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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1898,
7. Die Ausführung einer systematischen hydrographischen und biologischen
Untersuchung eines gröfseren Meeresgebietes, woran Forscher verschiedener
Nationalität sich betheiligen, setzt voraus, dafs eine gewisse Konformität in der
Technik der hydrographischen Arbeit und noch mehr in den analytischen Be-
stimmungsmethoden eingeführt ist. Betreffs der rein technischen Fragen mufs
jedoch die Wahl der Instrumente u. s. w. möglichst freigestellt sein. Es giebt
keine Universalinstrumente, welche für alle Umstände gleich gut passen. Uebrigens
sind unsere sämmtlichen technischen Hülfsmittel fortwährend ein beliebter Gegen-
stand für neue Erfindungen und Verbesserungen, und die verschiedenen Forscher
werden sich schwerlich das Recht nehmen lassen, mit Wasserschöpfern oder
Planktonnetzen von eigener Konstruktion zu arbeiten. Bei dem Bestreben, diese
technischen Hülfsmittel zu verfeinern, macht man aber bald gewisse Erfahrungen
über die Anforderungen, welche an jedes Instrument zu stellen sind, und über
die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Methoden. Kinige solche Erfahrungen,
die ich gemacht, mögen hier Erwähnung finden.
3, Wärmeisolirende Wasserschöpfer sind für die Untersuchung der
oberen Wasserschichten von der Oberfläche bis zu 400 bis 600 m Tiefe unentbehr-
lich, um die kleinen Temperaturdifferenzen und die sekundären Maxima und
Minima, welche die Grenzgebiete der Wasserschichten verschiedenen Ursprungs
kennzeichnen, aufzufinden. Die Temperaturbestimmung mittelst Reversions-
Ihermometern ermangelt der nöthigen Empfindlichkeit. Die wärmeisolirenden
Wasserschöpfer erlauben, die Temperatur in den verschiedenen Niveaus mit Hülfe
von fein gradirten Thermometern auf 0,02° oder 0,03° C mit Sicherheit zu be-
stimmen. Die Temperaturserien, welche damit genommen sind, bekommen gleich-
sam ein ganz neues Relief durch das Hervortreten der sekundären Maxima und
Minima, welche den Wärmewellen von kleiner Amplitude gehören. Bei der
Konstruktion eines wärmeisolirenden Instrumentes müssen folgende Bedingungen
erfüllt sein.
a) Die Wärmekapacität des Instrumentes mufs möglichst gering sein, und
las Material der Wandungen desselben mul an sich ein gutes Wärmeleitungs-
vermögen besitzen, damit das Instrument, wenn es im geöffneten Zustand nieder-
gelassen wird, sich rasch und leicht akkommodirt nach der Temperatur des um-
gebenden Mediums, Deshalb ist der von mir konstruirte Wasserschöpfer!) aus
möglichst dünnen koncentrischen Cylindern von Metallblech gemacht. Die Iso-
lirung des centralen Raumes wird durch die umgebenden Wasserschichten bewirkt.
Früher versuchte man diesen Zweck durch dicke Wandungen aus wärmeisolirendem
Material, wie Guttapercha u. s. w. zu erreichen. Es ist aber einleuchtend,
dafs solche Instrumente wohl gegen Wärmezufuhr von aufsen schützen können,
aber durch die beträchtliche Wärmekapacität, welche das Instrument selbst be-
sitzt, thermische Nachwirkungen auf die eingeschlossene Wasserquantität ausüben,
sofern der Wasserschöpfer nicht von vornherein in Temperaturgleichgewicht mit
dem Wasser war, was nur durch längeres Verweilen in dem betreffenden Niveau
des Meeres zu realisiren ist. Das Wärmeisolirungsvermögen jedes Apparates hat
aber seine Grenzen und, um jede Unsicherheit auszuschliefsen, wird, sobald die
oberen Wasserschichten bis zu 400 oder 500 m Tiefe untersucht sind, ein Re-
versionsthermometer mit dem Wasserschöpfer verbunden und der Ausschlag der
veiden Instrumente verglichen.
b) Der Wasserschöpfer mufs beim Niedersinken dem Wasser freien Durch-
lafs gewähren und beim Aufziehen vollkommen dicht schliefsen. Konstruk-
Linien ohne Aufenthalt Tag und Nacht ausgeführt werden. Beiläufig gesagt, bietet die Ausführung
der Tieflothungen zur Nachtzeit auch in den Wintermonaten Dezember und Februar unter Benutzung
von elektrischem Bogenlicht durchaus keine gröfseren Schwierigkeiten dar als am Tage. In 24 Stunden
werden 100—200 Wasserproben mittelst des isolirenden Wasserschöpfers aufgenommen, 40—70 Proben
für gasanalytische Bestimmungen in Glasröhren eingeschmolzen und 30—40 Planktonproben aus
allen Tiefen von der Oberfläche bis zu 80 oder 100 m und bisweilen auch von der Bodenwasser-
schicht eingesammelt, Die Arbeit bei jeder Station dauert 1 bis 21/3 Stunden, Sobald dieselbe aus-
geführt ist, dampft das Schiff weiter mit einer Fahrt von 10—13 Knoten, bis man die nächste
Station nach 11/g oder 2 Stunden erreicht. Inzwischen müssen Wasserproben von der Oberfläche
jede halbe oder Viertelstunde genommen und die Aufzeichnungen der verschiedenen Ubservatoren
verglichen werden u. S. W. .
7) Siehe O. Pettersson: „A Review of swedish hydrographic Researches* in „Scottish
Geographical Magazine“ 1894, p. 284, 285.