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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1898,
standen wir etwa 10 Sm südlich vom Kap Bangko und segelten jetzt der Lombok-
Straße zu. In der Nähe des genannten Kaps hatten wir von 9 bis 12 Uhr vor-
mittags starke Stromraselungen. Da die Strömung mit 2 bis 4 Knoten Fahrt
nach Südost setzte, mufsten wir WNW steuern, um von der Küste frei zu bleiben.
Nachdem wir gegen Mittag Kap Bangko passirt hatten, fanden wir den Gegen-
strom weniger werdend, und da der Wind aus SSW bis SW anffrischte, liefen
wir jetzt in der Mitte der Strafse rasch nordwärts. Schon um 4 Uhr nachmittags
hatten wir Bali- Berg in der Peilung West.!) Reisedauer von New York bis
dort 99 Tage. Die Länge fanden wir, wie angenommen, 30‘ westlicher als nach
Chronometer.
Makassar-Strafse. Wie der Jahreszeit angemessen war, nahm Kapt.
Stöver den weiteren Weg durch die Makassar-Straßse und nördlich von Celebes
und Djilolo nach dem Stillen Ozean. Er passirte mit leichten, vorwiegend süd-
östlichen Briesen im Osten der in der Mitte des südlichen Einganges der Straße
gelegenen Bänke und kam am 8. November bei Kap Mandar in die Nähe der
Küste von Celebes, die er weiterhin festhielt. In Bezug auf die Wahl dieser
Route bemerkt Kapt. Stöver:
Ich glaube, wir hätten besseren Erfolg gehabt, wenn wir zwischen Kap
Mandar und Kap William der Küste von Celebes ferner geblieben wären, denn
in der Nähe derselben lief, vor Allem des Nachmittags, eine starke südliche
Strömung, gegen welche nicht voran zu kommen war; weiter ab schien dieselbe
nicht so stark zu sein. Von Kap William an, wo wir uns stets nahe der Küste
hielten, setzte der Strom nördlich bei leichter Land- und Seebriese,?)
Außerhalb der Makassar - Strafe steuerte „Columbus“ zunächst, der An-
weisung im Segelhandbuch folgend, einen östlichen Kurs, der unweit der Nord-
küste von Celebes und südlich von Sangir-Insel führte. Kapt. Stöver vermied
damit, dafs er zu früh in Nordostwind und westlichen Strom gerieth, was auf
einer nördlicheren Route der Fall gewesen wäre; er hatte vielmehr, indem er
5°N-Br erst in 131° O-Lg überschritt und dann nördlicher steuerte, bis 8° 30’N-Br
und 134° 3’ O-Lg fast stets südwestliche, mitunter ziemlich frisch wehende Briese
und beständig eine östlich setzende Strömung. Vom 18. November bis zum
1. Dezember zwischen 1° 16’ N-Br, 119° 38‘ O-Lg und dem vorher genannten Orte
betrug die Gesammtversetzung in östlicher Richtung in 13 Tagen 338 Sm, bei
den erschwerenden Umständen der Segelschiffahrt in diesen windstillen Gewässern
jedenfalls eine werthvolle Hülfe. ”
Kalama - Insel, Passage-Inseln. Als wir am 25. November Kalama-
Insel passirten, kamen Kingeborene von dort an Bord, Dieselben hatten nur
Bananen und Kokosnüsse zum Verhandeln und waren sehr bescheiden in ihren
Forderungen für die Früchte.
Zunahme des Nordostmonsuns im Westen von Formosa. Am
10. Dezember um 9 Uhr vormittags passirten wir das Südwestkap von Formosa.
Je mehr wir uns auf dem Wege nach Westen von der Insel entfernten, desto
mehr nahm der Wind aus Nordost an Stärke zu. Gegen Tagesanbruch am 11.
wehte er als voller Sturm, dabei eine solch grobe See erzeugend, dafs wir um
9 Uhr vormittags beidrehen mufsten, da Alles von Deck zu waschen drohte,
Gegen Mittag lief der Wind ein wenig nach, weshalb wir um 3 Uhr nachmittags
wieder abhielten. Je mehr wir uns der Küste von China näherten, desto leichter
srurde der Wind.
1) Nach den Angaben im „Segelhandbuch für den Indischen Ozean“ (Seite 562) sollte in
der Lombok - Strafse der Gezeitenstrom am 1. November 1897 von ungefähr 5b 300 a bis 1b 30m p
südlich und von 1b 30” p bis 6b p nördlich setzen.
2) Siehe Sevelhandbuch, Seite 684.