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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1898,
Gefolge hatten, welche von beträchtlichen Verwüstungen begleitet waren. Am
Königl. meteorologischen Institute zu Utrecht wurde am 28. um 7'/2* p und
am 29, um 1* p ein Winddruck von nicht weniger als 110 kg auf das Quadrat-
meter registrirt. Am Kanal forderte der Sturm mehrere Menschenopfer von
Fischer- und Lootsenbooten.
Auch an der deutschen Nordseeküste wehten in der Nacht vom 28. auf
den 29. und an dem darauf folgenden Tage heftige Sturmböen, welche, wenn
auch keine besonders hohen Fluthen, so doch mancherlei Schäden verursachten.
Nachdem hier seit einigen Tagen, so heißt es in einem Berichte aus Helgoland,
der Wind immer ungeschwächt aus Süd und West mit Regen, Hagelböen und
sogar Gewitiern sein strenges Regiment geführt, lief er am Montag (am 29.)
mittags sehr schnell nach NNO um und blies von dort mit selten erlebter Heftig-
keit. Hochwasser war vorläufig nicht zu befürchten, da kein Drehen nach Westen
zu bemerken war. Die gewaltigen Wellen und Wassermassen, die gegen die
Bollwerke am Nordstrand heranstürmten, emporschnellten und wieder vom Wind
unterstützt auf die nächstliegenden Dächer und Umgegend sich zertheilten, ge-
währten einen interessanten Anblick. Mancherlei Verluste an Schiffen und auch
an Menschenleben sind hierbei zu beklagen.
Bemerkenswerth sind die zahlreichen Gewitter, welche vom 28, auf den
29. November im westlichen Deutschland niedergingen, welche zum Theil sehr
heftig auftraten und meist von Hagelfall begleitet waren. Vom 27. auf den 28.
fanden auf den Britischen Inseln elektrische Erscheinungen statt, welche sich am
28. wiederholten. Am letzteren Tage (7*25 bis 7*40 p) ging zu Haarlem ein
aufserordentlich schweres Gewitter nieder, welches von einem starken Hagel-
schlag begleitet war und daselbst mancherlei Schaden anrichtete. Von dort aus
scheint sich das Gewitter ost- und südwärts fortgepflanzt zu haben. Am Spät-
abend und in der Nacht kamen an der deutschen Nordsee Gewitter zum Aus-
bruch, am 28. 10% p zu Arlon, 10%4* p zu Münster i. W., um Mitternacht
vom 28. auf den 29. zu Kaiserslautern, um 1* morgens zu Wiesbaden. Eine
starke Einknickung macht am 28. 9* p die Barographenkurve zu Brüssel (vgl.
Diagramm, Fig. 5), wodurch der Vorübergang eines Gewitters deutlich charakteri-
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Fir. 4. Wetterkarte vom 30. Novemher 1897, 8h a, Nehankarte vom 1. Dezember 1897, 8b a.
Im Laufe des Tages (am 29.) schlug das Minimum eine nordostwärts
gerichtete Bahn ein und wandte sich nach Finland, während eine neue Depression,