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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Reise der Viermastbark „Barmbeck“. von Philadelphia nach Hiogo. 301 
Morgen des 16. Dezember setzte etwa 1 Sm im Nordosten der ebengenannten 
Insel eine leichte Briese aus NO ein, welche auch, in den nächsten Tagen vor- 
herrschend blieb, aber bis zu einem ganz leisen Zuge, manchmal bis zur völligen 
Windstille, abflaute. Da noch aufserdem eine gewaltige nordnordöstliche Dünung 
vorhanden war, so war an einen Fortschritt nicht zu denken. Am 22. Dezember 
war der Schiffsort 3,9° N-Br und 130,1° O-Lg. Hier frischte endlich der Wind 
von ONO in einer harten Regenböe auf; am 23, war der Wind aus OSO vor- 
herrschend, mit schweren Böen, und am 24., in 7° N-Br. und 130,5 O-Lg, hatte 
der von orkanartigen Böen begleitete Wind wieder die Ostnordost-Richtung an- 
genommen. Eine gewaltige, hohe, wilde See aus NNO, in der das Schiff heftig 
arbeitete, erschwerte den Fortschritt desselben in hohem Maße. Vom 25. De- 
zember; auf 9,2° N-Br und 130,1° O-Lg, bis zum 30, Dezember, in 18,6° N-Br und 
124,5° O-Lg, wehte ein stürmischer, Nordostmonsun, anfangs mit harten, später 
mit mäßigen Böen. Die See blieb aber unverändert hoch, aus NNO und NO. 
Nach dem 30. Dezember nahm der Wind allmählich ab, und die See: wurde 
mäfsig. Am 1. Januar 1898, in 25° N-Br und 128,2° O-Lg, flaute der Nordost- 
monsun ganz ab, und der Wind holte durch SO und SW auf NNW. . 
Meine Absicht war gewesen, den mir von der Seewarte empfohlenen Weg, 
östlich von den Palau-Inseln, zu verfolgen, aber wegen der flauen östlichen Winde 
nördlich der Djilolo-Passage war es uns nicht möglich, soviel Ostlänge anzuholen. 
Eine schlechtere Gelegenheit als wir sie hatten, kann man sich kaum denken; 
auch war zwischen 3° und 10° N-Br nur sehr wenig östliche Strömung wor- 
handen. Wir. steuerten bei dem Winde nordwärts, in der Hoffnung, dafs. wenn 
wir. vielleicht der Küste zu nahe kommen sollten, .der Wind nach der einen 
oder der anderen Richtung holen würde. Es glückte uns aber, über einen Bug von 
Luzon frei zu liegen.‘ Unsere östlichste Position war 131,0° O-Lg in 5,7° N-Br 
am‘ 23. Dezember; die westlichste 124,5° O-Lg in 18,6° N-Br am 30. Dezember. 
An dem zuletzt genannten Orte raumte der Wind soweit auf, bis nach 080, 
dafs es uns möglich wurde, östlich der Majico-Shima- und Lu-Chu- (Liu-Kiu-) Gruppe 
zu passiren. Nach. dem Aufhören des Nordostmonsuns hatten wir noch vor- 
herrschend nördliche und östliche Winde. Sobald der Wind eine Richtung 
südlich von Ost erlangt hatte, flante er ab ‚und lief rasch durch Süd, West und 
Nord wieder nach NNO herum, um aus dieser Richtung wieder aufzufrischen, 
Am 8, Januar 1898 sichteten wir um 2 Uhr nachmittags das Kap Muruto 
(Muroto-Saki) bei frischem Nordwestwinde. Am folgenden Tage kreuzten wir 
im Kii-Kanal gegen einen steifen Nordwind. - Hierbei erwies es sich als ein 
grofser. Vortheil, soweit als möglich in die Buchten hinein zu laufen, da der 
Wind hier von seiner sonst beständigen Richtung zu unseren Gunsten abgelenkt 
wurde. Am Nachmittag sichteten wir ein Vollschiff weiter voraus im Kii-Kanal. 
Nachdem um 1 Uhr morgens den 10. Januar das Kap Hino passirt war, holte 
um. 6 Uhr morgens der Wind soweit westlich, dafs wir eben Kurs anliegen 
konnten. Um 11 Uhr vormittags. segelten wir durch die Strafse von Isumi, 
innerhalb welcher wir einen Lootsen bekamen, und um 8 Uhr abends ‚ankerten 
auf der Rhede von Hiogo. Die Reise von Kap Henlopen bis hierher hatte die 
Dauer von 141 Tagen. . I 
Das oben erwähnte Vollschiff kam kurz vor uns zu Anker, Es war dies 
das hölzerne amerikanische Schiff „Vigilant“, welches seine in Yokohama für 
New York eingenommene Stückgutladung hier vervollständigen wollte. Dieses 
Schiff hatte volle 11.Tage im Kii-Kanal zu kreuzen gehabt, ; 
Am 14. Januar kam das englische Vollschiff „Peterborough“, welches 
Philadelphia am 7. August verlassen hatte, hier an. Dasselbe hatte die Route 
um Australien genommen und 2 Stunden nach uns Kap Muruto passirt, .konnte 
aber im Küi-Kanal beim Kreuzen keinen Fortschritt machen. Die Reise dieses 
Schiffes dauerte 160 Tage, 19 Tage mehr als die unsrige. 
; Das Bremer Schiff „Gertrud“ (ex „Duchess of Edinburgh“), ein schneller 
Segler, hatte Philadelphia gleichzeitig mit. dem Engländer „Peterborough“ am 
7. August verlassen und war am 8. Januar in Hiogo angekommen. Die „Gertrud“ 
hatte "also eine Reise von 154 Tagen. Sie machte ihre Reise auf derselben 
Route wie wir, benöthigte aber auf der Strecke von der Passage zwischen Timor 
and Flores bis zum Ausgange der Djilolo-Passage 28 Tage, während wir zu der- 
selben Strecke: nur 10 Tage brauchten.
	        
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