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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1898,
Aumerkung der Redaktion. Kapt. Rowehl spricht brieflich seine
Meinung aus überdie von ihm eingehaltene Route, auf welcher er freilich ungewöhnlich
ungünstige Verhältnisse angetroffen hat. Er glaubt, dafs für nach Japan bestimmte
Schiffe der Weg durch die Ombay-Strafse und die Molukken-See nur in den
Monaten Januar und Februar anzurathen sei, dafs in früheren Monaten aber der
Ost von Australien durch den Stillen Ozean nach Norden führende Weg durch-
schnittlich günstigere Reisen ergeben werde. Wie im „Segelhandbuch für den
Indischen Ozean“, Seite 680, angegeben ist, stimmt dies nicht überein mit den
Erfahrungen der Seewarte. Danach ist die Route Ost von Australien nur für
solche Schiffe empfehlenswerth, die im März den Meridian von 80° O-Lg über-
schreiten. Im April pflegt im südwestlichen Theile des Stillen Ozeans der
Südostmonsun schon wieder einzusetzen, während in den östlichen Durchfahrten
noch Mallung und Stillen vorherrschen, Am meisten Vortheil bietet die östliche
Route für große Schiffe, die wie die „Nomia“ in den engen Gewässern schwer
zu manövriren und welche nicht im Stande sind, die vorherrschenden, un-
beständigen, leichten Winde £o auszunutzen, wie es kleinere Schiffe thun können.
Der Hafen von Fremantle in Westaustralien. ”
Nach dem Bericht des Kaiserlichen Generalkonsulats zu Sydney. 1898.
(Hierzu Tafel 6.)
Am Ende des Jahres 1892 hat man in der Kolonie Westaustralien be-
yonnen, den Hafen der Stadt Fremantle am Swan River, welche etwa drei
deutsche Meilen von Perth, der Hauptstadt dieser Kolonie, entfernt ist, zu ver-
bessern, um denselben sicherer und für Schiffe mit gröfserem Tiefgange zugänglich
zu machen. Die Kosten dieses Unternehmens wurden auf etwa 800 000 & ver-
anschlagt und die Dauer der Herstellung auf etwa acht Jahre berechnet.
Die projektirten und theilweise fertiggestellten oder weit vorgeschrittenen
Arbeiten sind folgende:
|. Bau zweier Molen von der nördlichen (Rous Head) und der südlichen Land-
zunge (Arthur Head).
Die nördliche Mole läuft in nahezu Westsüdwestrichtung in einer Länge
von 1051,8 m (3450') ins Meer und hat eine obere Breite von 9,45 m (30°) am
Landende und 15,85 m (52) am Molenkopf. Bei Hochwasser ragt die Mole 3,7 m
(12) am Kopf und 3 m (10°) am Landende aus dem Wasser, Die Wassertiefe
am Molenkopf beträgt 8,54 m (28) bei Niedrigwasser, verringert sich aber nach
dem Landende zu. Man hat auch noch in Erwägung gezogen, die Mole ins Meer
um weitere 365,85 m (1200') bis zu einigen dort unter Wasser liegenden Felsen
zu verlängern.
Die südliche Mole läuft in nahezu Westnordwestrichtung in einer Länge
von 609,75 m (2000) ins Meer, Die obere Breite derselben beträgt für die
ersten 335 m (1100‘) der Länge 7,62 m (25'), nimmt dann allmählich zu und
steigt bis auf 12,20 m (40‘) am Anfange des Molenkopfes. Bei Niedrigwasser
beträgt die Wassertiefe hier 7,31 m (24‘). Beide Molen sind nach dem Pierres
Perdues System gebaut und bereits fertiggestellt worden. Der zum Bau ver-
wendete Kalkstein und Sandstein wurde mittels Eisenbahn von den Steinbrüchen
der etwa %4 deutsche Meilen entfernten Rocky-Bai zur Stelle gebracht. Bisher
haben dieselben verschiedenen schweren Stürmen widerstanden, ohne beträcht-
lichen Schaden zu erleiden,
Gegen Süd- und Südweststürme sind dieselben auch durch die in dieser
Richtung liegenden Inseln etwas geschützt.
\ Annalen 1897, S. 235. D. R.