewaltige Wärmetransport durch Meeresströmungen
eine tiefgreifende Wirkung auf die Anordnung der Klimate der Erde.
Demgegenüber mufs es auffallen, dafs es noch an einer klaren Definition
dessen, was man unter einer warmen und kalten Strömung zu verstehen hat, und
an dem Versuch einer ziffermäfsigen Feststellung dieser Kigenschaften fehlt.
Wie in anderen Fragen der physikalischen Geographie, wird man geneigt
sein, zunächst in dem kapitalen physikalischen Atlaswerk von Berghaus nach
Auskunft über den jetzigen Stand dieser Frage zu suchen. Da findet man aber,
Jafßs die drei Karten, die ihr gewidmet sind (Tafel 21, Hauptkarte, Tafel 22 beide
dberen), einen durchaus unklaren Standpunkt vertreten. Berghaus hat nämlich,
soweit seine Karten überhaupt auf die Temperatur der Strömungen eingehen,
zwischen einer Darstellung ihrer absoluten und ihrer relativen Temperatur ge-
schwankt. In den hohen Breiten beider Halbkugeln finden wir die graue
Färbung für „kalte Strömungen“ herrschend, in niederen Breiten stehen den rothen
bezw. violetten „warmen“ grüne „kühle“ Strömnngen gegenüber, zu denen in-
dessen die kalifornische und Kanarien-Strömung nicht gerechnet sind, die viel-
mehr als Zweige der „Westwind-Trift“ mit der norwegischen die gleiche Farbe
iragen. Dagegen sind die Ausläufer der „warmen Strömungen“ in den gemäßigten
Zonen (Golfstrom, Kuro Shiwo u. s. w.) als „laue Strömungen“ dunkelblau her-
vorgehoben. Temperaturwerthe sind nicht angeführt.
Der bereits bestehende Sprachgebrauch in der Geographie ist konsequenter:
man spricht von einer warmen Strömung bei Spitzbergen und einer kalten an
der peruanischen Küste und meint damit offenbar nur „kalt und warm relativ
zur Breite und Umgebung“. Will man den Begriff präcisiren, so kann man ihn
zunächst nur auf den Normalwerth gründen, der dieser Breite zukommt. Es
wird sich also, nach Doves Bezeichnung, um die Bestimmung der „thermischen
Anomalie“ der Wasseroberfläche und deren graphische Darstellung durch „Isa-
aomalen“ handeln.
Zuvörderst galt es nun, die normale Temperatur der Meeresoberfläche für
jede geographische Breite zu bestimmen. Solche Normalwerthe liegen für das
Wasser noch nicht vor, wohl aber für die Luft. Nun ist aber im Jahresmittel
der Unterschied zwischen der Temperatur der Meeresoberfläche und der Luft
darüber nur gering; wenn man kalte und warme Strömungen zusammenfafßst und
als Wasser- und Lufttemperatur die gewöhnlichen Bestimmungen an Bord der
journalführenden Schiffe zu Grunde legt, so ist in der Nähe des Aequators die
Meeresoberfläche nur 0,2° C wärmer als die Luft.!) Will man sich also auf
das Jahresmittel beschränken, so kann man die Normaltemperaturen der Breiten-
kreise, welche für die Luft über dem Meere abgeleitet sind, mit geringen
Korrektionen auch für die Wasseroberfläche als Norm nehmen, da sich die ent-
gegengesetzten Abweichungen in kalten und warmen Meeresströmungen bei diesen
Mittelwerthen annähernd ausgleichen.
Zenkers Normaltemperaturen der Meeresluft sowie die Korrektiouen zu
deren Verwandlung in Wassertemperaturen giebt das folgende Täfelchen:%
1) Vgl. Köppen: „Temperaturen des Wassers und der Luft an der Oberfläche der Ozeane“.
Diese Annalen, 1890, S. 445. *
2) Vgl. Zenker: „Der thermische Aufbau der Klimate“, Halle 1895. Nova Acta Leop.-
Dar. Ac., Bd. 67.