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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Septemher 1898
Aus den Fragebogen der Deutschen Seewarte, betreffend Häfen.
Jafla.
„Mediterranean Pilot“, vol. II, 1895 — B. V, — 5. 470/471,
Kaiserlich deutscher Vicekonsul Schmidt, Jaffa, Juni 1598.
Lootsenwesen. Lootsen sind nicht vorhanden, der Hafen vorsteher (Limän
Reissi) hat sein Geschäftszimmer am Landungsplatz bei dem Zollhaus und übt
auch die Hafenpolizei aus.
Gesundheitspolizei. Jedes Schiff mufs im Besitz eines Gesundheitspasses
sein und bedarf der Erlaubnifs der Gesundheitsbehörde (Office de sanitc), die
aus einem Officeier de sante€ und einem Quarantänearzt besteht, um mit dem
Lande in Verkehr zu treten. Zur Erlangung der Praktika mufs sich der Schiffs-
führer oder, wenn ein solcher an Bord, der Schiffsarzt mit dem Gesundheitspals
an Land zum Gesundheitsamt am Landungsplatz begeben und dort ein „inter-
vogatoire“ unterschreiben. Das Fehlen des Gesundheitspasses, der für jeden
Hafen visirt sein ınuls, ist mit Strafe bedroht, die für Dampfer 216 M. beträgt.
Eine Quarantäneanstalt ist nicht vorhanden; die Quarantäne, deren Dauer der
[Internationale Gesundheitsrathı (Conseil superieur de sante international) in
Konstantinopel für aus verseuchten Häfen kommende Schiffe bestimmt, mufs in
den Anstalten von Beirnt, Smyrna oder "Tripoli in Afrika abgemacht werden.
Zwischen Sonnenunter- und Aufgang wird keine Praktika ertheilt.
Zollamtliche Behandlung richtet sich nach der Notification ofticielle
der Generalverwaltung der indirckten Steuern in Konstantinopel vom 17. IV. 1893,
Hafeneinrichtungen sind nicht vorhanden; es liegen zwei Bewerbungen
um Ausführung solcher vor. Schiffs- und Maschinenbau-Anlagen sowie Bunker-
kohlen und sonstige Ausrüstung sind nicht vorhanden.
Ausrüstung. Frischer Proviant ist zu Marktpreisen vorhanden und
wohlfeil; im Allgemeinen verproviantiren sich die Schiffe nicht hier, sondern in
Port Said oder Beirut, doch sind auf vorhergehende Bestellung Fleisch,
Geflügel, Eier, Gemüse auch in gröfserer Menge stets zu haben.
Wasser. Die Schiffe müssen sich aus den öffentlichen Brunnen der Stadt
versorgen, wofür aufser etwaigen Transport- keine weiteren Kosten entstehen.
Schiffahrtsunkosten. Nach Registertonnen werden erhoben: Feuer-
gelder, für die ersten 800 t 0,09 M. für jede Tonne, darüber für Jede Tonne
mehr 0,045 M.; Quarantänegelder werden für jede Reise für jedes Schiff nur
einmal und zwar gewöhnlich im ersten türkischen Hafen erhoben für die Tonne
bis 500 t 0,09 M., von 501 bis 1000 t 0,054 M., darüber hinaus 0,036 M.
Schiffsverkehr. Vom 1. Juni 1896 bis 30. Mai 1897 liefen den Hafen
an mit Ladung 385 Dampfer mit 505510 Tonnen, darunter ein deutscher von
4012 t, Segler sind nicht ermittelt; im gleichen Zeitraum 1897/98 414 Dampfer
mit Ladung 521 637 t, darunter zwei deutsche von 6037 t, ferner 274 Segler mit
14000 t. Im Dampferverkehr herrscht die österreichische Flagge vor, die Segler
sind fast ausschliefslich türkischer Nationalität. Ein Agent des Norddeutschen
Lloyd ist am Ort ansässig.
Ein- und Ausfuhr betrug 1896 5 bezw. 7,2 Millionen Mark, 1897 je
6 Millionen Mark. Eingeführt werden Baumwoll-, Woll- und Seidenwaaren, Eisen-
waare, Petroleum, Bauholz, Reis, Zucker, Mehl, ausgeführt Orangen, Wolle,
Olivenöl, Häute, Koloqguinthe, Wein. Die Segler dienen meist dem Getreide- und
Fruchttransport im Bereich der Küstenschiffahrt.
Postdampferverbindung. Von den zwischen Port Said und Beirut und
umgekehrt verkehrenden Linien wird Jaffa auf jeder Tour angelanfen und zwar
vom Oesterreichischen Lloyd und der Khedivial Mail Steamship and graving
dock Co. Lmtd, (bisher Khedivic) je einmal die Woche, von der Comp. Russe
de Navigation ä Vapeur et de Commerce und den Messageries Maritimes je
einmal alle 14 Tage.
Telegraphische Verbindung mit Landtelegraph über Port Said und Beirut.
Eisenbahn nach Jerusalem.
Allgemeines, Jaffa hat nach Schätzung 27000 Einwohner, darunter 600
Jeutsche, in welche ein Prediger und zwei Aerzte einhegriffen sind. Die