OÖrkanartiger Sturm bei den Kap Verden am 4. und 5. Oktober 1896. 355
von 14!/2° N-Br bis nach 11° N-Br wehten leichte südwestliche und westliche
Winde, wohl der letzte Rest des Südwestmonsuns. Weiter nach Süden holte
der Wind bei zunehmendem Luftdruck links herum, bis in 1 bis 2° N-Br der Südost-
passat durchkam. Auf einen Orkan, wie ihn der „Trust“ durchzumachen hatte,
deuten die Angaben der Tabelle in keiner Weise hin; nur die Beobachtungen
des Dampfers „Pfalz“ zeigen, dafs etwas für die Gegend Aufsergewöhnliches in
der Witterung ‚sich ereignete... Die Beobachtungen des „Trust“ lassen sich, ab-
gesehen von den zu hohen Barometerständen, schwer mit den Angaben der
Tabelle in Einklang bringen; auch die Windstärke scheint auf dem „Trust“ be-
deutend höher angesehen zu sein als auf den anderen Schiffen. „Trust“ befand
sich, nach- dem niedrigsten Stande seines Aneroids zu schliefsen, dem Wirbel-
centrum, welches südlich von ihm lag, um 4 Uhr morgens den 5. Oktober am
nächsten. Der Schiffsort läfst sich nicht genau feststellen; derselbe wird an-
nähernd 19° N-Br und 27° W-Lg gewesen sein. Auf dem Dampfer „Pfalz“
wurde um 12 Uhr nachts den 4. Oktober auf 15,6° N-Br und 25,5° W-Lg der
niedrigste Barometerstand und, wie schon bemerkt, die höchste Windstärke
beobachtet. Die Entfernung des „Trust“ vom Dampfer „Pfalz“ dürfte etwa
NNW 230 Sm gewesen sein. Es ist daher sehr wohl möglich, dafs „Trust“ es
mit einem besonderen lokalen Wirbel von verhältnifsmäfsig geringer Ausdehnung
zu thun gehabt hat, der von Winden mit orkanartigen Stärken umkreist wurde.
Wenn aber das Centrum einer und derselben Depression etwa um 12 Uhr
nachts dem Dampfer „Pfalz“ und um 4 Uhr morgens dem Schoner „Trust“ am
nächsten gewesen ist, so mufs die letztere mit einer ganz bedeutenden Ge-
schwindigkeit in nordnordwestlicher Richtung fortgeschritten sein.
Ansegeln und Passiren der Pitt’s-Stralfse.
Von Kapt, E. ZACHARIAE, Führer des Dampfers „Stettin“.
Von Westen kommend, Bei hellem Tage bietet das Ansegeln und
Passiren dieser Strafse keine Schwierigkeiten, da man die Einfahrt schon weit
genug erkennen kann, die Strafse absolut rein ist und man sich nur in der Mitte
derselben zu halten braucht.
Um das auf der Ostseite der Straße vorgelagerte Battanta-Riff frei zu
passiren, steuere man, sobald die Insel Snapan gut frei von Salwatti ist,
rw. 0'448, Snapan in 1 bis 1'/s Sm Abstand passirend.
Bei Nacht jedoch und selbst bei heller Nacht ist die Einfahrt nicht so
leicht auszumachen. Hauptsächlich muß man sich davor hüten, beim Anlaufen
der Strafse zu südlich zu kommen, da dann das Land im Eins erscheint, und
man vergeblich nach der Einfahrt sucht.
Man passire den Berg Mata auf Popa- (Kofiao-) Insel vw. NNW!/2W
in etwa 7 Sm Abstand. (Der Berg ist bei Nacht besser auszumachen, und dann
sind nach meiner Erfahrung die Konturen der Insel in der Karte grundverkehrt
angegeben. Deshalb ist es nicht rathsam, einen Abstand von den Kcken zu
nehmen.) Dann steuere man rw. NOz0'/4O0, Visscher-Insel in etwa 5 bis
5 Sm Abstand passirend. Dann laufe man auf diesem Kurse weiter, bis Visscher-
Insel und Kap Mabo zusammengehen, und steuere dann längs der Küste (etwa
1 Sm Abstand), welche bis zur Einfahrt Rogewin-Insel vollständig frei ist. Hat
man Rogewin-Insel passirt, so thut man bei Nacht gut, sich etwas nach der
Südseite der Strafse hin zu halten, da diese vollständig rifffrei ist, während der
Nordseite stellenweise kleine Riffe bis zu !/2 Sm Abstand vorgelagert sind.
Von Osten kommend, passire man Dom-Insel (Kap Spencer) in etwa
21/2 Sm Abstand und steuere dann, Snapan-Insel in 1 bis 1'% Sm Abstand
passirend, in die Mitte der Straßse.
Das Passiren der Strafse von Osten bei Nacht ist jedoch auch nur bei
ganz klarer Luft zu empfehlen, da man sonst Snapan-Insel nicht sieht und dann
sehr leicht auf Battanta-Riff oder die zwischen Dom - Insel und Snapan- Insel
zelegenen Riffe geräth.