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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

340 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1898. 
Es beweist dies aber zugleich, welch geringen Werth für die Wettervoraussage 
das Barometer in dieser Gegend hat. 
Aus dem Vorhergehenden ergiebt sich, dafs der letzte Winter an der 
Südküste von Shantung keineswegs ein strenger gewesen ist. Es wäre aber 
voreilig, aus diesem einen Beispiel einen allgemeinen Schlufs auf die winter- 
ichen Wetterverhältnisse von Kiautschou machen zu wollen. Nach den Aussagen 
aller Eingeborenen war vielmehr der letzte Winter ein ganz aufserordentlich 
milder, und es wird dies auch durch die ganz exceptionelle Thatsache bestätigt, 
dafs in diesem Jahre z. B. der Peiho bei Tientsin schon im Januar eisfrei war. 
In den kommenden Jahren wird man sich also zweifellos auf weit kälteres Wetter 
gefafst machen müssen. Trotzdem darf aus den Erfahrungen dieses Jahres doch 
schon geschlossen werden, dafs die gegen Nord und Nordost so sehr geschützte 
Lage der Südküste von Shantung im Allgemeinen das Wetter erträglicher macht 
als an der Nordküste, dafs also Kiautschou jedenfalls klimatisch günstiger liegt 
als z. B. das gegen Norden offene Tschifu mit seinem gefürchteten Winterklima, 
wie dies auch aus einem Vergleich der beiderseitigen meteorologischen Beob- 
achtungen ohne Weiteres hervorgeht. Die Angabe des „China Directory“, dafs 
die Kiautschou - Bucht gelegentlich zufriert, scheint demnach nicht sehr wahr- 
scheinlich bei dem starken Strom und den häufigen Winden; in diesem Winter 
war jedenfalls auch nicht der leiseste Ansatz zu einer Eisbildung zu bemerken. 
2. Stromverhältnisse. 
Die Stromverhältnisse in und an der Bucht von Kiautschou entsprechen 
im Allgemeinen den Angaben der englischen Karte. Ein wirklich erheblicher 
Strom herrscht nur in der Einfahrt, wo an Voll- und Neumondstagen auf 3 bis 
45m Strom gerechnet werden mul. Die Küsten der Halbinsel von Tsingtau 
werden vom Hauptstrom, der in der inneren Bucht nach Tapotur einerseits und 
Cormoran-Insel (Potato Island) andererseits hinläuft, fast vollkommen verschont. 
Der Strom theilt sich nämlich in der Nähe der Nordostecke der Insel Wangtai 
(Chiposan); ein Arm fliefst nordwärts nach Tapotur zu, ein zweiter nordwestlich 
auf Cormoran - Insel zu, einen langen, auf der Seekarte deutlich ersichtlichen 
Schlauch tieferen Wassers als Weg benutzend. Dadurch entstehen zwei todte 
Winkel, einmal zwischen den beiden Armen und dann in der Nähe des Huf- 
eisenriffes, also an der Nordküste der Halbinsel von Tsingtau. Die Südküste 
der Halbinsel liegt ebenfalls in einem ziemlich stromfreien Winkel; es ist dort 
auf dem Ankerplatz der Schiffe vor Tsingtau nie mehr als 1 bis 1,2 Sm Strom 
beobachtet worden. Der Ebbstrom setzte dabei von NW, der Fluthstrom etwa 
von Süd. Da der Strom dort an der Küste entlang im Kreise läuft, so liegen 
die Schiffe oft ganz verschieden. 
Auf dem Ankerplatz in der inneren Bucht an der Nordküste der Tsingtau- 
Halbinsel läuft der Strom westlich vom Hufeisenriff gleichfalls als Kreisstrom 
und in geringer Stärke bis höchstens 1,2 Sm in der Stunde, Schiffe, die aufser- 
halb des Riffes sowohl nach Norden wie nach Süden zu liegen, haben etwas 
mehr Strom zu erwarten, besonders die nördlich liegenden Schiffe, weil auf sie 
die volle Stärke des in Richtung NW—5SO laufenden vorerwähnten Stromarmes 
von der Einfahrt nach der Cormoran-Insel trifft. 
Die Fluthhöhe ist erheblich, etwa 4,2 m bei Springfluth, 2,2 m bei Nipp- 
Authen; bemerkenswerth ist die sehr kurze Dauer des Stillwassers bei Fluthwechsel. 
Strömung in der Tokio-Bucht und an der SO-Küste von Nipon. 
„China Sea Directory“, Vol. IV — B. XL 6 — 
S. M. S. „Prinzefs Wilhelm“, Kapt. z. S. Adolf Thiele, machte auf der 
Reise von Yokohama nach Kobe vom 26. bis 28. September 1897 bei nordöst- 
lichem Winde, Stärke 2 bis 5, folgende Strombeobachtungen: 
Die mitlaufende Ebbe (S. 306 a. a. 0. D. R.) beim Auslaufen aus Yokohama 
setzte vor der Passage von Fort 2 und Fort 3 stark nach Westen auf Fort 3 
zu, erst in der Passage in Richtung derselben; man thut daher gut, bei Ebbe 
recht auf Fort 2 zuzuhalten.
	        
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