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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Pettersson: Zur Methodik der hydrographischen Forschung. 319 
polation, welche A. Hamberg ausgearbeitet!) hat. Der Sauerstoff und der 
Kohlensäuregehalt eines Wassers liefern den werthvollsten Aufschlufßs über die Art 
und die Intensität-des organischen Lebens, welches sich darin bewegt hat. Auch wenn 
dieses Thier- oder Pflanzenleben längst ausgestorben ist, sind wir im Stande, die 
Spuren davon in den Schwankungen des Sauerstoff- und Kohlensäuregehaltes 
nachzuweisen. Da diese Behauptung den meisten Hydrographen neu und uner- 
wartet vorkommen muß, mögen einige Worte zur Erklärung hier am Platze 
sein. Es war längst bekannt, dafß die Kohlensäure (d. h. der Totalgehalt an 
gebundener und freier Kohlensäure) im Meerwasser grofsen und unregelmäfsigen 
Schwankungen unterworfen war, Bei der Untersuchung des Tiefenwassers der ab- 
gesperrten Mulden der schwedischen Fjorde im Jahre 1890 fanden G. Ekman 
und ich den Kohlensäuregehalt ungewöhnlich grofs (51 bis 52 ccm im Liter) und 
zugleich den Sauerstoffgehalt sehr herabgesetzt“) (bis zu 1,58 ccm pro Liter). Wir 
schlossen daraus, dafs der Athmungsprozess der T’hierwelt in den tiefen Regionen 
dieser Fjorde diese Wirkung hervorgebracht haben mufste. Physiologische KEx- 
perimente?) an Fischen in einem geschlossenen Aquarium zeigten, dafs diese Ver- 
muthung begründet war. Später fanden wir, dafs‘ auch die intermediären nicht 
abgesperrten Wasserschichten dasselbe Verhalten zeigen wie das Tiefenwasser, 
sobald größere Mengen von Fischen sich darin aufhielten.. So z. B. hatten die 
Wasserlager zwischen 40 und 60 m des Gullmarfjords, worin in dem Winter 1895 
bis 1896 eine sehr ergiebige Heringfischerei getrieben wurde, einen Kohlensäure- 
gehalt von 48,5 ccm bis 49,6 ccm pro Liter, während der Sauerstoff nur 5,6 ccm 
bis 3,9 ccm pro Liter betrug (11. Februar 1896). An demselben Tage wurden in 
derselben Tiefe und in demselben Wasserlager aufserhalb der Fjordmündung 
47,4 ccm CO, und 7,1 ccm O, pro Liter gefunden. Die Temperatur, 5° bis 6° C, 
war dieselbe. Die Fische hielten sich ausschließlich innerhalb des Fjordes in der 
genannten Tiefe, 40 bis 60 m, auf, wo wir sie in der unter den Fischern üblichen 
Weise durch Lothung antrafen. Die Heringe verweilten in dieser Tiefe (in Bankwasser) 
zur Tageszeit und stiegen nachts hinauf in die kälteren (an Sauerstoff reicheren 
1 cem pro Liter]) oberen Wasserschichten, wo sie mit Netzen gefangen wurden. 
ach dieser Erfahrung bezweifle ich nicht, daß die Herabsetzung des Sauerstoff- 
gehalts des Bodenwassers zu 28 bis 29 % in gewissen Gegenden des Nordsee- 
gyebietes, welches schon von der Pommerania- Expedition und später von der 
Drache-Expedition*) sowie auch mehrfach von uns im Skagerrak und in der Ost- 
see beobachtet wurde,°) als eine Wirkung des Thierlebens zu betrachten ist. In 
der Regel ist das Tiefenwasser des Nordseegebietes und der eigentlichen Ostsee 
relativ arm an gelöstem Sauerstoff, was wohl mit dem Fischreichthum der Nord- 
see in Einklang steht. Wo das Pflanzenleben im Weltmeer überwiegt, entsteht 
ein entgegengesetztes Verhältnis zwischen den Mengen der gelösten Gase: durch 
die Assimilation der Diatomeen, der Algen, der Cilioflagellaten u. s. w. steigt der 
Sauerstoffgehalt und vermindert sich die Kohlensäure. Es waren schon früher 
von der Challenger-Expedition®) und der norwegischen atlantischen Expedition”) 
einzelne Proben von Tiefenwasser, welches mit Sauerstoff übersättigt war, ge- 
funden. Solche Proben entstammten größstentheils den arktischen und antarktischen 
Theilen der Ozeane. Als ich im Östseewasser, welches im April 1893 östlich 
von Gotland in 15 und 30 m Tiefe geschöpft wurde, einen allerdings kleinen 
aber analytisch sicher bestimmbaren Ueberschuls von Sauerstoff. (= 34,39 und 
34.01 %) fand, schrieb ich) nach Berathung mit Professor Cleve, Folgendes: 
„Ich vermuthe, dafs sowohl Ueberschufs als Mangel an Sauerstoff im Meerwasser 
von dem organischen Leben bewirkt wird. Uebersättigung. mit Sauerstoff wäre 
alsdann dem überwiegend von vegetabilischem Plankton (Diatomeen und Algen); 
Mangel an Sauerstoff dem Vorkommen von animalischem Plankton und höheren 
5) A. Hamberg: Hydrografisk-kemiska iakttagelser 1. c. p. 22 u. Tafel I. 
") „A Review ete.“ 1. c. p. 526, 
3) ibid, p. 597. 
4) Die Ergebnisse der Untersuchungen S M. Kanonenboot „Drache* in der Nordsee in den 
Sommern 1881, 1882 und 1884. Berlin 1886. Tafel D 2. 
5) „A Review“, 1. ©. VII, p. 625. . 
5) Dittmar, „Chall. Rep. Physics and Chemistry“ XI, p. 186, 195. 
3) Tornee, „Norweg. Exp. Chemistry“ I, p. 17. 
8) O. Pettersson, „Soluska Hydrografiska Undersökningar I Oesterfjord“; Bih. K. V. H. 
Handl. Bad. 19, Afd. II, No. 4, p. 8.
	        
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