Aus den Fragebogen der Deutschen Seewarte, betreffend Häfen, 243
Starke Strichnebel und diesige Luft erschweren nicht selten das Ausmachen
der Landmarken; das Loih ist dann fleißsig zu gebrauchen; solche Verhältnisse
fand Kapt. R. Paetzelt bei zehnmaligem Anlaufen des Hafens siebenmal.
Lootsenwesen (Annalen 1898, Heft V, Seite 151), Die Lootsenboote sind
schwarz gemalte Ruderboote und haben an beiden Seiten am Bug die Aufschrift
„Pilotos“ in grofsen weißsen Buchstaben.
Anweisung für Dampfer. Wenn man die Hafeneinfahrt offen sieht, was
der Fall ist, wenn der Leuchtthurm auf dem südlichen Hafendamm NO'/N peilt,
läuft man so langsam als möglich in die Einfahrt. Kurz vor derselben kommt
der Lootse an Bord. Da man eben innerhalb der Hafenmauern ankern muß, so
mufßs das Schiff möglichst wenig Fahrt haben. Dieser Umstand macht das Kin-
laufen bei hoher See und auflandigem Winde nicht ungefährlich, bei schweren
Stürmen aus westlicher Richtung unmöglich,
Bei schlechtem Wetter ist es nicht räthlich, nachts einzulaufen, da dann
für Oporto bestimmte Schiffe hier Zuflucht suchen und infolgedessen der Hafen
meist überfüllt ist,
Aukerplatz. Wenn sechs Dampfer im Hafen liegen, ist der Ankerplatz
etwas beengt. Man liegt am besten hinter dem nördlichen Hafendamm, welcher
Platz für die Quarantäneschiffe bestimmt und durch Bojen gekennzeichnet ist,
Kapt. R. Paetzelt berichtet: Vier Tage vor KEinlanfen des Dampfers
„Maceiö“ am 31. Dezember 1897 wüthete hier ein schwerer orkanartiger Sturm
aus WSW, welcher durch die aufgeworfene See den aufserordentlich starken Süd-
hafendamm an einer Stelle sprengte und an anderen sehr beschädigte, Drei
Segelschiffe trieben auf die im Hafen liegenden Felsen und wurden gänzlich
wrack. Die im Hafen zu Anker liegenden. Dampfer mußten gegen die einlaufende
See andampfen, um sich vor dem Treiben zu bewahren.
Deli (Ostküste von Sumatra).
„China Sea Directory“, Vol. I, 1896 — B. X, 3 —.
D. „Sumatra“, Kapt. P. Cassens, Norddentscher Lloyd, in regelmäfsiger Fahrt von Singapore
1889 his 1897.
Ansteuerung. Die Leuchtbake an der nicht fahrbaren, sogenannten todten
Mündung des Deli-Flusses (Belawan), südlich der fahrbaren Mündung, ist das
beste Ansteuerungsobjekt und kommt zuerst in Sicht, das weifßse Feuer ist 10 Sm
weit sichtbar, mit Ausnahme südlich der Peilung 817° W hinter der Huk
Perling. Bei dickem Regenwetter während der Nacht muß man ankern; die
yanze Ostküste von Sumatra zwischen dem Panei- und dem Gebang-Flufs bietet
guten Ankergrund,
Für die Fahrt von Singapore nach Deli ist bei Nordwestdünung, welche
häufig vom Ozean in die Malacca-Strafse hinein steht, zu empfehlen, gleich von
One-fathom - Bank nach der Sumatra - Küste hinüber zu halten, weil dort ge-
wöhnlich das Wasser ruhiger ist. Bei sichtigem Wetter geht man dann zwischen
Pulo Salahnama und Pulo Padang hindurch, das Feuer an der Mündung des
Bedagei- Flusses anstenernd, und nimmt dann den Kurs innerhalb der Bunja-
Bänke auf Deli-Feuerschiff. Die Entfernung ist nicht größer als auf der bei
ruhigem Wetter zu wählenden Route über Pulo Varela,
Die Versetzung, welche eintritt, wenn der Kurs einen Winkel mit der
Stromrichtung — die Fluth setzt südöstlich, die Ebbe nordwestlich parallel 'der
Küste — hildet, ist je nach‘ dem Mondalter verschieden, zur Zeit der tanben
Fluthen kaum bemerkbar, während sie bei Springfluthen bedeutend sein kann.
Es ist jedenfalls grofse Vorsicht in dieser Beziehung geboten.
Lootsenwesen. Lootsen sind nicht vorhanden,
Schleppdampfer sind nicht vorhanden; braucht man einen Schlepper, so
muß man entweder den Hafenmeister um seine Dampfharkafs bitten oder von
einem der ansässigen Chinesen, der eine solche besitzt, diese heuern; alle vor-
handenen Dampfbarkassen haben nur geringe Dampfkraft,
‚ Barre (S. 81 a. a. O.). Schiffe, welche über 3,7 m (12‘) tief gehen, können
nur zur Zeit der Springfluthen die Barre passiren. Der Fluthwechsel beträgt
bei tauben Fluthen, welche zwei Tage nach dem ersten und letzten Mondviertel
statthaben, nur 0.91 m (3), bei Springfluthen zwei Tage nach Voll- und Neu-