Pettersson: Zur Methodik der hydrographischen Forschung,
Ay Cl, überkleidet werden.‘ Seit drei Jahren bedienen wir uns ausschließlich solcher
Röhren zur Aufnahme von Gasproben, welche gasanalytisch untersucht werden
sollen. Durch das Sublimat wird augenblicklich das Leben des Planktons, der
Bakterien u. s. w. vernichtet. Für Tiefwasserproben ist allerdings diese Vorsichts-
mafregel nicht nöthig, denn nur in sehr planktonreichem Oberflächenwasser
habe ich eine Nachwirkung auf den Sauerstoff- und Kohlensäuregehalt nach-
weisen können nach längerem Aufbewahren in gewöhnlichen Röhren. Der Stick-
stoffgehalt erhielt sich immer vollkommen unverändert. In dem Tiefwasser vom
Skagerrak, welches schon von 10 bis 20 m an sehr arm an Plankton ist, haben
wir nach Aufbewahren in zugeschmolzenen Glasröhren ohne Sublimat keine
Aenderungen in dem Sauerstoff- und Kohlensäuregehalt wahrnehmen können, ob-
schon wir schon von Anfang her auf die Möglichkeit solcher Nachwirkungen auf-
merksam waren. Da es aber gilt, vor Allem einwandfreie Methoden zu be-
nutzen, mufßs ich empfehlen, fortan nur durch Sublimat sterilisirte Röhren zu
gasanalytischen Wasserproben zu benutzen. Die Röhren werden durch eine ein-
fache Vorrichtung unter dem Wasser in dem isolirten Raum des Wasserschöpfers
geöffnet und in zugeschmolzenem Zustand in Kästchen von Holz vor Frost und
Hitze geschützt aufbewahrt. Die Methoden der Analyse sind in einigen früheren
Arbeiten beschrieben.) Es ist nothwendig, immer zwei Röhren zu füllen, weil
die Kohlensäure sich nicht in derselben Probe bestimmen läfst als der Sauerstoff,
Die Ursache ist, dalßs das Auskochen der Kohlensäure im Vakuum in saurer
Lösung über Quecksilber geschehen muß. Unter diesen Umständen oxydirt sich
das Quecksilber theilweise auf Kosten des im Wasser gelösten Sauerstoffes.
Dieser Umstand scheint nicht immer von den Chemikern, welche sich bemühen,
Neuerungen in den gasanalytischen Bestimmungen einzuführen, berücksichtigt zu
werden. Er läfst sich leider nicht umgehen. Ein anderer Umstand verdient
auch hervorgehoben zu werden, nämlich, dafs das Volumen des Sauerstoffs und
Stickstoff unrichtig wird, wenn die Gase nicht über vorher durch Evakuiren
von anhaftender Luft befreitem Quecksilber aufgesammelt werden. Das Volumen
der jetzt gebräuchlichen Röhren beträgt ca 150 ccm. Die Genauigkeit ist etwa
0,15 ccm für die Stickstoff- und Sauerstoff bestimmung, die Kohlensäure wird auf
0,1 oder 0,2 ccm (berechnet pro 1 Liter Wasser) genau gemessen.
13. In neuerer Zeit tritt bei der Durchforschung des Meeres die biologische
Seite, d. h. die Analyse der im Wasser schwebenden Thier- und Pflanzenwelt
immer mehr in den Vordergrund. Die schwedischen Biologen, welche die Güte
hatten, das von uns eingesammelte Material zu bearbeiten, Professor Cleve
und Dr. Aurivillius, haben bisher‘ ihre Aufmerksamkeit ausschließlich der
qualitativen Seite dieser Analyse, d. h. der Erkennung und Bestimmung der
verschiedenen Planktonformen und Planktontypen sowie auch der geogra-
phischen Verbreitung derselben im Meere zugewandt. Es hat sich heraus-
gestellt, daß eine nahe Beziehung besteht zwischen dem hydrographischen
Zustand der Meeresregionen und den im Oberflächenwasser vorherrschenden
Planktontypen, besonders von dem Phytoplankton, welches äufserst empfindlich
ist für physische und chemische Veränderungen des umgebenden Mediums. Die
verschiedenen Regionen, welche man in dem Nördlichen Atlantischen Ozean hydro-
graphisch unterscheiden?) kann, nämlich die Golfstromarea, die westatlantische
und arktische Area, das westliche arktisch-neritische und das östliche kontinental-
neritische Gebiet, scheinen auch durch verschiedene Planktontypen charakterisirt
zu sein.’) Ferner hat man das periodische Auftreten dieser Planktontypen zu
verschiedenen Jahreszeiten in der Nordsee und im Skagerrak beobachtet, welches
zeitlich mit den hydrographischen Veränderungen zusammenfällt, die in jenen
Meeresgebieten eintreffen. Schließlich scheinen unsere neuesten Beobachtungen an-
zudeuten, daß im Nordatlantischen Ozean grofse Meeresgebiete in gewissen Jahres-
zeiten steril an Plankton werden, während eine Anhäufung oder ein „Aufblühen“
des Planktons in anderen Gegenden stattfindet. Diese Beobachtungen, welche
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1) O. Pettersson: „A Review etc,“ 1, c. p. 293. Siehe übrigens „Ber. d. D. chem. Gesellsch.“
1890, XXIH, p. 1402.
2) Siehe Skageracks tillstand under der nuvarande sillfiske perioden af P, Cleve,
G. Ekman, J. Hjort och O0. Pettersson, Göteborg 1897.
3) A treatise on the Phytoplankton of.the Atlantic and its tributaires by P. T. Cleve.
Upsala 1897.
Ann. d. Hyvdr. ete.. 1898. Heft YIIL