Ann. d, Hydr. ete., XXI. Jahrg. (1898), Heft IX.
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Aus den Reiseberichten Seiner Majestät Schiffe.
Die klimatischen und hydrographischen Verhältnisse der Kiautschon - Bucht
während des Winters 1897—98,
S. M, S. „Kaiser“, Kommandant Kapt. z. S. STUBENRAUCH.
Die Schiffe des Kreuzergeschwaders lagen in der Kiautschou- Bucht vom
13. November 1897 bis zum Frühjahr 1898.
1. Wind und Wetter.
Allgemeines. Wind und Wetter folgten der allgemeinen Vertheilung
des Luftdruckes an den ostasiatischen Küsten während des Winters, wonach das
Maximum mit Windstillen regelmäfsig über Sibirien steht, während das Minimum
im Süden (und Osten. D. R.) sich befindet. Daraus ergeben sich von selbst für
die Breite von Kiautschou vorherrschende, zum Theil heftige Nord- und Nord-
westwinde, die mit einer gewissen Regelmäfsigkeit auftreten und daher auch als
Nordwestmonsune bezeichnet werden. Da diese Winde fast durchweg über Land
wehen, sind sie sehr trocken. Es ergiebt sich hieraus ein weiteres Charakte-
ristikum des Winterklimas von Kiautschou: die ganz aufserordentliche Regen-
armuth und Lufttrockenheit. Letztere wird noch vermehrt, sobald die herrschenden
Nordwestwinde auf NNW drehen. Sie treten dann als Staubstürme auf, Doch
ist in dieser Beziehung Kiautschou viel günstiger gelegen als z. B. die Gegend
von Peking, wo diese Staubstürme durch ihre Heftigkeit und die ungeheuren
Mengen, mitgeführten Staubes zu einer wahren Kalamität werden. Diejenigen
von der Südküste von Shantung sind vielmehr, weil sehr weit entfernt von der
Wüste, viel staubärmer, auch viel weniger lästig als in der Mandschurei.
Eine weitere Folge der vorherrschenden Nordwinde ist die grofse Klarheit
und Sichtigkeit der Luft und die geringe Bedeckung des Himmels. Erst als Mitte
Februar leichte Südwinde auftraten, änderte sich der letztere Umstand, während
die Sichtigkeit der Luft und die Nebelfreiheit bis in das Frühjahr hinein auch
bei Südwinden bestehen blieben. Es hängt dies wohl damit zusammen, dafs die
südlichen Winde, die nur leicht auftreten, alle ihre Feuchtigkeit bereits an den
Küsten Mittelchinas abgegeben hatten,
Was die Stärke und die Häufigkeit der Winde anbetrifft, so waren die
Herbst- und Frühjahrsmonate, also Noveınber und März, entschieden reich an
starken, zum Theil stürmischen Winden. In diesen Monaten lagen zwischen zwei
stürmischen Tagen. zwei, höchstens drei ruhige Tage. Da die starken Winde fast
ausschließlich aus nördlicher Richtung wehten, so stand das Barometer hierbei
ausnahmslos sehr hoch.
Ein schnell zunehmender Luftdruck giebt das unzweifelhafte Anzeichen,
dafs starker Nordwind einsetzen wird. Häufig ging sogar der auffrischende Wind
dem Steigen des Barometers voran. Eine Warnung durch das Barometer in
dem üblichen Sinne ist also hierbei so gut wie ausgeschlossen,. höchstens kann
man aus einem mehrtägigen, verhältnismäßig niedrigen Stande desselben (zwischen
750 und 760) mit grofser Sicherheit darauf schliefsen, dafs auf das erste Anzeichen
des Steigens sehr heftige nördliche Briese plötzlich einsetzen wird. Beim Ver-
kehr mit Land und bei den sonstigen Arbeiten der Schiffe mufßs auf diese Um-
stände, besonders auf der Innenrhede, Rücksicht genommen werden, weil nördliche
Winde dort sehr schnell eine kurze und für Boote sehr unangenehme See aufzu-
wühlen pflegen. Die Dauer der Nordstürme war im Allgemeinen keine sehr
große, nur ein fast dreitägiger Sturm Anfang Dezember machte eine Ausnahme,
die übrigen stürmischen Winde wehten selten länger als 24 Stunden, meist nur
10 bis 12 Stunden lang. Die Windstärke schwankte meist zwischen 7 und 9,
letztere Zahl niemals überschreitend. Meist drehten die Stürme rechts von NW
auf Nord, aus letzterer Richtung abflauend, doch kam auch der umgekehrte
Fall vor.
Ann, d. Hydr. etc., 1898, Heft IX,