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Full text: 26, 1898

Pettersson: Zur Methodik der hydrographischen Forschung. 
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schaffenheit des Meerwassers und in dem Charakter des Planktons. Kine tiefere 
Einsicht in diese Fragen, worin einzig und allein die Unterlage für einen 
rationellen Fischereibetrieb zu suchen ist, können wir nur durch eine von den 
verschiedenen Ländern gemeinschaftlich organisirte Meereserforschung gewinnen, 
Vereinzelte Expeditionen sowie einseitige Bestrebungen, welche ihr Augenmerk 
ausschliefslich auf gewisse biologische Fragen richten, ohne Rücksicht auf den 
physikalischen und chemischen Zustand oder auf die Bewegungen der Wasserlagen, 
worin die Thiere oder Pflanzen leben, sind jetzt kaum mehr als zeitgemäfß zu 
betrachten. Ebenso wenig kann man durch Observationen an gewissen Küsten- 
stationen allein Aufschlufs über die grofsen Wasserbewegungen im Meere erhalten, 
Allerdings sind einige von diesen Stationen, nämlich diejenigen, welche nicht 
dem Festland, sondern den Ozeanischen Inseln angehören, wie Faerö, Shetland, 
Secilly-Inseln, Udsire, Lofoten, die dänischen Leuchtschiffe im Kattegat u. 8. w. 
von grofser Bedeutung, aber nur im Verein mit hydrographischen Tieflothungen 
und Querschnitten, welche, von den Ufern oder dem Innern der Fjorde aus- 
gehend, sich über die Küstenbänke bis zu den ozeanischen Tiefen erstrecken, 
and mit Planktonaufnahmen, nicht nur in den neritischen, sondern auch in den 
ozeanischen Regionen verbunden sind. 
5. Aus dem Vorigen 'erhellt, daß das hydrographische und biologische 
Untersuchungsmaterial anzuschaffen ist: 
a) durch Tieflothungen, 
b) durch Aufnahme von Wasser- und Planktonproben von der Oberfläche 
des Meeres an Bord von Dampfschiffen, welche die Nordsee und den 
Nordatlantie überqueren, 
c) durch Küstenobservationen, 
Die Erfahrung hat bewiesen, dafs das unter b) und c) erwähnte Obser- 
vationsmaterial ohne ‚größere Schwierigkeiten und Kosten zu erhalten ist. Die 
mühevolle und kostspielige Arbeit fällt hauptsächlich auf die unter a) erwähnten 
Tieflothungen, Es ist deshalb. dringend nöthig, die Wahl dieser Tieflothungs- 
stationen mit Umsicht zu treffen, so dafs sie wirklich ein repräsentatives Bild 
von dem Zustand des Meeres geben. Die Erfahrungen, welche wir über diesen 
Gegenstand gemacht, haben G. Ekman und ich niedergelegt in dem Vorschlag 
zu einer internationalen hydrographischen Durchforschung des. nördlichen Theiles 
des Atlantischen Ozeans, der Nordsee und der Ostsee, welcher als Abschnitt IV 
in meiner Abhandlung über die Beziehungen zwischen hydrographischen und 
meteorologischen Phänomenen in „Meteorologische Zeitschrift“ für August 1896 
gedruckt ist. “0 . 
6. Da es also darauf ankommt, die Arbeitszeit auf den zu Tieflothungen 
angewandten Dampfschiffen möglichst auszunutzen, ist es angerathen, die Arbeit 
mit dem Einsammeln von Untersuchungsmaterial an Bord des Schiffes möglichst 
vollständig von der. wissenschaftlich analysirenden Bearbeitung dieses Materials .zu 
trennen, welche in den chemischen, physikalischen und biologischen Laboratorien 
auszuführen ist. Ich lege auf diese Regel, welche bei den schwedischen Unter- 
suchungen streng eingehalten wird, das gröfste Gewicht, sowohl aus principiellen 
wie aus rein praktischen Gründen. Aus Princip, weil ich meine, dafs man auf 
der jetzigen Stufe der Meeresforschung nur solche Bestimmungen, welche sich 
mit voller analytischer Schärfe ausführen lassen, in das Programm aufnehmen 
soll. Alle übrigen sollten ausgeschlossen sein. Bestimmungen nach unzureichen- 
den Methoden von Salzgehalt, specifischem Gewicht, Gasgehalt, Alkalinität u, s. w. 
sind verwerflich und verderblich. Sie bilden schon in der hydrographischen 
Litteratur einen‘ schädlichen . Bodensatz von todtem Material. . Präcisions- 
bestimmungen lassen sich aber nicht an Schiffsbord ausführen, sie gehören einzig 
and allein den wissenschaftlichen Laboratorien. an. Aulserdem läfst die Arbeit 
auf dem Schiff keine Zeit übrig zu solchen Untersuchungen.‘!) 
1) Zum Beweis für diese Behauptung kann ich einige nähere Details erwähnen. Wir ver- 
fügen bei der Untersuchung des Skagerraks gewöhnlich über drei Dampfschiffe: ein Lootsenboot für 
die Untersuchung der Küstenbänke, der Fjorde und des nördlichen Skagerraks; ein Kanonenboot 
der Königlich schwedischen Marine für die Ausführung der Querschnitte über das Skagerrak und 
einen Dampfer einer privaten Aktiengesellschaft für die Linie Skagen—Christiansand. Diese Dampf- 
schiffe werden aber jedesmal nur auf eine, gewisse beschränkte Zeit zu unserer Verfügung gestellt 
(24 Stunden bis 2 oder 3 Tage). Die Arbeit mufs deshalb fast gleichzeitig auf drei verschiedenen 
Ann. d. Hvydr. ete., 1898, Heft YIIL
	        
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