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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Geschichte und Entwickehung der Leuchtfeuer, 
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bildern erläutert, welehe hier nicht wiedergegeben werden können. Wir ver- 
weisen daher zur Erleichterung des Verständnisses auf die in diesen Annälen 
veröffentlichten Aufsätze mit erklärenden Zeichnungen: Jahrgang 1893, Seite 54, 
Chüden: „Ueber Leuchtfeuer“; Jahrgang 1896, Darmer: „Eniwickelung der 
elektrischen Beleuchtung in Frankreich“. 
Die kurze Zeit eines Abends reicht nicht aus zur eingehenden Entwicke- 
lung der Leuchtfeuer, ihrer Wirkungen und ihrer Einrichtungen, es soll daher 
nur eine geschichtliche Darstellung der Leuchtfeuer vom Beginn der Zeiten, wo 
die auflodernden Flammen eines Holzstofses dem Schiffer als Wahrzeichen dienten, 
bis heute, wo die Elektrizität Wirkungen erzielt, von denen man früher keine 
Ahnung hatte, gegeben werden. 
Eine bemerkenswerthe Erscheinung ist es, dafs im Alterthum etwa bis 
zum Ende der römischen Kaiserzeit für die Sicherheit der Schiffahrt so gut wie 
nichts geschehen ist, denn Leuchtfeuer im eigentlichen Sinne des Wortes gab es 
bis dahin sehr wenig. Erklärt wird dies dadurch, dafs die gesammte Schiffahrt 
vor Erfindung des Kompasses, welche etwa in das Jahr 1300 p. Chr. n. fällt, sich 
zumeist nur der Küste entlang bewegte, oder höchstens von Insel zu Insel führte. 
In der Beschreibung der Reise des Apostels Paulus von Caesarea nach Rom 
wird eine sehr anschauliche Schilderung einer solchen Seefahrt gegeben. 
Dies ist um so merkwürdiger, als im Alterthum die Feuertelegraphie, d. h. 
das Zeichengeben durch Feuersignale, bekannt gewesen und von ihr auch ein 
ausgiebiger Gebrauch gemacht wurde. So erfuhren die Athener durch solchen 
Telegraphen genau die Größe und Zahl der Schiffe, welche die Perser gegen sie 
in den Kampf führten. Von Karthago nach Sicilien war ein Fackelsignalsystem 
ausgebildet worden, dessen Zeichengebung den jetzt allgemein in Anwendung 
befindlichen Flaggensignalen ähnlich gewesen sein dürfte. Die Feuertelegraphie 
ist noch im Anfange dieses Jahrhunderts in Gebrauch gewesen. 
Es ist zu verwundern, dafs trotz der allgemein bekannten und geübten 
Zeichengebung durch Feuer doch Leuchtfeuer in unserem Sinne im frühen Alter- 
thum nicht vorhanden gewesen sind, und wenn einzelne Stellen alter Schriften 
zu der Annahme geführt haben, es hätten Leuchtfeuer bestanden, so mufs diese 
Vermuthung als eine irrige bezeichnet werden; die erwähnten Feuer sind nur 
Signale gewesen. Im anderen Falle hätte zweifellos vor Allen Herodot und vor 
ihm zweifellos die Odyssee, deren Schauplatz ja in besonderem Mafse das Meer 
war, der Leuchtfeuer Erwähnung gethan, was nicht geschehen ist. 
Der erste geschichtlich nachgewiesene Leuchtthurm ist der Thurm auf 
der Insel Pharos vor Alexandrien gewesen, und ist hiervon später die Bezeichnung 
Pharos allgemein für Leuchtfeuer gebraucht worden, Er wurde etwa 300 v, Chr. 
erbaut und wird im Alterthum als eines der sieben Weltwunder bezeichnet. Die 
Kenntnifs. von seiner Bauart, Einrichtung und Höhe ist aber so dürftig, dafs von 
ihm ein auch nur annähernd zutreffendes Bild nicht entworfen werden kann. 
Yon einem arabischen Geographen aus der Mitte des zwölften Jahrhunderts wird 
er zwar erwähnt, aber diese Notizen sind wenig verwendbar, weil bei der Be- 
schreibung ein Mafssystem benutzt wurde, welches uns unbekannt ist. Immerhin 
muß es zweifellos von höchstem Interesse sein, sich von ihm, der noch im 
zwölften Jahrhundert n. Chr. vorhanden gewesen sein soll, eine Vorstellung zu 
machen. Der arabische Schriftsteller giebt die Höhe des in einzelnen Absätzen 
aufgeführten Thurmes zu 100 Klaftern an, wovon auf den untersten Absatz 70, 
auf den zweiten 26 und auf die eigentliche Laterne vier Klafter entfallen. Die 
Breite des Bauwerkes wie seine Tiefe soll 40 Klafter betragen haben. Für 
diese Mafsbestimmung fehlt es leider an Anhaltspunkten zu einem Vergleiche mit 
unserem Mafssystem. Zur Beurtheilung der Höhe dürfte die römische Mittheilung 
einen Fingerzeig geben, nach welcher das Feuer des Thurmes bis zu 100 Stadien 
gesichtet werden konnte, was auf etwa 130 m Höhe schließen läfst, aber ent- 
schieden als sehr übertrieben zu bezeichnen ist, wenn nicht Luftspiegelungen ein- 
gewirkt haben. Der Schriftsteller Flavius Josephus erwähnt einen Thurm, 
welcher dem von Pharos in nichts nachgestanden haben soll, und giebt dessen 
Höhe zu einigen 70m an; von ihm erfahren wir auch, daß als Feuermaterial 
Holz verwendet wurde. Der untere Theil des Pharos-Leuchtthurmes war zweifellos 
als Kastell eingerichtet, die Besatzung konnte jederzeit zu diezem auf einer 
schmalen Landzunge, welche die Insel mit dem Festlande verband, gelangen.
	        
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