Geschichte und Entiwickelung der Leuchtfeuer, +
273
Weichselmünde, Hela, Pillau aufgestellt, an der Nordsee zu Helgoland und Wangeroge.
Während des’ dreißsigjährigen Krieges ging jedoch wieder eine Anzahl ‚Feuer,
wie Hiddensoe und Warnemünde, ein... Alle die genannten Feuer brannten Lichte
in geschlossenen Laternen auf hohen Holzgerüsten, welche letzteren entweder
fest angebracht waren. oder in die Höhe gezogen wurden, . .
. Der Betrieb mit Lichten blieb allgemein, bis die Steinkohlen zur. An-
wendung gelangten. ; ; a
‚Vor dem Jahre 1600 ist die Benutzung der Steinkohlen. in England nicht
nachweisbar, erst nach dieser Zeit werden sie genannt, sie kamen vom Jahre 1650
nach Hamburg in den Handel, und wurde von.da z. B. ab mit ihnen der Neu-
werker Leuchtthurm befeuert. Bis: um das Jahr 1720 bestand auf dem Leucht-
thurm von Cordouan, welcher damals mit dem Festlande ‚zusammenhing, die
Beleuchtung aus einem Holzfeuer, erst um diesen Zeitpunkt wurde eine eiserne
Laterne errichtet und in ihr Steinkohlen gebrannt. Später wurden Versuche mit
kleinen muschelförmigen Spiegeln und. Flachdochtbrennern angestellt, man nahm
bis 80 Spiegel, aber die Wirkung des Lichtes.war eine so dürftige, dals die
Schiffer für diese Art Beleuchtung bestens dankten und ein Steinkohlenfeuer bei
Weitem vorzogen. Die Steinkohlen . brannten bei Windstille schlecht - und
leuchteten wenig, bei starkem. Winde dagegen zu lebhaft und unwirthschaftlich.
Es verbrannten in einer Nacht auf dem Leuchtthurm zu. Cordouan- über 225 Pfd.
Kohlen, ein Leuchtthurm in England giebt als Jahresbedarf sogar 400 t an, ...
| Die Steinkohlen gaben allgemein ein helles Licht, welches gegen das
frühere Lichtfeuer abstach und so viel Aufsehen erregte, dafs um das.Jahr 1660
der Polenkönig Johann Kasimir sich exprefs nach Hela begab, um. hier. das
Wunderwerk eines mit Kohlen betriebenen Feuers zu schauen. Um den unregel-
mäßigen und verschwenderischen Verbrauch von Kohlen einzuschränken und eine
gleichmäfsigere Lichtstärke zu erzielen, wurde das Feuer später mit einer :Glas-
laterne umgeben, die Luftzuführung durch Kanäle von unten bewirkt und der
Rauch durch einen besonderen über die Laterne ragenden Schornstein abgeführt.
Achnliche Feuer haben in Schweden bis Mitte dieses Jahrhunderts noch. bestanden.
. Von den vorhandenen Leuchtthürmen- ist wohl der interessanteste. der von
Eddystone sowohl hinsichtlich seiner Bedeutung als. auch ‚seiner wechselvollen
Schicksale. Der erste Thurm daselbst wurde im Jahre 1698 errichtet, verschwand
im Orkan in einer Novembernacht sammt den .Wärtern im Jahre 1703, Ein:
neuer darauf errichteter Thurm wurde 1755 ein Raub der Flammen. Sein Er-
Dauer war ein Seidenhändler gewesen, der aber in richtiger Erkenntnifs. der auf
den Thurm einwirkenden Kräfte der Wogen den Unterbau durch mächtige Stein-
quadern und eichene Balken geschützt und den ganzen Thurm aufserdem noch
mit 6zölligen eichenen Dauben umgeben hatte.
Der an: seiner Stelle errichtete neue Thurm war in seinem unteren Theile
wie der vorige vollkommen massiv. und mit dem Felsen sorgfältig verbunden,
Der Felsen war ‚aber allmählich von der See unterspült worden, -so dafs es in
den achtziger Jahren dieses Jahrhunderts nothwendig wurde, auf ;einer. anderen
Klippe einen neuen Leuchtthurm..zu bauen, welcher etwa 40 m hoch ist. ‚Dieser
wichtige für die Klippenthürme bahnbrechende Thurm brannte bis. 1807 nur
24 Talgkerzen! > . | . ;
_ Der Herr Vortragende erwähnt als ein. hervorragendes deutsches Bauwerk
noch den Leuchtthurm auf Rothe Sand bei Bremerhaven, welcher, in seiner Hülle
aus Eisen hergestellt, auf einer Sandbank steht, die sich auch bei Ebbe tief unter
Wasser befindet. Die Fundamente ragen bis 10 m in den Sand hinein. Der Bau
mifsglückte das erste Mal vollständig, die im Sommer halb ausgeführte Arbeit
verschwand im Winter spurlos. Das zweite Mal waren jedoch umfassende Vor-
kehrungen getroffen worden, um die Gewalt der Winterstürme von dem nicht
fertigen Bauwerke abzuhalten, und dies gelang in ganz vortrefflicher Weise, Die
Erbauerin, die Firma Harkort, hat in der Erbauung dieses Leuchtthurmes ein
Meisterwerk der Ingenieurkunst geliefert, das ihr zur höchsten Ehre gereicht. .
Im zweiten Vortrag. behandelte der Herr. Vortragende die Entwickelung
der Leuchtapparate. . .
l Nach kurzer Rekapitulation der im ersten Vortrage über die einzelnen
Lichtquellen der Leuchtfeuer gemachten Ausführungen, dahingehend, dafs seit.der
Mitte des siebzehnten Jahrhunderts fast ausnahmslos Steinkohlen, dagegen Oel-
Ann, 4. Hydr. ete., 1898, Heft VII