Meldau: Ueber Azimuttafeln.
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Man kann das Grunddreieck — Pol, Zenith, Gestirn — dadurch auflösen,
dal man vom Gestirn die Senkrechte auf den Meridian fällt und die beiden
entstehenden rechtwinkligen Dreiecke der Rechnung zu Grunde legt. .
Die französische Tafel giebt die Werthe des sphärischen Lothes und des
(vom Pol gerechneten) Meridianabschnittes von 2 zu 2 Minuten und für jeden
halben Grad der Abweichung. Indem man den entnoinmenen Meridianabschnitt
zu der Breite addirt oder von derselben subtrahirt, erhält man den vom Zenith
an gezählten Meridianbogen. Eine zweite Tafel läfst dann zu den beiden Katheten
des zweiten rechtwinkligen Dreiecks den Winkel am Zenith, das Azimut, auf
etwa einen Grad genau ablesen. Die zweite Tafel ist in der französischen Be-
arbeitung der ersten leider durchaus nicht ebenbürtig, sondern eng und unüber-
sichtlich gedruckt. Sie enthält das Azimut nur von 2 zu 2 Grad, was nicht
damit im Einklang steht, dafs die Bögen im Uebrigen auf Bogenminuten genau
angegeben sind.
Die Tafel Ia der Randermannschen Auordnung giebt die Werthe der
Katheten des ersten Dreiecks im Allgemeinen für jede vierte Zeitminute und
jeden vollen Grad der Abweichung von 0° bis 89°, während die Tafel Ib für
die vollen Grade der Katheten des zweiten Dreiecks das Azimut auf Zehntel-
grade angiebt. Um die Rechnung mit diesen Tafeln zu veranschaulichen, seien
die oben angegebenen Beispiele wieder herangezogen,
IL. 0=54°20' N, d= 13° 10 N, = 3b 42 nachm.
d = 13°, t = 3h 42m ergiebt 1 = 53,4, g= 67,8
= 54,3
Summe = 122,1
Unter # + g = 122, 1 = 53,4 ergiebt Tafel Ib Azimut = S 68,4° W.
{IL @= 28° 18'N, d= 20° 31'N, t = 827 vorm.
= 48,2, u = 122,5
Y=— 28,3
Summe = 150,8
Azimut = S 52° O0.
Wie man aus diesen Beispielen sieht, ist der Gebrauch der Tafel bequem,
wenigstens so lange man nicht einschaltet, sondern sich mit der Entnahme der
nächsten Werthe begnügt. Ein genaues Einschalten ist, da es an sechs Stellen
stattünden müsste, etwas unbequem, obwohl die Tafeldifferenzen im Allgemeinen
nicht grofs sind. Uebrigens hat der Herausgeber in der Nähe von 6 Uhr und
j=0, wo in der Tafel Ia ein starkes. Anwachsen der Unterschiede stattfinden
würde, das Intervall für die Zeit auf 2 und 1 Minute erniedrigt und das d auf
Viertelgrade genommen, so dafs in dieser Gegend das Einschalten unnöthig wird.
“Die trotz der kleinen Intervalle hier übrigen nicht geringen Differenzen sind
von keinem Einflufs auf die Genauigkeit des Resultats.)
In der Tafel Ib treten große Unterschiede naturgemäfs an der Stelle auf,
wo die Höhe sehr grofs wird; es wäre vielleicht besser gewesen, hier die Zahlen
ganz fortzulassen. Statt die Abweichung bis 89° zu nehmen, wäre es wohl
praktischer gewesen, nur bis 30° zu gehen und dann mit der Abweichung der
außerhalb dieser Zone gelegenen hellen Fixsterne (etwa Polaris, Achernar,
Algenib, Capella, Canopus, Dubhe, « Crucis, « Centauri, Wega, Altair, Fomalhaut)
fortzufahren. Die Tafel Ia wäre dadurch auf die Hälfte ihres Umfanges
‘49 Seiten) zusammengeschrumpft. - .
Zu den Zeit-Azimuttafeln müssen wir auch die neue Auflage der eingangs
in der Fufsnote erwähnten Johnsonschen, auf dem Sinussatz beruhenden,
zuerst für Sir G. Nares arktische Expedition gedruckten Tafel rechnen. In
der vierten Auflage, die unter dem Titel „Combined Time and Altitude Azimuth
Tables for all latitudes from the: equator to the poles“, London 1896, erschienen
ist, sind nämlich drei kleine Tafeln hinzugefügt, welche für eine gegebene Zeit
die Höhe des Gestirns auf ganze Grade zu entnehmen gestatten.') Wenn das
1) Diese Tafeln beruhen auf der Gleichung
sinh = cos (g — d) — 2 cos @ cos d sin?
Der ersten Tafel entnimmt man — log cosg und — log cos d (auf zwei Decimalen ohne
Kennziffer), die zweite liefert ebenso log 2 sin? S Mit dem Logarithmen des zweiten rechts stehen-
den Ausdrucks und @ F d.erhält man dann aus der dritten Tafel die Höhe,
Ann. d. Hydr, etc., 1898, Heft VI,