f Ehrenfried Duderstadt, Dr. ph,
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Als die Zahl der überseeischen deutschen meteorologischen Stationen in-
folge der Ausbreitung der Kolonisationsbestrebungen Deutschlands immer wuchs,
und die Abtheilung I’ nicht mehr in der Lage war, die Verwaltung, Berechnung
und Drucklegung dieser Stationen allein auszuführen, übernahm diese Arbeit der
Direktor, unterstützt durch seinen persönlichen Hülfsarbeiter. Mit welchem
Geschick und mit welcher Hingabe sich Dr. Duderstadt auch dieser gro[fsen
Aufgabe widmete, mufß an dieser Stelle rühmend hervorgehoben werden.
Wie schon erwähnt, trat der Verstorbene im Spätjahre 1894 von der von
ihm durch eine Reihe von Jahren mit seltener Gewissenhaftigkeit verwalteten
Stelle, nachdem er unter dem 19. März 1890 schon zum etatsmäfsigen Assistenten
bei der Deutschen Seewarte ernannt war, zurück, um in die Abtheilung IIX für
Wettertelegraphie einzutreten,
Mit gleicher Pflichttreue war Dr. Duderstadt in dieser Abtheilung, die
an die darin Wirkenden große Anforderungen stellt, thätig, bis er endlich zu
Anfang des gegenwärtigen Jahres austrat, um als Bibliothekar an der Seewarte
thätig zu gein. Leider waren die letzten Jahre des Verstorbenen vielfach durch
Erkrankungen getrübt; theils war es ein Gehörleiden, theils auch ein Leiden der
Respirationsorgane, welche ihn monatelang von dem Dienste fernhielten. Es soll
nicht unerwähnt bleiben, dafs Dr. Duderstadt, ungeachtet der Inanspruchnahme
und mannigfacher Erkrankungen nicht nachliefß, wissenschaftlich weiter zu arbeiten.
So verdanken wir ihm denn manche interessante Abhandlung, welche in den
„Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“ erschienen ist, und
wovon hier nur die im vorigen Jahrgange der genannten Zeitschrift unter dem
Titel „Die Sturmböen in der Nordsee und der westlichen Ostsee während der
Zeit vom 4. bis 17, Juli dieses Jahres“, Seite 375 bis 387, erschienene genannt
werden mag.
Mit der Uebernahme der Verwaltung der Bibliothek erstand Dr. Duderstadt
eine Aufgabe, die seinem Wesen, seiner wissenschaftlichen Neigung ganz besonders
zusagte, Die wenigen Wochen, welche ihm gegönnt waren, diesem Wichtigen,
für das Leben eines wissenschaftlichen Instituts so aufserordentlich dankbaren
Amte zu leben, lassen erkennen, mit welcher Einsicht, Sachkenntnifs und Hin-
gabe der Verstorbene wirkte, und lassen auch den Verlust, -der der Seewarte
durch seinen Tod erwuchs, dem vollen Umfange nach würdigen. Wenn diese
Thätigkeit in dem Bereiche der vielgestaltigen Werke der Bibliothek der Seewarte
so ganz dem Wesen Duderstadts entsprach, so würde es doch ein Irrthum sein,
wollte man annehmen, daß er in der Verwaltung der Bücherschätze seine volle
Befriedigung gefunden hätte, vielmehr trug er sich bereits mit dem Gedanken, die
ihm gelassene freie Zeit wissenschaftlichen Forschungen zu widmen, wozu gerade
diese Stellung in so reichem Mafse die Gelegenheit bietet. Nicht zum Mindesten
mufs anerkannt werden, dafs die gerade und offene Weise, in welcher er seinen
Kollegen in der Seewarte und Allen, welche begierig waren, die Bibliothek zu
benutzen, entgegenkam, ibm die Werthschätzung gewann; sein einfaches. und
bestimmtes, jeder Zeit, wenn auch nicht übermäßig den äufseren Formen
Rechnung tragendes Wesen sicherte ihm die Anerkennung und Achtung der
Beamten des Institutes, und mit aufrichtigem Schmerze sah man den biederen
Kollegen aus dem übernommenen Amte und aus dem Leben scheiden, als ihn
eine tückische Krankheit dahinraffte. Noch wenige Tage vor seinem Hinscheiden
hatte Dr. Duderstadt sich bei der Regatta des Norddeutschen Seglerverbandes
(Hamburger Jachtklub), dessen geschätztes Mitglied er war, betheiligt. Erst am
Morgen seines Todestages, den 23. Juni d. J., wurde der Direktion die Künde
von dem unabwendbaren, herben Verluste, der ihr drohte, zu theil. Duderstadt
starb an einer Blutvergiftung, die sehr rapide verlief, gegen 11 Uhr des genannten
Abends eines sanften Todes,
Seine irdische Hülle wurde in seinem Heimathorte Groß-Ottersleben be-
stattet, nachdem ihm von den Beamten der Seewarie und seinen Hamburger
Freunden das Geleite bis zum Bahnhof gegeben war. Der mit Blumenspenden
reich bedeckte Sarg barg die Hülle eines durchaus biederen, pflichttreuen und
hochbegabten deutschen Gelehrten. Alle, die ihn kannten und schätzen zü lernen
die Gelegenheit hatten, werden ihm ein treues Angedenken bewahren. Dr. N.
Ann. d. Hydr. ete., 1898, Heft 1X.