Geschichte und Entwickelung der Leuchtfeuer.
mieden und auch die bei grofsen Linsen unvermeidliche Aberration‘ der Strahlen
beseitigt wird. .
Das ober- und unterhalb des Linsengürtels ausfallende Licht wurde bei
grofsen Apparaten anfangs durch Spiegel aufgefangen und in gleicher Richtung
mit den Linsenstrahlen entsandt, später verwendete man für diesen Zweck Glas-
prismen von derselben Eigenschaft, welche für gröfßsere Apparate jedoch erst in
den Jahren 1836 bis 1843 geschliffen wurden.
Die Linsenapparate werden in sechs Gröfsen angefertigt; der erste Apparat
I. Ordnung bestand aus acht Linsen und bildete ein Achteck mit vierdochtiger
Lampe, er wurde im Jahre 1823 auf dem Thurm zu Cordouan aufgestellt, seine
Charakteristik war minutliches Blinkfeuer,
Eine große Fresnelsche Linse hat die Wirkung von acht großen
Parabolspiegeln. .
Die Linse entsteht durch Drehung des Fresnelschen Querschnittes um
ihre horizontale Achse, ein festes Feuer durch Drehung um ihre vertikale Achse.
Als neue Charakteristik wurde nun ein festes Feuer von hellen Scheinen unter-
brochen hergestellt. Es wurde dies dadurch bewirkt, daß man um das’ feste
Feuer vertikale Vorlinsen kreisen ließ. Auch wurde nun die Charakteristik
durch Ausbildung vom Achteck zum Zwölf-, Sechzehn- und Vierundzwanzigeck
geändert, womit Perioden von 10 zu 10 Sekunden, allerdings auf Kosten der
Lichtstärke, erzielt werden konnten. Später wurden auch die oberen und unteren
Prismen linsenartig geschliffen, um die Wirkung der Linse zu verstärken, .
Um möglichst alles Licht der Lampe zu gewinnen, wurde auch das Licht
der Landseite durch Seitenprismen, katadioptrische Reflektoren und Rückenprismen
nutzbar gemacht. .
Mit den wirksamsten Apparaten I, Ordnung wird eine Sichtigkeit des Feuers
bis zu 28 Sm bei mittlerer Luftdichte, welche in unseren Breiten etwa. während
180 Tagen des Jahres herrscht, erzielt, Als Lichterzeuger dienen Lampen mit
Mineralöl von fünf oder sieben Dochten. Die sich immer mehr entwickelnde
Dampfschiffahrt verlangt diese Sichtigkeit oder Deckung aber auch für neblige
Luft. Man schuf daher riesige Gasbrenner und ging schliefslich zum elektrischen
Bogenlicht über, welches wohl auch den Sieg errungen hat und mehr und mehr
Ausbreitung erlangt.
Die Vorzüge des elektrischen Lichtes bestehen darin, dafs man es durch
mechanische Kraft beliebig steigern kann und die Lichtenergie durch Konzen-
tration bei. ihm erheblich erhöht ist. Die grofsen Gasflammen von 10 bis 11 Zoll
Durchmesser steigern nur die Lichtmasse, ohne jedoch hierdurch eine entsprechende
Wirkung zu erzielen; zur Vermehrung der Lichtenergie mufs das zur Verwendung
stehende Licht in möglichst wenig Lichtbündel von geringem Querschnitt zu-
sammengefafst werden. .
Bei den älteren Apparaten betrug der Lichtwinkel des ausfallenden Licht-
bündels 6° bis 8°, die Blinke standen etwa 12 Sekunden bei einer Periode von
1 Minute, später wurde, wie bereits bemerkt, die Periode durch Vermehrung der
Seiten auf 10 Sekunden und damit auch die Dauer der Blinke vermindert, aller-
dings auf Kosten des Lichteffektes. Zur Erzielung noch stärkerer Lichtwirkungen
müfste die Zahl der Seiten noch verringert werden, dadurch würde aber unter
Beibehaltung möglichst kurzer Perioden die Dauer des Blinkes eine sehr kurze,
and es stand zu befürchten, dafs das Feuer dann nicht mehr sich hinreichend
kennzeichnete.
Die Wissenschaft wies jedoch nach, dafs zur guten Erkennung des Lichtes
der Eindruck auf das Auge nur etwa !/10 Sekunde.anzudauern braucht, andererseits
stellten Versuche fest, dafs eine Folge solcher Eindrücke von 5 zu 5 Sekunden
für den Schiffer genügt, um sein Besteck zu nehmen, d.h, seinen Standort. fest-
zustellen. So entstanden die vier- und zweiseitigen Blitzfeuer. Das vierseitige
Feuer- beendete seine Umdrehung in 20, das zweiseitige in nur 10 Sekunden,
Eine so bedeutende Umdrehungsgeschwindigkeit war aber mit den bisherigen
festen Drehvorrichtungen nicht mehr mit Sicherheit. zu erzielen. Das bedeutende
Gewicht der Apparate würde bald zu einer starken Abnutzung des Rollenkranzes
geführt und der Drehmechanismus versagt haben.
Man kam daher darauf, den Apparat schwimmen zu lassen, und benutzte
als Flüssigkeit Quecksilber. Der Querschnitt des tragenden Quecksilbers ist dabei
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