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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

f Ehrenfried Duderstadt, Dr. ph, 
345 
Als die Zahl der überseeischen deutschen meteorologischen Stationen in- 
folge der Ausbreitung der Kolonisationsbestrebungen Deutschlands immer wuchs, 
und die Abtheilung I’ nicht mehr in der Lage war, die Verwaltung, Berechnung 
und Drucklegung dieser Stationen allein auszuführen, übernahm diese Arbeit der 
Direktor, unterstützt durch seinen persönlichen Hülfsarbeiter. Mit welchem 
Geschick und mit welcher Hingabe sich Dr. Duderstadt auch dieser gro[fsen 
Aufgabe widmete, mufß an dieser Stelle rühmend hervorgehoben werden. 
Wie schon erwähnt, trat der Verstorbene im Spätjahre 1894 von der von 
ihm durch eine Reihe von Jahren mit seltener Gewissenhaftigkeit verwalteten 
Stelle, nachdem er unter dem 19. März 1890 schon zum etatsmäfsigen Assistenten 
bei der Deutschen Seewarte ernannt war, zurück, um in die Abtheilung IIX für 
Wettertelegraphie einzutreten, 
Mit gleicher Pflichttreue war Dr. Duderstadt in dieser Abtheilung, die 
an die darin Wirkenden große Anforderungen stellt, thätig, bis er endlich zu 
Anfang des gegenwärtigen Jahres austrat, um als Bibliothekar an der Seewarte 
thätig zu gein. Leider waren die letzten Jahre des Verstorbenen vielfach durch 
Erkrankungen getrübt; theils war es ein Gehörleiden, theils auch ein Leiden der 
Respirationsorgane, welche ihn monatelang von dem Dienste fernhielten. Es soll 
nicht unerwähnt bleiben, dafs Dr. Duderstadt, ungeachtet der Inanspruchnahme 
und mannigfacher Erkrankungen nicht nachliefß, wissenschaftlich weiter zu arbeiten. 
So verdanken wir ihm denn manche interessante Abhandlung, welche in den 
„Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“ erschienen ist, und 
wovon hier nur die im vorigen Jahrgange der genannten Zeitschrift unter dem 
Titel „Die Sturmböen in der Nordsee und der westlichen Ostsee während der 
Zeit vom 4. bis 17, Juli dieses Jahres“, Seite 375 bis 387, erschienene genannt 
werden mag. 
Mit der Uebernahme der Verwaltung der Bibliothek erstand Dr. Duderstadt 
eine Aufgabe, die seinem Wesen, seiner wissenschaftlichen Neigung ganz besonders 
zusagte, Die wenigen Wochen, welche ihm gegönnt waren, diesem Wichtigen, 
für das Leben eines wissenschaftlichen Instituts so aufserordentlich dankbaren 
Amte zu leben, lassen erkennen, mit welcher Einsicht, Sachkenntnifs und Hin- 
gabe der Verstorbene wirkte, und lassen auch den Verlust, -der der Seewarte 
durch seinen Tod erwuchs, dem vollen Umfange nach würdigen. Wenn diese 
Thätigkeit in dem Bereiche der vielgestaltigen Werke der Bibliothek der Seewarte 
so ganz dem Wesen Duderstadts entsprach, so würde es doch ein Irrthum sein, 
wollte man annehmen, daß er in der Verwaltung der Bücherschätze seine volle 
Befriedigung gefunden hätte, vielmehr trug er sich bereits mit dem Gedanken, die 
ihm gelassene freie Zeit wissenschaftlichen Forschungen zu widmen, wozu gerade 
diese Stellung in so reichem Mafse die Gelegenheit bietet. Nicht zum Mindesten 
mufs anerkannt werden, dafs die gerade und offene Weise, in welcher er seinen 
Kollegen in der Seewarte und Allen, welche begierig waren, die Bibliothek zu 
benutzen, entgegenkam, ibm die Werthschätzung gewann; sein einfaches. und 
bestimmtes, jeder Zeit, wenn auch nicht übermäßig den äufseren Formen 
Rechnung tragendes Wesen sicherte ihm die Anerkennung und Achtung der 
Beamten des Institutes, und mit aufrichtigem Schmerze sah man den biederen 
Kollegen aus dem übernommenen Amte und aus dem Leben scheiden, als ihn 
eine tückische Krankheit dahinraffte. Noch wenige Tage vor seinem Hinscheiden 
hatte Dr. Duderstadt sich bei der Regatta des Norddeutschen Seglerverbandes 
(Hamburger Jachtklub), dessen geschätztes Mitglied er war, betheiligt. Erst am 
Morgen seines Todestages, den 23. Juni d. J., wurde der Direktion die Künde 
von dem unabwendbaren, herben Verluste, der ihr drohte, zu theil. Duderstadt 
starb an einer Blutvergiftung, die sehr rapide verlief, gegen 11 Uhr des genannten 
Abends eines sanften Todes, 
Seine irdische Hülle wurde in seinem Heimathorte Groß-Ottersleben be- 
stattet, nachdem ihm von den Beamten der Seewarie und seinen Hamburger 
Freunden das Geleite bis zum Bahnhof gegeben war. Der mit Blumenspenden 
reich bedeckte Sarg barg die Hülle eines durchaus biederen, pflichttreuen und 
hochbegabten deutschen Gelehrten. Alle, die ihn kannten und schätzen zü lernen 
die Gelegenheit hatten, werden ihm ein treues Angedenken bewahren. Dr. N. 
Ann. d. Hydr. ete., 1898, Heft 1X.
	        
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