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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Haltermann: Ueber gelbe Wasserblüthe des Meeres. 
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Ganz auffallende Ergebnisse liefern die in den vorstehenden beiden 
Tabellen enthaltenen Eintragungen. Die Tabelle a, welche die betreffenden 
Fälle von Wasserblüthe nach Monaten geordnet enthält, zeigt, dafs solche 
eigentlich nur während der Sommermonate der südlichen Halbkugel vorkommen. 
Von den 61 Beobachtungen fallen 10 auf den Monat November, 17 auf Dezember, 
£1 auf Januar und 14 auf Februar; der Monat März enthält 5, April 3 und 
September 1 Beobachtung. Für die Monate Juni, Juli, August und Oktober 
bringen die betreffenden Tagebücher gar keine Berichte über das Antreffen von 
Wasserblüthe. Eine Erklärung dieser auffallenden Thatsache. erscheint nicht 
leicht. Die Schwankung der mittleren monatlichen Wasserwärme ist in dem in 
Frage kommenden Meerestheile eine so geringe, dafs sie als Ursache dieser 
Verschiedenheit wohl kaum angesehen werden kann, und dafs sie eine Folge der 
immerhin nicht stark voneinander abweichenden Küstenwinde des Sommers und 
des Winters sein kann, erscheint auch nicht sehr wahrscheinlich. 
Eine vielleicht noch auffallendere Thatsache zeigen die in der Tabelle b 
nach den verschiedenen Jahren geordneten Werthe. Es ergiebt sich aus ihnen, 
daß die Mehrzahl der angeführten Fälle von Wasserblüthe während der Jahre 
1893 und 1894 beobachtet worden ist. Für das Jahr 1893 sind 18 Beobachtungen 
und für das Jahr 1894 15 angegeben; dagegen enthalten die Tagebücher für die 
sechs Jahre 1889, 1890, 1891, 1892, 1895 und 1896 zusammen nur 23 Berichte 
über Wasserblüthe. Während der beiden Jahre 1888 und 1897 wurde nach den 
Tagebüchern der Seewarte sogar nur je ein einziger Fall beobachtet. Das 
Jahr 1898 kann aus natürlichem Grunde hier noch nicht mit in Betracht kommen. 
Einige Kapitäne beobachten genauer als andere, was um sie her auf dem Meere 
vorgeht, und berichten über jedes Ungewöhnliche in ihrem Tagebuche. Andere 
thun dies weniger, betrachten vielleicht auch irrigerweise Vieles, wie z. B. das 
Vorkommen von Meeresblüthe, als unwesentlich und ungeeignet zur Eintragung 
ins Tagebuch. So ist es zu erklären, dafs manche Kapitäne, wie Fettjuch, 
Hoffmann und Ohlerich, eine unverhältnifsmäfsig grofse Zahl von den er- 
wähnten Beobachtungen lieferten, während andere, die zur selben Zeit den in 
Betracht kommenden Meerestheil befuhren, anscheinend nichts sahen. Immerhin 
kann aber diese Thatsache das Ergebnifs der Tabelle b nicht stark beeinflufst 
haben, denn die Kapitäne Fettjuch und Ohlerich z. B. waren nicht allein in 
1893 und 1894 auf Fahrten durch den Südatlantischen Ozean begriffen, sondern 
setzten dies auch ununterbrochen bis 1898 fort, und andererseits wird der west- 
lichste Theil des Südatlantischen Ozeans derart regelmäfsig und häufig von 
deutschen für die Seewarte beobachtenden Dampfern befahren, dafs die Annahme, 
dafs das in den verschiedenen Jahren so auffallend verschiedene Vorkommen 
von Wasserblüthe auf die Persönlichkeit der Beobachter zurückgeführt werden 
könnte, unwahrscheinlich erscheint. Die Vermuthung, dafs die Wasserblüthe des 
Meeres, ähnlich wie die Wasserblüthe stehender geschlossener Sülswasserflächen, 
sich unter gewissen Verhältnissen, vielleicht einer stellenweise auftretenden un- 
gewöhnlich hohen Wassertemperatur, urplötzlich und in ungeheurer Masse bilden 
könnte, möchte mehr Wahrscheinlichkeit für sich haben. Geschähe dies vielleicht 
in etwa 10° S und nächster Nähe der brasilianischen Küste, so würde der dort 
nach Süden .abbiegende Südäquatorialstrom die Wasserblüthe genau auf dem 
Strich, den die in der kleinen Karte eingetragenen Kreise bezeichnen, nach 
Südwesten führen, bis sie auf die aus der La Plata-Mündung setzende Strömung 
stoßen und dadurch vernichtet werden würde. Auf alle Fälle scheinen die Er- 
gebnisse der beiden Tabellen a und b zur Vorsicht zu mahnen, aus den Beob- 
achtungen einer einzelnen Reise, und wäre diese auch eine, die nur zu Zwecken 
der Wissenschaft ausgerüstet worden ist, zu rasch feste Schlüsse zu ziehen,
	        
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