274. Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1898.
lampen. selten gebrannt wurden, weil diese, nur mit Saugedochten ausgeführt, stets
blakten, und daher eine nennenswerthe Verbesserung der Helligkeit auch durch
hintergestellte Spiegel nicht zu erzielen war, geht der Herr Vortragende zu der
Stellung des Einflusses über, welchen die im Jahre 1782 gemachte Erfindung der
Argandschen Lampen auf das Leuchtfeuerwesen gehabt hat. Diese Lampen mit
Hohldochten und doppelter Luftzuführung und ihrem Zugglas brannten mit heller,
nicht blakender Flamme und gestatteten nun auch eine Verstärkung ihrer Licht-
wirkung durch Reflektoren, in welche sie nun hineingesetzt werden konnten.
Die Form dieser letzteren war die Parabel. In dem Brennpunkte des Paraboloids
stand die Lampe, deren Strahlen, in einem dem Durchmesser der Flamme ent-
sprechenden Winkel in die Ferne geworfen wurden. Um den ganzen Horizont
zu beleuchten, war eine grofse Anzahl Parabolspiegel mit den zugehörenden
Lampen erforderlich, welche für ein festes Feuer im Kreise, für ein Drehfeuer
in einem Dreieck oder Viereck aufgestellt wurden. Die verschiedenartige An-
ordnung der Spiegel giebt Veranlassung, auf die sogenannte Charakteristik der
Leuchtfeuer, d. h. die Unterscheidungsmerkmale, einzugehen, welche die Feuer
einer Küstenlinie zeigen müssen, damit der Schiffer weifßs, welchen Leuchtthurm
er vor sich hat, um danach seine Ortsbestimmung machen zu können. Die
gebräuchlichsten Charakteristiken sind jetzt: Festes Feuer, festes Feuer mit
Blinken, Blinkfeuer von Minute zu Minute bis zu 10 zu 10 Sekunden,
Gruppenblinkfeuer, unterbrochenes Feuer, Blitzfeuer, Funkelfeuer
und Wechselfeuer. Schon früher hatte man die Nothwendigkeit erkannt, für
die Unterscheidung der einzelnen Leuchtfeuer etwas zu thun, und war auf den
Ausweg gekommen, zwei Feuer nebeneinander, ein sogenanntes Zwillingsfeuer,
aufzustellen, wie z. B. in Nidingen in Schweden, wo ein solches im Jahre 1635
errichtet wurde. Auch ein Drehfeuer zeigte im Jahre 1768 der Leuchtthurm zu
Ozokör in Schweden, der mit vier Scheinwerfern von 0,65 m Durchmesser, in
einer Richtung stehend, ausgerüstet war. Vor jedem Scheinwerfer befanden sich
sechs Lampen. Durch Drehung der Beleuchtungsanlage wurde der ganze Horizont
fortschreitend beleuchtet.
Auch verschiedene Farben wurden zur Herstellung der Charakteristik ver-
sucht und zwar war es hauptsächlich das rothe Licht, welches Verwendung fand.
Dasselbe mufs aber in seiner weißen Lichtquelle viermal so stark als weifses
Licht sein, um bei mittlerer Luft gleich weit wie dieses gesehen zu werden.
Aufserdem zeigt bei Nebel auch das weiße Licht eine rothe Färbung, so dafs
Irrthümer nicht auszuschliefsen sind und daher von farbigem Lichte für Seefeuer
möglichst Abstand zu nehmen ist und dasselbe nur für Bakenfeuer in den Häfen
Verwendung finden sollte.
Auf dem Leuchtthurme zu Cordouan wurde im Jahre 1792 der erste
Parabolapparat mit zwölf Spiegeln von 812 mm Oeffnung aufgestellt. Derselbe
bildete ein dreiseitiges Drehfeuer, dessen Seiten je vier Spiegel hatten.
Die Parabolapparate brachten die Sichtigkeit der Feuer bei mittlerer Luft
von ehemals 5 bis 7 Sm bis auf 18 Sm und bedeuten daher einen gewaltigen
Fortschritt in der Küstenbefeuerung. Von ihnen datirt erst die neue Aera der
Leuchtfeuer.
Den Bedürfnissen der damaligen Segelschiffahrt entsprechend genügte es,
langsam drehende lichtstarke Feuer zu besitzen, deren Periode etwa 3 bis 4 Mi-
nuten betrug. Robert Stephenson verkürzte die Periode und schuf in den
Aasbing lights Charakteristiken von 10 zu 10 Sekunden. Er stellte die Parabol-
spiegel in einem Achteck auf, jede Seite mit drei Parabeln vertikal übereinander.
Die Parabolspiegel hatten den Nachtheil, daß sie etwa die Hälfte des
Lichtes absorbirten, aufserdem die Strahlen der Lichtquelle, welche unmittelbar
nach vorn gerichtet waren, verloren gingen,
Der Uebelstand führte den Physiker Fresnel, welcher Mitglied des Bureau
des phares war, im Jahre 1819 zur Konstruktion der Linsenapparate, die,
wesentlich wirksamer, nur etwa !/ıo des Lichtes verschlucken.
Die Fresnelschen Linsen bestehen aus einer kleineren Mittellinse, die
von mehreren Ringen ober- und unterhalb umgeben ist. Dies Zerlegen der Linse
in einzelne Zonen derart, dafs die Brennpunkte der Ringe und Mittellinse zu-
sammenfallen und daher wie eine Linse wirken, hat den Vortheil, dafs die über-
mäfßige Glasstärke, welche für eine einzige grofse Linse erforderlich wäre, ver-