Die Witterung au der deutschen Küste im Mai 1898. 287
temperaturen weit erheblichere Aenderungen; in Memel stieg die Temperatur, mit
Unterbrechung am 5. und 6., bis zum 7.; vom 8. zum 9. erfolgte ein starker
Temperaturrückgang und weiterhin vom 12. bis 22. unter mehrfachen Schwankungen
zunächst langsames, dann starkes Steigen, worauf nach starkem Fallen am 23,
bis 25. wieder unter Schwankungen langsame Zunahme folgte. Die Veränderlich-
keit der Temperatur von Tag zu Tag hatte 1ür die drei Beobachtungstermine
am Tage den kleinsten Werth meist am Morgen, den gröfsten am Mittag, und
erreichte gegenüber 2 bis 2!/a° an der Nordsee und westlichen Ostsee im Osten
der Küste in ihren gröfsten Werthen 3'/a bis 4'/2°. Hier im Osten traten im
Mai an der Küste die niedrigsten Temperaturen, ca 2'2°, wie die höchsten
Temperaturen, ca 26°, auf.
Der Monat war sehr reich an Niederschlägen, so dafs die normalen Werthe
erheblich überschritten wurden, ausgenommen auf Rügen und an der pommerschen
Küste, wo die Niederschlagsmengen meist unter 50 mm blieben oder wenig mehr
betrugen und in Stolpmünde mit 37 mm den kleinsten Betrag hatten. Die Ge-
witterregen bedingten theilweise grofse Unterschiede für benachbarte Stationen;
so hatte Neuwerk 49 ınm gegen 104mm ia Brunsbüttel, Rixhöft 39 mm gegen
138 mm in Neufahrwasser und €3 mn in Hela. Frei von Niederschlägen, ab-
gesehen von geringfügigen Mengen, waren über gröfserem Gebiete (den Nieder-
schlagstag von 8 Uhr morgens Ortszeit des gleichnamigen Kalendertages bis zur
gleichen Zeit am folgenden Morgen gerechnet) der 1. an der Ööztlichen Ostsee,
der 2. an der ganzen Küste, der 3. an der östlichen Ostsee, der 4. an der mitt-
leren Ostsee, der 6. an der preufsischen Küste, der 7, an der Nordsee, der
westlichen Ostsee und der preufsischen Küste, der 8. an der mittleren und öst-
lichen Ostsee, der 14. an der östlichen Osisee, der 15, an der preufsischen Küste,
der 16. westwärts der Elbe und an der mittleren Ostsee, der 17. an der Nord-
see und der westlichen Ostsee, der 19. an der westlichen und mittleren Ostsee,
der 20. an der Nordsee und westlichen Ostsee, der Z1. an der ganzen Küste mit
Ausnahme der mittleren Ostsee, der 22. au der ganzen Küste mit Ausnahme des
Ostens, der 23. an der ganzen Küste, der 27. an der Ostsee mit Ausnahme des
Westens, der 28. an der ganzen Küste und der 29. an der Ostsee mit Ausnahme
des Westens. Sehr ergiebige Niederschlagsmengen (mehr als 20 mın in 24 Stunden)
fielen am 5. in Neufahrwasser (21), am 6. in Warnemünde (22) und Darsser-
ort (23), am 15. in Hamburg (20), am 19. in Wangeroog (25) und in Neufahr-
wasser (35), am 22, in Neufahrwasser (25), am 26. in Memel (22) und am 31. in
Nesserland (22). Ausgedehnte Gewitter traten auf in der Nacht vom 1. zum 2,
an der Nordsee und der westlichen Ostsee, am 2. an der westlichen und mitt-
leren Ostsee, am 4, an der schleswig-holsteinschen Küste, am 16. an der östlichen
Ostsee, au 20. an der Nordsee und mittleren Ostsee und am 21. und 22. an der
östlichen Ostsee,
Ausgebreiteter Nebel trat auf am 19. und 20. an der Ostsee, am 21. an
der ganzen Küste, am 22. an der Ostsee und am 23. und 24, am gröfsten Theile
der Küste. Heiteres Weiter trat nur vereinzelt auf, in größerer Verbreitung
am 1. und 3. an der östlichen Ostsee, am 7. an der preufsischen Küste und am
27. bis 29. und 31. an der mittleren Ostsee.
Die dreimal täglich beobachteten Windrichtungen waren im Ganzen recht
gleichmäfsig auf die Windrose vertheilt, an der Nordsee waren es meist westliche,
an der Ostsee theilweise auch östliche Winde, die am häufigsten auftraten.
Als zu Anfang des Monats hoher Luftdruck über Nordosteuropa
bestand, während eine Depression mit einem Minimum westlich von Schottland
Westeuropa bedeckte, herrschten an der Ostsee schwache östliche bis süd-
östliche Winde, an der Nordsee schwache südwestliche Winde. Unter der Ein-
wirkung eines tiefen, südwestlich von Irland ‚erschienenen, späterhin westlich
dieser Insel liegenden Minimums breitete sich die Depression, während kleine
Theildepressionen vom deutschen Binnenlande her nordwärts dem Nord- und
Ostseegebiete zuwanderien, allınählich bis zum 3. über Europa ostwärts bis
Russland aus, so dafs die Winde an der Küste bis zur pommerschen Küste hin
südwestliche wurden.
Während das Minimum westlich von Irland am 4. und 5. nach dem Nor-
wegischen Meere fortschritt, breitete sich hoher Luftdruck von Südwesten her
über dem kontinentalen Europa aus, doch nur vorübergehend, da ein tiefes