Meldau: Ueber Azimuttafehn.
Es sei # = 54° 20'N, d = 13°10'N, t = 3b 42 nachm.
Aus der ersten "Tafel entnehmen wir mit g und t . . . A = 40,95
Aus der zweiten Tafel entnehmen wir mit dundt . ., B= —0,28
Summe CC ZZ F0.67
Azimut — S68,5° W
und erhalten aus Tafel 3. .
71h
IL Es sei gg = 28° 18'S, d= 20° 31’N, t = 8lı 27m vorm.
A = +0,40
B — +0,47
© — +0,87
Azimut = N 5212° 0.
Hierbei sind folgende Regeln zu beachten, die wir der einfacheren: Aus-
drucksweise wegen für die Sonne aussprechen:
A ist negativ vor 6 Uhr morgens und nach 6 Uhr abends.
B ist negativ bei gleichnamigem @ und d.
Ist C negativ, so zählt « vom oberen (erhöhten) Pole.
Ist CC: positiv, so zählt @« vom unteren Pole.
Diese Rechnung läfßst an Einfachheit nichts zu wünschen übrig. Wenn
man die Tafel B bis d = 30° ausdehnt, so kann man neben dem Azimut der
Sonne das des Mondes, der Planeten sowie eines grofsen Theiles heller Sterne
der Aequatorzone den Tafeln entnehmen. Für die übrigen hellen Sterne hat
man aufserdem eine Sondertafel hinzugefügt, in der man unter dem Namen des
Sternes die Werthe des B findet.
_ Die hier in Frage stehenden Tafeln sind zuerst in Frankreich auf die
Berechnung des Azimuts angewandt und zwar von dem Lieutenant de Vaisseau
E. Perrin, dessen „Nouvelles Tables destindes ä abreger les calculs nautiques“
zuerst 1876 (2. Auflage 1892, Paris) erschienen. Das Verdienst, die A- und
B-Tafeln unter den englischen Seeleuten als Hülfsmittel zur Berechnung des
Azimuts bekannt gemacht zu haben, gebührt dem Kapt. H. S. Blackburne.
Derselbe veröffentlichte seine „A and B Tables for correcting the Longitude
and facilitating Sumners Method on the Chart, to be used also as Azimuth
Tables to every 4 Min.“ zuerst im Jahre 1883, dieselben waren aber schon in
den siebenziger Jahren handschriftlich unter den Offizieren der „Peninsular and
Oriental Company“ im Gebrauch. (Blackburne benutzt noch nicht die Tafel C,
sondern führt die Multiplikation mit cos # mit Hülfe der Strichtafel aus und
nimmt dann das Azimut aus einer Tafel der natürlichen Werthe der Cotangenten.)
Allgemeiner sind die ABC-Tafeln in der englischen Marine bekannt geworden
dadurch, dafs Lecky sie, erweitert und auf drei Dezimalen berechnet, in sein
populäres Werk „Wrinkles in Practical Navigation“ aufgenommen hat. Gesondert
sind sie später in den luxuriös‘ ausgestatteten „General Utility ABC and D
Tables“, London 1897 (14 s), erschienen. *)
In neuester Zeit ist nun auch eine deutsche, an den Grundgedanken der
ABC- Tafeln sich anlehnende Azimuttafel auf 20 Seiten herausgegeben worden
und zwar von Dr. O. Fulst: „Tafel zur Bestimmung des Azimuts aus Breite,
Abweichung und Stundenwinkel“ (Bremen 1898, Preis 2,20 Mk.). .
Die ABC-Tafeln leiden, besonders wenn der Stundenwinkel kleiner wird
und die Breite grofßs ist, an dem Uebelstande, dafs die Differenzen der Tafel-
werthe unübersichtlich grofs werden. In dem Bestreben, dies zu vermeiden, hat
Fulst mit der obigen Gleichung
— cotang « + sec 9 = tang g cotang t — tang d + cosec t
eine aufserordentlich glückliche Umformung vorgenommen, indem er beiderseits
‘) Wenn Lecky stets von „Leckys ABC 'Tables“ spricht, so ist diese Benennung nach
den obigen historischen Bemerkungen zum Mindesten mit Vorsicht zu verstehen, Der Gebrauch der
A- und B-Tafeln ist zudem dnrehaus nicht neu; schon 1846 und seitdem mehrfach (1873, 1874, 1878)
tauchen sie im „Nautical Magazine“ anf, zwar nicht als Azimuttafeln, sondern zuerst mit der Ab-
sicht, daraus die einer Breitenänderung von einer Minute entsprechende Längenberichtigung zu ent-
nehmen. (Siehe auch „Handbuch der Navigation“, herausgegeben von der Admiralität.) Auch die
Mehrzahl der von Lecky in den „Utility Tables“ behandelten Probleme, besonders das Segeln im
zröfsten Kreise, findet sich schon bei Perrin.