Aus den Reiseberichten Seiner Majestät Schiffe.
49
Stromverhältnisse während der Fahrt von Port of Spain (Trinidad)
nach Pernambuco.
S. M. S. „Geier“, Kommandant Korv.-Kapt, Jacobsen.
Die Angaben der „Monthly Current Charts“ über die Strömungen an der
Nordostküste von Südamerika für April werden als richtig befunden. Insbesondere
stimmten die Angaben über die Ausdehnung des stromfreien (jebietes nördlich
des Küstenstromes vollkommen. Nur am 16. April stellte es sich heraus, dafs
von den Rocas-Inseln südlich bis zu 7° 20‘ S-Br kein starker West- oder Nord-
weststrom, sondern schwacher Nordstrom von 8,3 Sm gesetzt hatte, Dies wird
wohl durch den Umstand erklärt, dafs während einiger Tage vorher in der Um-
gegend von Pernambuco starker südlicher Wind geweht hatte.
Es wurden auf der Fahrt von Port of Spain bis Pernambuco folgende
Beobachtungen über Strom gemacht:
Datum
Anril
1
Breite
10° 48,8‘ N
10° 26,2‘ N
10° 3ZU'N
8° ZN
6° 16°‘ N
4° 14,7
2° 2,7'N
0° 58,3'N
3° 3,88
7° 185! 8
W-Le
59° 52,5
56° 7
52° 28,8
48° 57,2!
46° 2,8
43° 8,5
39° 53,5
36° 58
38° 52
34° 14°
Versefzung
W 63 Sm in 16 Stunden
N 36° W 484 „ ..
N53° W 47,0
N 29° W 70
W 10
N 9,0 ?
N25°W 7,0 8
N45°W 30.0 % » ?
N27°W 635 „ „?
N 83 1. 2 27
ı' Ehrenfried Duderstadt, Dr. ph.,
geboren am 5. Juni 1856, gestorben am 23. Juni 1898,
Wenn ein Leben zu Ende geht, das mit Hoffnungen begann und zu
Hoffnungen berechtigte, noch bevor es seine volle Entwickelung gehabt, so ist
das stets ein Ereignifs höchst betrübender Natur; wenn aber, wie in dem Falle,
dem diese kurze Besprechung gewidmet ist, mitten aus dem Schaffen heraus ein
Gelehrter, aus dem Wirkungskreise, dem er durch seine Arbeit zum Vortheil
gereichte, gerissen wird, so ist das als ein empfindlicher Verlust, und zwar zunächst
für diesen Wirkungskreis und sodann auch für die Wissenschaft im Allgemeinen
zu bezeichnen. Dr. Ehrenfried Duderstadt, welcher der Deutschen Seewarte
seit November des Jahres 1885 angehörte, hat sich in diesem Institut eine
Stellung erworben, die sein Scheiden als eine schwer fühlbare Lücke erscheinen
läfst. Diese wenigen Zeilen sollen nur dazu dienen, diese Auffassung über das
frühzeitige Scheiden des begabten und ernststrebenden Mannes zu erhärten und
sein Andenken zu bewahren.
Ehrenfried Duderstadt war als Sohn einfacher Bürgersleute in Grofe-
Ottersleben bei Magdeburg am 5. Juni des Jahres 1856 geboren und besuchte
die Elementarschule seines Geburtsortes, bis er reif war zum Besuche des Dom-
Gymnasiums in Magdeburg, das er von 1870 an mit besonderem Eifer und gutem
Erfolge besuchte. Er erkannte es stets besonders dankbar an, wie dort unter
dem Einflusse tüchtiger Lehrer sein Sinn für das Studium der klassischen Sprachen
geweckt worden ist. Nach Mittheilungen seiner Angehörigen erfreute er sich zu jener
Zeit keiner besonders festen. Gesundheit und war häufig genöthigt, deshalb eine
Pause in seinen Studien eintreten zu lassen, Erst mit dem Leben auf der Universität
Halle-Wittenberg erblühte für ihn in dieser Hinsicht eine erfreulichere Zeit, da
seine Gesundheit gekräftigt war und er infolgedessen seinen Studien mit Eifer
obliegen konnte. Seinem eigenen Bekenntnisse nach lebte er damals mit beson-
derem Eifer der klassischen Philologie, und erkannte stets dankbarst die grofse