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Annalen -der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1898
Klasse 1 Z ; 4
A+2B+C 2,55 5,05 6,5° 10,0®
B 0,75° 1,20° 1,60° 2,50°
CC 0.088 0.10° 0,12° 0,20°
Diese Gröfsen A, B und C werden berechnet aus den während der ein-
zelnen Dekaden der symmetrisch vorgenommenen Temperaturprüfung erhaltenen
mittleren täglichen Gängen. Zur Bestimmung der Gröfse A sind die beiden zu
gleichen Temperatur-Dekaden gehörigen täglichen Gänge paarweise zu einem
Mittelwerthe zusammenzufassen (siehe Kolumne VI). Es ist dann die gröfste
vorkommende Differenz der so gefundenen Mittelwerthe gleich A zu setzen.
Bezeichnet ferner B’ die gröfste Differenz der täglichen Gänge von zwei auf-
einander folgenden Dekaden, 7 die Differenz der Temperatur dieser beiden Zeit-
abschnitte und T die Differenz der höchsten und niedrigsten überhaupt während
der Prüfung vorgekommenen Dekaden-Temperatur, so ist B= B'— mA wobei auf
eine etwaige Verschiedenheit in den Vorzeichen von A und B' keine Rücksicht
genommen wird.
C oder den zehnfachen Werth der mittleren täglichen Acceleration erhält man,
indem man die Gangdifferenzen von je zwei zur Mitte der Untersuchungszeit sym-
metrisch gelegenen Dekaden gleicher Temperatur bildet, dieselben durch die Anzahl
der zwischen der Mitte beider Zeitabschnitte liegenden Tage dividirt und aus den so
erhaltenen Zahlen das Mittel nimmt. Um einen von zufälligen Gangunregel-
mäfsigkeiten möglichst unabhängigen Werth der Acceleration zu gewinnen, sind
hierbei nur diejenigen Gänge verwerthet worden, die während der zwei äufsersten
Paare von Zeitabschnitten erhalten wurden. Die Beeinflussung durch zufällige
Gangunregelmäfßigkeiten gestaltet sich dadurch am geringsten, da dann der oben
genannte Divisor einen verhältnifsmäfsig grofsen Werth annimmt. — In den
einzelnen Klassen werden die Chronometer nach der absoluten Summe der Zahlen-
größen A +2B -+C geordnet, d. h. dasjenige Chronometer, bei welchem diese
Summe den geringsten Werth erreicht, nimmt den der Güte nach ersten Rang ein,
Es ist bei der diesmaligen Prüfung eine beträchtlich gröfsere Anzahl In-
strumente als in früheren Jahren in die beiden ersten Klassen gelangt; dieses
Ergebnifs ist zum Theil jedenfalls dem Umstande zuzuschreiben, dafs die Prüfung
bei den tiefen Temperaturen, wie oben bereits erwähnt, aus äufseren Gründen
nicht vollständig strenge hat durchgeführt werden können. Die Erfahrung
während früherer Jahre hat gezeigt, dafs die gröfsten Gangabweichungen bei
manchen Chronometern gerade während der 5°-Dekaden aufgetreten sind. Der
Fortfall der strengen Kälteprüfung hat deshalb in diesem Falle zweifellos dazu
beigetragen, das Gesammtresultat wesentlich günstiger erscheinen zu lassen,
Unmittelbar nach Schlufs der Prüfung wurden die Chronometer wie in
den früheren Jahren durch eine Kommission in Hamburg-Altona etablirter Chrono-
meter-Fabrikanten, im Beisein der Beamten des Instituts, einer Untersuchung auf
ihren gegenwärtigen Zustand unterzogen. Die Sachverständigen sprachen ihre
Ansicht dahin aus, dafs bei sämmtlichen Chronometern weder an den Unruhen
noch an den Spiralen Rostspuren zu bemerken seien. Nur bei einigen Uhren zeigte
sich eine geringfügige Trübung in der Färbung des Oels.
Hamburg, den 25. April 1898.
Prof. Georg Rümker,
Direktor der Sternwarte und Vorstand
der Abtheilung IV der Seewarte.
Berechnung der Temperatur - Koefficienten für die während der
21. Konkurrenz-Prüfung (1897—1898) untersuchten Chronometer.
Berechnet von Kuno HEUER und Kapt. G. REINICKE.
Bei der Ableitung der Temperatur-Koefficienten derjenigen Chronometer,
welche während der 21. Konkurrenz-Prüfung in der Abtheilung IV der Seewarte