Meldan: Ueber Azimuttafeln,
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Eine solche finden wir in den etwa vor Jahresfrist erschienenen „Azimut-
tabellen“ von Julius Ebsen!) (Eckhardt & Messtorf, Hamburg; Preis 7,50 Mk.).
Dieselben enthalten auf 141 Seiten die wahren Richtungen der Sonne für Inter-
valle von 10 zu 10 Zeitminuten, und.zwar zwischen den Breiten 70°N bis 70°5S.
Der Einführung eines Intervalls von 10 Minuten für die Zeit kann man gewifs
zustimmen. Die Uebersicht über den einzelnen Grad schrumpft ‚dadurch auf
3 Seiten zusammen,. so dafs man stets auf der linken Seite die mit der Breite
gleichnamige, auf der rechten Seite die ungleichnamige Abweichung hat, eine
Einrichtung, die der Möglichkeit zu Mifsgriffen entgegenwirkt. Vielleicht aber
wäre das Werk für die Praxis noch brauchbarer geworden, wenn die Deklination
statt von 2° zu 2° von Grad zu Grad fortschreitend genommen wäre. (So
kommen Unterschiede im Azimut von 5° bis 6° vor.) Will man sich nicht mit
einer rohen Annäherung begnügen, so mufß man, wie die Einrichtung der Tafel
ist, auch nach der Abweichung einschalten. In der Anweisung zum Gebrauch
der Tafel giebt der Herausgeber ein Beispiel für das Einschalten dazu in so
verwickelter Art (für ein genaues Azimut hätte man danach nicht weniger als
siebenmal einzuschalten, während doch ein dreimaliges Einschalten eben für die
drei Elemente Zeit, Deklination und Breite dasselbe leistet), dafs man sofort das
Bewufßstsein hat: so würde es in der Praxis der Verfasser selbst nicht machen.
Ist man an Bord doch nur zu sehr geneigt, bei einem derartigen Tafelwerk mit
den nächsten Werthen eingehend sich mit dem einfachen Tafelwerth zu begnügen.
Der Umfang des Buches wäre, wenn man die Abweichung von Grad zu Grad
genommen hätte, allerdings auf 280 Seiten gestiegen, die Uebersichtlichkeit aber
hätte nicht gelitten, wenn man etwa die gleichnamigen und die ungleichnamigen
Abweichungen in zwei besondere Abtheilungen getrennt hätte.
Die letzterwähnte, unzweifelhaft praktische Anordnung findet sich in der
italienischen: Tafel 6. Albini: „Gli Azimut del Sole“, Mailand - Neapel 1876,
sowie in der Azimuttafel des Hydrographischen Amtes der Vereinigten Staaten
Marine von Schröder und Southerland, Washington 1882, Preis $. 4,25,
199 Seiten 4°.
Das Azimut ist in diesen Tafeln für jede zehnte Minute berechnet und
zwar auf Grade und Bogenminuten. Bei jedem Grade der Deklination findet man
die vier Tage des Jahres angegeben, an welchen dieser Werth der Abweichung
von der Sonne angenommen wird, eine bequeme Einrichtung für die Fälle, wo
man sich mit einer Genauigkeit von einem Grade begnügen will.
Aufser den im Vorstehenden besprochenen vollen Azimuttafeln haben wir
noch eine Anzahl Werke, welche dieselben, sei es für höhere Breiten,
sei es für größfsere Deklinationen, ergänzen sollen.
. Die kleine Tafel von A. C. Johnson: „The Bearings of the Principal
Bright Stars of greater Declination than 23° N or 23° S, also those of the Moon
and Planets when similarly situated“, London 1895 (3 s) giebt unter dem Namen
eines jeden Sterns das Azimut desselben für jede viertel oder halbe Stunde und
zwar.auf ganze Grade, Uebrigens ist diese Tafel sehr nachlässig hergestellt;
auf jeder Seite kommen eine Menge Fehler, oft im Betrage von 1'/2°, vor,
Durch zuverlässige Werthe und geschickte Anordnung zeichnet sich eine
deutsche Fixstern-Azimuttafel aus vom Offizier des Norddeutschen Lloyd J. Bort-
feldt:?) „Azimute circumpolarer Sterne, I. Theil für Nordbreite“ (Verlag von
M. Heinsius, Bremen). Sie giebt auf 33 Seiten die Azimute von neun hellen,
gleichmäfsig um den Pol vertheilten Sternen von 10 zu 10 Zeitminuten, jeden
zweiten Grad der Breite, und zwar auf Zehntelgrade. Da die gerade Aufsteigung
und Abweichung der Fixsterne nur sehr langsamen Aenderungen unterworfen sind,
so: ist eine derartige Tafel für viele Jahre brauchbar.
Mit der Absicht, eine Ergänzung der Burdwood-Darvisschen Tafeln zu
liefern, ist von Goodwin ein 74 Seiten umfassendes Werk veröffentlicht:
„Azimuth Tables for the Higher Declinations“, London 1896. Tun: dieser Tafel
ist merkwürdigerweise auf die Höhe zurückgegriffen, ausgenommen in der Nähe
des Meridians, für welche in einer gesonderten Tafel die Azimute nach der Zeit
geordnet sind. Der Verfasser führt als Grund für die Wiedereinführung der
‘y Vgl.. diese Annslen 1896, S. 517. D. R.
7) Augenblicklich noch unter der Presse.