Bericht über auf dem Meere beobachtete Stanbfälle,
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Ergebnifs der Untersuchung des Wüstenstaubes, der von Kapt. W. Schweer
vom Dampfschiff „Rio“ am 15. Februar 1898 in 13,5° N-Br und 26,0° W-Lg
gesammelt und der Seewarte eingesandt wurde, ;
Herr Professor Dr. Dennstedt, Direktor des Chemischen Staats-Labora-
toriums in Hamburg, ließ den Staub auf Ersuchen der Seewarte genau prüfen
und ergab die mineralogische Untersuchung, die von Herrn Oberlehrer Dr. Petersen
im Mineralogischen Museum ausgeführt wurde, Folgendes:
Mikrochemisch wurden nicht unbedeutende Mengen von CO, nachgewiesen,
die einen starken Gehalt an Kalkstein verrathen. Neben dem Ca CO, besteht
die Hauptmasse des Staubes aus Na Cl, das in relativ großen, sehr gut krystalli-
sirten Würfeln vorkommt, und Si O,, das unregelmäßig begrenzte Körnchen bildet.
Dann folgen Thonstückchen, Partikelchen von Eisenoxydhydrat, Glimmer, Feld-
spat, Apatit, nicht genauer bestimmbarer Eisenerze, darunter sehr wahrscheinlich
Hämatit und Titaneisen.
Im Einzelnen:
Ca CO, bildet unregelmäfsig begrenzte, nicht krystallisirte Stückchen, die
vielfach von Limonitstäubcehen gefärbt erscheinen. Ab und zu finden sich scharf
begrenzte rhombo&drische Spaltstückchen. Spuren organischer Struktur der Kalk-
theilchen waren nicht erkennbar,
Si 0,. Kleine unregelmäfsig eckige, an den Ecken abgerundete Körnchen.
Schätzungsweise die Hälfte oder etwas mehr als die Hälfte ausmachend,
Thon in feinen Blättchen und Schüppchen bildet einen nicht unwesentlichen
Bestandtheil der Masse.
Eisenoxydhydrat, Limonit, findet sich in Gestalt brauner Pünktchen, die
anderen Mineralbestandtheile färbend und ihnen anklebend.
Andere Eisenerze, vielleicht Magnetit, erscheinen in geringen Mengen in
unregelmäfsig begrenzten schwarzen Körnchen. Einzelne Körnchen zeigen die
als Titanomorphit bekannte Umrandung und deuten an, dafs sie aus Titaneisen
bestehen, doch ist diese Bestimmung unsicher. Hämatit (Fe, Os) findet sich
vereinzelt in kleinen Schüppchen. ,
Glimmer kommt vereinzelt in unregelmäfsigen, doch deutlich erkennbaren
Blättchen vor. Apatit ist, wenn auch in kleinen Stücken, so doch ziemlich
gleichmäßig in der Masse vertheilt. Es finden sich kurze dicke Säulchen von
Bläulicher Farbe und vollkommen farblose dünne Stäbchen. Nicht selten zeigen
die Stäbchen pyramidale Endgrenzen.
Von besonderem Interesse ist das Vorkommen vereinzelter Feldspatstückchen,
Orthoklas ist zweifelhaft, Plagioklas wurde mehrfach erkannt, und zwar in
der den modernen Eruptivgesteinen eigenen helilglasigen Form, ;
Abgesehen vom Feldspat ist die Zusammensetzung des Staubes — Kalk,
Sand, Thon — als eine löfsartige zu bezeichnen und dürfte eventuell zweifellos
von der Oberfläche eines Kalkstein-Sandsteingebirges durch Sturm entfernt sein.
Mit dem Feldspat kommt ein Element hinein, das der Hauptmasse des
Materials eigentlich fremd ist. Ich erkläre mir die Sache so, dafs der vom
Kontinent kommende Wind von den dort zahlreichen Vulkaninseln einzelne
Theilchen ‚eruptiven Materials entnommen hat. Jedenfalls aber steht fest, dafs
die Herleitung des Staubes von vulkanischen Aschen als Hauptmaterial der Ent-
stehung unmöglich ist. In diesem Falle müfsten die eigentlich eruptiven Massen
den Hauptbestandtheil bilden, namentlich die in vulkanischen Aschen so unendlich
häufigen Gläser sich in muscheligen oder scharfkantigen Fragmenten vorfinden,
was nicht der Fall ist. .
Die Salzkrystalle können in. diesem Falle nicht etwa von Wüstensalz her-
geleitet werden, was an sich nicht unmöglich wäre. Sie sind zu scharf begrenzt,
als daß sie einen langen Lufttransport erlitten haben könnten. Zweilellos sind
sie aus. Seewasser auskrystallisirt.
Der Vollständigkeit wegen sei noch bemerkt, daß sich einzelne Fäden,
zweifellos von Segeln oder dergleichen herrührend, weilse und blaue; in dem
Staube finden.
Vereinzelte Diatomeen sind zu klein, um bestimmt werden zu können, geben
also keinen Anhaltspunkt für die Herkunft des Staubes, die im Uebrigen hin;
reichend aufgeklärt sein dürfte.