214 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1898,
Höhe an, daß es beim Monde, bei Fixsternen und den Planeten bequemer sei,
die Höhe zu nehmen, als den Stundenwinkel zu berechnen, Gewils ist das
unter Umständen richtig, aufserdem mag die Höhenmessung in vielen Fällen ein
zuverlässigeres Resultat liefern; es wird jedoch auf der anderen Seite die An-
wendbarkeit der Tafel, wenigstens was die Fixsterne und Planeten anlangt, auf
die Zeit der Dämmerung beschränkt. Da die Tafel zudem nur die Deklinationen
von 24° bis 30° umfalst, so wird ihr Gebrauch kein ausgedehnter sein können.
Von Azimuttafeln für höhere Breiten liegt uns noch ein kleines Heft vor:
„Arctie Azimuth Tables for parallels of latitude between 70° and 88°.“ Washing-
ton 1881. Dasselbe ist vom Hydrographischen Amte bei Gelegenheit der nord-
amerikanischen Expedition zur Aufsuchung der „Jeannette“ herausgegeben und
enthält die Azimute von 5" bis &" vormittags und 4" bis 7* nachmittags für jede
zehnte Zeitminute.
Das bisher Erwähnte läfst hervortreten, dafs eine Tafel, welche das fertige
Azimut angeben soll und dabei das KEinschalten nach Möglichkeit unnöthig
machen will, stets einen bedeutenden Umfang annehmen mulfs, und es erhebt sich
die Frage, ob man auf der Suche nach einer kurzen Azimuttafel nicht doch auf
billigere Weise zum Ziele kommt, wenn man darauf verzichtet, das fertige
Azimut zu tabuliren, und vielmehr darauf ausgeht, dem Rechner einige geschickt
eingerichtete Tabellen in die Hand zu geben, die ein Rechnen zwar erfordern, aber
dasselbe auf ein Minimum von Arbeit zurückführen. In der That stellt sich
heraus, dafs sich derartige Rechnungshülfsmittel auf wenigen Seiten herstellen
lassen.
Wir kommen damit zu der zweiten Art der Azimuttafeln, die
besonders in neuerer Zeit in den Vordergrund getreten sind und auf
welche die Aufmerksamkeit unserer deutschen Seeleute zu lenken der
Hauptzweck dieser Zeilen ist.
Die Erfindung der Hauptkategorie dieser kurzen Azimuttafeln knüpft an
die für die neuere Navigation so wichtige Aufgabe an, die einer Breitenänderung
von einer Bogenminute entsprechende Längenänderung (correction Pagel der
Franzosen) tabellarisch zusammenzustellen. Man kann nämlich diese Längen-
änderung A% erstens darstellen durch die Breite (g) und das Azimut («), und
zwar ist
I) — sec + cotang «
Wie man aus dieser Gleichung bei bekannter Breite und bekanntem Azimut
die Längenänderung findet, 80 kann man natürlich bei bekanntem % auch das
zugehörige Azimut finden, wenn man sich das A) auf irgend einem anderen
Wege verschafft, Wenn es sich etwa um die Festlegung einer Standlinie handelt,
so kann man 4 z. B. mittelst der Differenzen der zur Berechnung des Stunden-
winkels benutzten Logarithmen (Procede Pagel) erhalten. Aber auch unabhängig
von einer anderen Rechnung gelingt dies nach der Formel
— fi = tange cotang t — tang d cosect
wo t den Stundenwinkel und d die Abweichung bezeichnet.
Nennen wir in der durch Gleichsetzung der obigen beiden Ausdrücke für
44 entstehenden Gleichung
— cotang « +» sec # = tang @ + cotang t — tang d + cosev t!)
den links stehenden Ausdruck C, die rechts stehenden bezw. A und B, so haben wir
C = A-+B
Werden die Werthe der Gröfsen ABC in drei Tafeln gebracht, so ge-
staltet sich die Berechnung des Azimuts sehr einfach, wie aus den folgenden
Beispielen ersichtlich:
1) Nach dieser Formel will auch Johnson in seiner bekannten, weit verbreiteten Schrift:
„On finding the latitude and longitude in cloudy weather“ das Azimut berechnen, doch kommt das
Verfahren darauf hinaus, aus einigen kurzen Tafeln die natürlichen Werthe der Funktionen zu
nehmen, sie zu multiplieiren und die Produkte zu addiren.