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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1898. 
Ilın vierzebnten Jahrhundert war der Leuchtthurm schon verfallen, und heute 
ist von dem zweifellos gewaltigen Bauwerk kein Stein mehr übrig geblieben, ja 
man kann nicht einmal die Stelle bezeichnen, wo er gestanden hat. Von dem 
Thurm ging die arabische Sage, dafs sich auf ilm ein magischer Spiegel befunden 
hätte, der es ermöglichte, bis nach Konstantinopel zu schen. Hieraus entstand 
die Fabel, dafs der Thurm Spiegel zur Verstärkung des Lichtes besessen hätte, 
was aber ganz ausgeschlossen ist, da Spiegel nur bei Oellampen in einer ge- 
schlossenen Laterne verwendbar sind, während auf dem Leuchtthurme Holz 
gebrannt wurde. 
Nach den Angaben römischer Schriftsteller wären in der Kaiserzeit mehrere 
Leuchtthürme nach dem Muster des Pharos ausgeführt worden, von diesen existiren 
noch Bildnisse auf Medaillen und Reliefs. Eine derselben zeigt ein solches Bau- 
werk stufenförmig hergestellt, mit konisch überdecktem Oberstock, die Flamme 
schlug vertikal empor. Er ist auf einem Felsen stehend gezeichnet, was als 
aufsergewöhnlich anzusehen ist, da die Leuchtthürme des Alterthums gewöhnlich 
sich an den Hafenmündungen befanden. Ein Bild stellt den Leuchtthurm von 
Ostia nach einer ihn wiederberstellenden Zeichnung dar; derselbe ist architek- 
tonisch schön mit reicher Ornamentik durchgeführt, er besitzt eine grofse Basis 
und das untere Stockwerk hat wahrscheinlich auch als Kastell gedient. 
Von den zwei älteren Thürmen, welche bis in das Mittelalter, bezw. die 
Neuzeit erhalten wurden, hat der eine zu Boulogne, der andere an der spanischen 
Westküste gestanden. Der erstere, dessen Krbauung auf Caligula zurückgeführt 
wird, ist im Jahre 1644 in die See gestürzt, als Leuchtthurm ist er nur wieder 
auf ganz kurze Zeit von Karl dem Grofsen benutzt worden. 
Aehnlich steht es mit dem Thurme, den die Franzosen als von Karl 
dem Grofsen herrührend bezeichnen, welcher ihn errichtet haben soll, um die 
Schiffahrt nach Bordeaux zu leiten, den Thurm auf Cordouan. Ueber ihn befindet 
sich in einer Urkunde von 1386 die Notiz, dafs den in seiner Nähe wohnenden 
Eremiten die Erlaubnifs ertheilt wurde, die Abgaben der einlaufenden Schiffe zu 
erhöhen. Von der Unterhaltung eines Feuers ist nichts dabei erwähnt. Vielleicht 
ist der Thurm ein Glockenthurm gewesen und haben die KEremiten durch Läuten 
der Glocken Schallsignale geben müssen. Die erste sichere Erwähnung des 
dortigen Feuers ist von 1570 auf einer Secckarte. Der jetzige dortige "’hurm ist 
1584 bis 1611 erbaut. 
Die älteste urkundliche Nachricht über einen Leuchtthurm des Mittelalters 
stammt aus Italien; in der einen aus dem Jahre 1155 wird der Bau eines 
Thurmes erwähnt, der als Leuchtthurm und auch als Festungsthurm zu dienen 
natte; er steht heute noch auf Meloria bei Livorno. In dem Archive von Pisa 
vefindet sich in einer Urkunde vom 13. März des Jahres 1282 ein Vertrag über 
die Lieferung von Oel und Dochten zur Unterhaltung dieses Leuchtthurmfeuers. 
Dasselbe müfste dann in einer geschlossenen verglasten Laterne gestanden haben. 
Es ist zwar zweifelhaft, dafs zu dieser Zeit schon Glasscheiben von genügender 
Durchsichtigkeit hergestellt werden konnten, doch lassen die Glasfunde aus der 
Römerzeit, z. B. in der Saalburg, schon auf eine verhältnifsmäfsig vollkommene 
Fabrikation durchsichtigen (jlases schliefsen, auch spricht dafür der Umstand, 
lafs am Bosporus noch ein Leuchtthurm im sechzebnten Jahrhundert gestanden 
haben soll, welcher eine verglaste Laterne besafs. Zuverlässige, weitere Nach- 
richten über ältere Leuchtfeuer in Italien sind nicht erhalten, die verworrenen 
politischen Zustände im Mittelalter machen dies jedoch erklärlich, obschon die 
italienischen Staaten einen bedeutenden Sechandel trieben und daher wohl zur 
Sicherung Leuchtfeuer besessen haben dürften. Unsere deutsche Hansa hat sich 
auch die Krrichtung von Leuchtfeuern angelegen sein lassen; lange vor dem Bau 
Jes französischen Leuchttkhurmes von Cordouan, welcher um das Jahr 1584 be- 
yonnen wurde, stellten die Lübecker um das Jahr 1212 bis 1220 auf Falsterbo 
ein Leuchtfeuer auf; es war wahrscheinlich cin Holzfeuer, denn die Unschlittlichte 
wurden erst etwas später erfunden. Es hatte den Zweck, die Heringsfischer zu 
sammeln. Später erfolgte der Bau eines Leuchtthurmes in Travemünde um das 
Jahr 1226 und 1286 Neuwerk am Ausflufs der Elbe, um 1506 auf Hiddensoe. 
In diesen Feuern werden Lichte gebrannt und erst um das Jahr 1710 wird in 
ersterem zur Beleuchtung durch Oellampen übergegangen. Ferner wurden um 
jene Zeit und bald folgend an der Ostsecküste noch Feuer zu Warnemünde,
	        
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