Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1898.
Anregung, die er in dieser Hinsicht von seinem Lehrer Professor Dr. Keil empfangen
hatte, an. In erster Linie waren es die Werke der griechischen Tragödien-
dichter und die ältere Litteratur der Römer, Plautus, Terenz u. s. w., die er
mit Vorliebe studirte. In die Philosophie wurde Duderstadt von den Professoren
Dr. Haym und Dr. Erdmann eingeführt, und zwar widmete er sich um jene Zeit
dem Studium des Aristoteles und Kant. Während bis zu dieser Epoche seines
Lebens sein Interesse wesentlich durch die humanistischen Studien gefesselt ge-
wesen war, wurde der junge Student durch die Vorträge von Professor A. Kirch-
hoff und Dr. Credner besonders zu geographisch - naturwissenschaftlichen
Forschungen angeregt. Duderstadt, welcher sich auch in dem akademischen
Leben mit Freiheit bewegte und kein Kopfhänger gewesen ist, promovirte nach
sieben Semestern. Die von ihm verfalste Dissertation hatte zum Gegenstande:
„De Particularum usu apud Catullum et Lucretium“ 1881, was gewissermafsen
den Abschlufs seiner Studien aus dem klassischen Gebiete bildete. Sodann, nach
zurückgelegtem Examen, absolvirte er sein Probejahr und wirkte einige Zeit als
Privatlehrer, immer noch in der Absicht, sich dem Lehrfache zu widmen. Allein
die Liebe zum Studium der Naturwissenschaften und namentlich der Geographie
erhielt endlich die Oberhand, und so trat er im Frühjahr 1885 in Beziehung zur
Direktion der Seewarte. Um jene Zeit tagte in Hamburg der V. Deutsche Geographen-
tag, mit dem, wie bekannt, eine handels- und allgemeine geographische Ausstellung
verknüpft war. Dr. Duderstadt leistete bei den Vorbereitungen zu dieser Aus-
stellung wesentliche Dienste und nahm an den Verhandlungen jener für die
geographische Forschung bedeutsamen Tagung intensiven Antheil. Wie in allen
Phasen seiner Thätigkeit, war auch hier die hingebende Widmung an die Sache,
welche es zu fördern galt, bezeichnend. Im Laufe des Sommers 1885 leistete
Dr. Duderstadt bei der Ordnung und Katalogisirung der Bibliothek der See-
warte Werthvolles, indem er den Direktor ‚mit Hingebung in getreuester Weise
unterstützte, Die Thätigkeit, welche unentgeltlich von dem Verstorbenen damals
geleistet wurde, darf ihm niemals vergessen werden.
Im November des Jahres 1885 wurde er als Hülfsarbeiter bei der Deutschen
Seewarte angestellt, und zwar wurde er auf besonderen Wunsch des Direktors
demselben zugetheilt. In dieser nicht allzu leichten Stellung wirkte Dr. Duder-
stadt bis zum September 1894 und zwar in einer Weise, die das Talent und
die Ausdauer des leider allzu früh Verstorbenen genugsam bekundet. Es mufs
ihm zum Verdienste angerechnet werden, dafs er die Beobachtungen im Interesse
der erdmagnetischen Forschung, in welche er sich zuerst einzuarbeiten hatte, mit
Geschick und grofsem Eifer bis zum Zeitpunkte des Austritts aus der genannten
Stellung ausgeführt hat. Besonders aber sind zu erwähnen seine erdmagnetischen
Beobachtungen im Felde während der Jahre 1889 bis 1891, welche sich vom
äußersten Östen des Küstengebietes Deutschlands bis nach der Elbe erstreckten
and gewissermafsen eine Ergänzung zu der erdmagnetischen Aufnahme
Dr. W. Schapers zwischen Elbe und Oder bildeten und sich andererseits an
die erdmagnetischen Beobachtungen Dr. Eschenhagens anschlossen, Es ist zu
bedauern, dafs es ihm im Drange der vielseitigen Arbeiten, welche ihm seine Stellung
zur Erledigung auferlegte, nicht möglich war, einen umfassenden Bericht über
diese tüchtige und verdienstvolle Arbeit zu erstatten. In den „Annalen der Hydro-
graphie und Maritimen Meteorologie“ vom Dezember 1893 befindet sich ein Auszug
aus diesem Berichte, welchem die umfassenden, leider noch nicht veröffentlichten
Arbeiten Duderstadts zu Grunde lagen. Im Hamburg führte Dr. Duderstadt in
der ganzen Reihe der Jahre von 1886 bis 1894 die Bestimmung der magnetischen
Elemente selbständig aus, Gleichzeitig untersuchte er eine große Anzahl Anemo-
meter auf dem Combesschen Apparate der Seewarte in Bezug auf ihre Konstanten
und stellte Beobachtungen an über die Eigenthümlichkeiten der einzelnen, auf der
Seewarte in Anwendung befindlichen Thermometer-Aufstellungen; auch über diese
Untersuchungen sind sowohl in den „Annalen der Hydrographie und Maritimen
Meteorologie“ als auch in dem Sammelwerke „Aus dem Archiv der Deutschen
Seewarte“!) ins Einzelne gehende Abhandlungen, bei welchen der Verstorbene
theils als Assistent des Direktors, theils selbständig thätig war, veröffentlicht worden.
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1) Jahrgang 1885, No. 2: „Vergleichende "emperaturbeobachtungen auf dem Reservoir der
Seewarte“ von Dr. E. Duderstadt.