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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1898.
Verfahren für den allgemeinen Schiffsgebrauch auch zu umständlich ist, so wird
das Heftchen in besonderen Fällen, z. B. neben Burdwood für höhere Breiten,
gute Dienste leisten. Zu vermeiden ist bei seinem Gebrauch nur die Nähe des
ersten Vertikals,
Wenn eingangs dieser Uebersicht darauf hingewiesen wurde, dafs die
seemännische Praxis sich im Laufe der Zeit immer entschiedener zu Gunsten der
Bestimmung des Azimuts durch die Zeit ausgesprochen hat, so mufs es Wunder
nehmen, wie wenig diese letzte Aufgabe bisher unter den obligatorischen Unter-
richts- und Prüfungsgegenständen unserer Navigationsschulen Berücksichtigung
gefunden hat. Allerdings sind unter den Aufgaben für die Schifferprüfung
neben Höhen- auch Zeitazimute. Diese Aufgaben aber werden lediglich durch
trigonometrische Rechnung, also in einer Weise gelöst, die in der Praxis Nie-
mand anwenden wird; denn wenn Jemand rechnen will, so nimmt er eben kein
Zeit-, sondern ein Höhenazimut, weil er da viel bequemer zum Ziel kommt. Als
gute Uebung im Unterricht und als angewandte Aufgabe für die sphärische
Trigonometrie kann die fragliche Rechnung immerhin bleiben. In den nautischen
Aufgaben dagegen lasse man alle Mittel gelten, die zum Ziele führen, und gebe
dem Prüfling Gelegenheit, zu zeigen, nicht dafs er eine solche „Eselsbrücke“
wie eine Azimuttafel stolz verschmähen kann, sondern dafs er etwas Tüchtiges
für seinen Beruf gelernt hat. Die Deviationslehre und die Methode der Stand-
linien u. A, bieten ein weites Feld hierfür.
Heute sind gewifs an jeder Navigationsschule Exemplare von Labrosse
und Burdwood-Davis vorhanden; gewifs werden dieselben auch den Schülern
gezeigt; ob aber die jungen Leute Gelegenheit haben, damit zu rechnen und viel
damit zu rechnen, wodurch sie allein die nöthige Gewandtheit und Sicherheit
bekommen können, ist doch wohl zweifelhaft. Wir lehren unsere Steuerleute
und Schiffer die Lösung so mancher knifflichen Aufgabe, mit welcher sie später
in Ausübung ihres Berufes wenig anzufangen wissen; wenn wir dem jungen Schiffs-
offizier ein Werkzeug in die Hand gäben, mit dem er eine der wichtigsten,
täglich vielleicht Dutzende von Malen sich stellende Aufgabe jederzeit mit
Leichtigkeit zu lösen verstände, so würde er dafür jedenfalls dankbar sein. Es
ist wohl erklärlich, dafs man sich bisher gescheut hat, die an sich schon genügend
lange Reihe der obligatorischen Unterrichtsmittel in den Navigationsschulen noch
durch die Aufnahme einer umfangreichen Azimuttafel zu vergröfsern. Jetzt aber,
wo wir die besprochenen, aufserordentlich kurzen, bequemen und billigen Tafeln
besitzen, wäre es ein Unrecht, wenn nicht der Unterricht der Praxis die nöthigen
Zugeständnisse machen und sich derselben anbequemen wollte. Denn auch das
ist klar, dafs nur auf dem Wege durch die Schulen die neuen Tafeln Allge-
meingut der deutschen Seeleute werden können; wenn nicht in den Schulen
der Gebrauch dieses bequemen Handwerkzeuges geübt wird, so mufs dasselbe,
so einfach seine Handhabung auch zu erlernen sein mag, nothwendig auf einige
Wenige beschränkt bleiben, denen es durch diesen oder jenen Zufall in die
Hände gespielt wird.
Bericht über die Anwendung von Oel zur Beruhigung der Wellen
und über einen Versuch mit Seifenwasser.
Von Kapt. H. GATHEMANN, Norddeutscher Lloyddampfer „Oldenburg“.
Auf der Reise von Baltimore nach Bremerhaven wurde vom 19. bis
21. Dezember 1897 bei sehr hoher See Oel mit gutem Erfolg angewandt,
Dampfer „Oldenburg“ hat eine Länge von 132,6 m (435 Fufs) über Deck. Das
Oel tropfte aus den vorderen Klosets, welche etwa 24 m (80 Fufs) vom Steven
zurückliegen. Es wurde Rüböl oder Thran gebraucht. Thran gab besseren
Erfolg wie Oel. Gesteuerter Kurs war rw. N 80° 0, Wind und Seegang aus
WNW rw. in Stärke von 8 bis 9, Seegang sehr hoch mit überrollenden Köpfen.
Die Fahrt des Schiffes war 12!/2 Sm, Temperatur der Luft war von 4° bis 7°,
die der Wasseroberfläche von 7° bis 15°. An den Seiten des Schiffes zeigte sich