Pettersson: Zur Methodik der hydrographischen Forschung.
815
fionen mit Ventilen und Röhrenwindungen sind zu vermeiden. Man überzeugt
sich leicht, ob das Instrument wasserdicht schliefst oder nicht. Wenn einige
Minuten nach dem Aufheben Wasser noch von dem gefüllten Apparat abträufelt,
kann man gewils sein, dafs der Wasserschöpfer sein Isolirungsvermögen gröfsten-
theils eingebüfst hat und dafs die Temperaturbestimmung unsicher ist. ') .
c) Der Wasserschöpfer mufs mittelst einer möglichst dünnen und bieg-
samen metallenen Leine aufgezogen werden. Das Ideal einer solchen Tief-
lothungsleine wäre allerdings ein einfacher Draht von dem besten Stahl oder
von Phosphorbronze, sobald aber andere Instrumente als Reversionsthermometer
Jaran niedergelassen werden sollen, wagt man dieselben nicht der Tragkraft eines
einzigen Drahtes anzuvertrauen. Wir benutzen eine Leine”) von 49 feinen Phos-
phorbronzedrähten, wovon jeder nur 0,3 mm dick ist,
Für Tieflothungen von mehreren tausend Metern ist es zweckmäfsig, die
Leine aus mehreren Theilen von etwas verschiedenem Durchmesser zu machen,
damit die Tragkraft proportional dem Gewicht steigt. Das Senken und Aufheben
der Wasserschöpfer geschieht gewöhnlich mit Dampfkraft, wobei die Geschwin-
digkeit zweckmäfsig nicht kleiner als 70 bis 80 m und nicht größer als 100 m
in der Minute sein mufs,
d) Das beste Material für hydrographische Instrumente ist Neusilber, Ver-
nickelte Instrumente sind vollkommen unzweckmäfsig aus leicht ersichtlichen
Gründen, sobald es sich um ozeanische Tieflothungen handelt. Gewöhnlich fer-
tigen wir unsere Instrumente aus Messing, welches weniger kostbar ist als Neu-
silber, Solche Instrumente müssen nach dem Gebrauch mit Trinkwasser abge-
spült und nach dem Trocknen mit Polirwachs eingerieben werden. Instrumente
oder Theile von Instrumenten, woran nicht geschliffene und polirte Flächen vor-
kommen, werden von verzinktem Eisen gemacht, ;
Auch beim Lothen von ozeanischen Tiefen, wobei die Grenze des Isolirungs-
vermögens der Instrumente überschritten wird, sollten isolirende Wasser-
schöpfer (natürlich kombinirt mit Reversionsthermometern) angewandt werden,
weil dieselben allein das Wasser in möglichst unverändertem Zu-
ztand aufnehmen, was für die gasometrische Untersuchung der Wasserproben
von Wichtigkeit ist. Wenn ein nicht isolirendes Instrument mit Bodenwasser
von z. B. —1° C, gefüllt beim Aufziehen eine Strecke von mehreren hundert
Metern durch eine hoch erwärmte Oberflächenschicht zu passiren hat, ändert sich
die Temperatur so bedeutend, und es entstehen Konvektionsströme innerhalb der
Wassermasse, so dalß man keine Garantie hat, dafs die Quantität der gelösten
Gase dieselbe ist als in dem Wasser an der Schöpfstelle.
= 9. Bei der Erforschung der Meeresströmungen und der ozeanischen Cir-
kulation gilt es vor Allem, ein sicheres Merkmal des Ursprungs des Wassers zu
finden. Da man auf jedem Breitengrad in dem Atlantischen Ozean Wassersorten
von südlicher und nördlicher Herkunft nebeneinander oder aufeinander geschichtet
vorfindet, giebt das lokale Vorkommen allein nicht die gewünschte Entscheidung,
welche nur durch Analyse der physischen, chemischen und biologischen. Qualitäten
des Meerwassers zu erhalten ist. Die Eigenschaften, welche dabei in erster
Linie in Betracht kommen, sind Temperatur, Salzgehalt, Gasgehalt und der all-
gemeine Charakter des vegetabilischen und animalischen Planktons. Bei den
schwedischen Untersuchungen werden niemals Temperaturreihen allein genommen,
sondern es wird bei einer jeden Wasserprobe die Temperatur und der Salzgehalt
zugleich bestimmt, und zwar wird das Hauptgewicht auf den Letzteren gelegt,
weil der Salzgehalt bei Weitem den sichersten Anhalt giebt für
die Beurtheilung der Herkunft eines Meerwassers. Im Großen und
Ganzen hat man in dem nördlichen Atlantic zu unterscheiden zwischen
Golfstromwasser, arktischem und westatlantischem Wasser .und kontinen-
talem Küstenwasser. Nachdem man vergeblich gesucht, in der quantitativen
4) Die Ursache ist gewöhnlich das Eindringen von Sand oder Bodenschlamm, welchen man
mit einer Federfahne entfernen kann.
2) Wir beziehen dieselben von der Fonderie Anderlech in Brüssel. Da die Qualität dieser
Leinen immer vortrefflich, aber der Preis und die Zeit der Anfertigung äufserst variabel ist, wäre
es erwünscht, zu erfahren, ob irgend eine gröfsere deutsche oder englische Fabrik sich dieser Spe-
cialität widmet. Eine nothwendige Bedingung für die Haltbarkeit des Materials ist, dafs die Metalle
chemisch rein und nicht von Wismuth u. s. w. verunreinigt sind.