259 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1898.
in der Nähe der Kap Verden mehrere Wachen anhaltenden starken Regen, der
von Blitz und St. Elmsfeuer begleitet war, beobachtete, folgte darauf doch kein
Hellerwerden der Luft. Die Sichtweite war zu jener Zeit derart verkürzt, dafs
die Dampfschiffe beim Anlaufen von Land mit äufserster Vorsicht verfahren
mufßfsten. Der französische Postdampfler „Flachat“, der dies vielleicht nicht that,
strandete infolge des unsichtigen Wetters in der Nacht vom 15. zum 16. Februar
bei Punta Anaga auf Teneriffa, wobei laut Zeitungsbericht 87 Menschen ihr Leben
verloren und nur 13 Mann gerettet wurden.
Zinige Staub- und Aschefälle, die in anderen Meeren als dem Nordatlantischen
Ozean beobachtet wurden und welche die meteorologischen Tagebücher seit
1894 enthalten,
Tagebuch D. 2606. Dampfschiff „Hertha“, Kapt. P. Hildebrandt. Als
sich dieser Dampfer am 13. Oktober 1894 im Rothen Meere bei 17°N-Br und
41° O-Lg befand, beobachtete er dort einen aus West in Stärke 3 wehenden Wüsten-
wind, der 31,5° C warm war und Sand mit sich führte.
Tagebuch S. 4323. Segelschiff „Germania“, Kapt, E. Diercks. Als sich
dieses Schiff am 1. Februar 1895 in 27,5° N-Br und 125,5° O-Lg, also nordöstlich
von Formosa im Nordchinesichen Meere, befand, erfolgte dort ein Niederschlag
ron braunem Wüstenstaub auf Masten und Segel des Schiffes. Es wehte damals
ein Sturm aus NNW.
Tagebuch D. 3209, Dampfschiff „Dorothea Rickmers“, Kapt. H. Pape.
Als sich dieser Dampfer am 6. August 1896 im Rothen Meere in 23° N-Br und
37° O-Lg befand, wurden dort auf der Wasseroberfläche lange Streifen röthlich
gelben Staubes, die sich in der Richtung von SO nach NW parallel zu dem zur
Zeit in Stärke 2 wehenden Südostwinde erstreckten, gesehen.
Tagebuch S. 4699. Segelschiff „Roland“, Kapt. C. Kobbe, wurde von
einem Ascheniederschlag bedeckt, der die Folge des Ausbruchs eines Vulkans
war. Als dies Schiff am 7. September 1896 nahe bei dem im nordöstlichen
Theile Javas liegenden Hafen Probolingo stand, war dort die Luft derart mit
Asche angefüllt, daß es der Augen wegen unmöglich war, das Gesicht gegen den
rischen, ablandigen Südsüdwestwind zu richten. Am folgenden Morgen war das
Deck des Schiffes 1 bis 2 mm hoch mit Asche bedeckt. Vom 7. bis 17, Sep-
tember, auf der Rhede von Kraksan liegend, beobachtete man vom Deck des
„Roland“ aus über dem Vulkan Lamongan cine grofse Rauchsäule, und während
der Nacht vom 17. zum 18. September erfolgte abermals ein starker Aschenfall,
der das Deck 3 bis 4 mm hoch bedeckte, Es war dabei derart unsichtig, dals
auf 600 bis 700 m Entfernung kein Gegenstand mehr zu erkennen war.
Tagebuch S. 4638. Segelschiff „Selene“, Kapt. F. H. Israel. An Bord
dieses, am 1. Dezember 1896 in 50° N-Br und 11,5° W-Lg, also auf den
Aufsengründen vor dem Kanal sich befindenden Schiffes bemerkte man bei Tages-
anbruch, dafs der während der Nacht gefallene Regen so viel Staub enthalten
batte, dafs davon die auf Deck befindlichen, weils angestrichenen Gegenstände
schmutziggrau gefärbt waren. Es wehte zur Zeit ein heftiger Südoststurm,
Tagebuch S. 4724. Segelschiff „Pera“, Kapt. J. Neumann, Nachdem
einige Wachen vorher ein stürmischer Nordwestwind geweht hatte, beobachtete
man an Bord von „Pera“ am 17. Dezember 1896 in 46° S-Br und 62° W-Lg,
also etwa 200 Seemeilen östlich von der Küste Patagoniens, viele Libellen
and Staub.
Tagebuch D. 3323. Dampfschiff „Hertha“, Kapt. Th. Hildebrand, Als
sich dieser Dampfer am 19. März 1897 in 4° N-Br und 105,5° O-Lg im Süd-
chinesichen Meere, zwischen den Natuna-Inseln und der Halbinsel Malakka befand,
bemerkte man dort, dafs das Meer stellenweise mit rothem Sande bedeckt war.
Der Wind wehte zur Zeit aus NE in Stärke 3.
Tagebuch D. 3551. An Bord des vom Kapt. G. A. Gramberg geführten
Dampfschiffes „Rauenthaler“, welches sich am 1, März 1898 im Arabischen Meere,
in 23° N-Br und 64° O-Lg, etwa 100 Seemeilen südlich von der Küste Belud-
schistans befand, beobachtete man sehr dunstige, Wüstenstaub enthaltende Luft.
Der zur Zeit wehende Wind war NW von der Stärke 6, war also ein ab-
landiger Wind.