Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1898,
Theilminimum am 5. bis 7. südlich von Irland her über England durch Nord-
deutschland nach Ostpreufsen zog. Auf seiner Rückseite erzeugte ein von Westen
her stark nachdrängendes Hochdruckgebiet an der westdeutschen Küste am 6.
und 7. steife und stellenweise stürmische Winde aus nördlichen Richtungen.
Unter der Einwirkung einer neuen im Nordwesten erschienenen Depression,
die am 8. bis 10. nach Nordskandinavien schritt und eine ostwärts über Süd-
skandinavien fortschreitende Theildepression entwickelte, drehte der Wind wieder
nach Südwest, ging aber beim Herannahen einer neuen Depression nordwestlich
von Schottland, die von der erwähnten Theildepression durch eine schmale Aus-
buchtung hohen Druckes getrennt erschien, auf dessen Vorderseite nach Nordwest
und wehte aus West — NW am 10. und in der folgenden Nacht an der Küste
vielfach stürmisch. Schnell aber erfolgte ein Zurückdrehen der Winde unter
der Einwirkung der nordwestlich von Schottland her über die Nordsee nach
Südskandinavien schreitenden neuen Depression, die am 1l. an der ganzen Küste
bis nach Pommern hin stürmische südwestliche bis westliche Winde hervorrief,
die an der Nordsee vielfach Stärke 9 erreichten und an der schleswig-holsteinschen
Küste, wo mehrfach Stärke 10 bis 11 notirt wurde, am stärksten waren. Kine
am 12, von England her durch Norddeutschland und die südliche Ostsee nach
dem Finnischen Busen fortschreitende Theildepression schwächte die Kraft
der Winde,
Eine neue am Morgen des 14. über England liegende Theildepression
drang nur bis zur Nordsee vor, da ein von Südwesten her über die Mitte des
kontinentalen Europas nach Osteuropa ziehendes Hochdruckgebiet an Ausdehnung
gewann und sich zunächst über ganz Osteuropa, besonders auch am 15. über
Skandinavien ausbreitete, so dafs die Winde an der Ostsee nach SE— Ost drehten.
Die Herrschaft hohen Druckes währte aber nur kurze Zeit, da eine Furche
niedrigen Druckes, zunächst von der Biscaya-See durch die Nordsee nach Nord-
westen hin reichend, schnell ostwärts und zumal in ihrem südlichen Theile über
dem kontinentalen Europa vordrang; ein ihr angehörendes Minimum schritt vom
Kanal her über Jütland nach Südschweden, während sich ein Minimum im Nord-
westen am 15. und 16. nach der norwegischen Küste verlagerte.
In den folgenden Tagen, vom 17. bis 20., breitete sich ein südwestlich von
Irland liegendes Hochdruckgebiet über das südliche Nordsee- und Ostseegebiet
aus und entwickelte sich, nordwärts verlagert, zu einem am 18. bis 20. über
Nordeuropa liegenden Hochdruckgebiet, das zunächst ganz Nord- und Central-
europa beherrschte und, allmählich nordwärts zurückweichend, seinen Kern ost-
wärts nach Finnland verlagerte, während eine über dem kontinentalen Europa
vom Mittelmeer her ansgebreitete Depression zunächst nordwärts und dann nord-
westwärts nach dem Kanal hin durch ein vom Mittelmeer her vordringendes
Hochdruckgebiet zurückgedrängt wurde. Während dieser Tage vom 17, bis 20.
herrschten an der Küste meist nordöstliche bis östliche Winde, die am 19. und
20. steif und stellenweise stürmisch auftraten.
Nachdem dann der Druck im Norden abgenommen hatte und über dem
kontinentalen Europa gestiegen war, stellte sich eine vom 21. bis Ende des
Monats währende, ziemlich gleichmäfsige Luftdruckvertheilung über Centraleuropa
ein, das während dieser Zeit meist von flachen und wenig ausgedehnten, in ihren
Bewegungen schwer sicher zu bestimmenden Depressionen bedeckt war, so dafs
während der letzten Dekade vorwiegend schwache und veränderliche Winde
herrschten.
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