Reisen der Schiffe „Nereus“ und „Pestalozzi“ von Lizard nach Valparaiso. 209
bei dem Führer eines schnell segelnden Schiffes. HEin anderer Umstand, der
freilich bei der Umsegelung des Kaps Horn auch von gröfster Wichtigkeit ist
und der für die mit Schwergut tief beladenen Schiffe das volle Ausnutzen. des
Windes oft‘ unmöglich macht, ist das bei stürmischem Wetter stattfindende Ueber-
nehmen vielen Wassers an Bord der Schiffe, Während ein weniger tief beladenes
Schiff bei Sturm noch guten Fortgang zu erzielen im Stande ist, sieht sich der
Führer eines tief beladenen, oft wie eine blinde Klippe im Wasser liegenden
Schiffes, der über das Deck brandenden Wellen wegen, die es lebensgefährlich
machen, längs Deck zu gehen, gezwungen, Segel zu bergen. Auch die Gröfse
der Schiffe übt bekanntlich auf deren Schnelligkeit einen nicht unwesentlichen
Einfluß aus. Bei stürmischen Winden und hoher See wird ein grofses Schiff
vermöge der in ihm wohnenden lebendigen Kraft einem kleineren, dem es bei
schwachem Winde und ruhiger See vielleicht nicht einmal gewachsen ist, stets
überlegen sein. Als ganz unberechenbare Größe ist dann auf Heimreisen noch oft
die ganz verschieden grofse Verminderung der Schnelligkeit zweier Schiffe durch
unreinen Schiffsboden in Betracht zu ziehen. An diesen verschiedenen Verhältnissen
kann man schon genugsam ersehen, dafs Fehlschlüsse bei Vergleichungen der Reisen
von Mitseglern leicht gemacht werden können. Aber wie nicht seltene Aeufserungen
in den meteorologischen Tagebüchern zeigen, interessiren gerade solche Ver-
gleichungen, wie sie von Maury wohl zuerst gemacht und veröffentlicht worden
sind, die aber durchaus nicht immer andeuten sollen, dafs der eine längere Reise
machende Schiffsführer fehlerhaft gehandelt habe, die meisten Kapitäne sehr, und
zweifellos ist, dafs gerade aus ihnen viel zu lernen ist, dafs sie geeignet sind,
einen edien, auf die Vollendung möglichst rascher Reisen gerichteten Wetteifer
der Schiffsführer zu erregen.
Aus dem Reisebericht des Kapt.. A. Walsen, Führer der
Viermastbark „Paul Rickmers“.
Am 28. Oktober 1897 verliefsen wir, schreibt Kapt. Walsen, mit der
stählernen Viermastbark „Paul Rickmers“ Cardiff, um eine Reise nach Hongkong
anzutreten. Das Schiff hatte 4450 Tonuen Steinkohlen geladen und dabei einen
Tiefgang von 22‘ 8“ vorn und 23‘ 11“ hinten. Mit dieser Belastung war es im
Stande, bei vollem Segeldruck, unter den günstigsten Verhältnissen, 11'/2 Knoten
zu laufen.
Wir schlugen die Route östlich von den Kap Verden ein. In ungefähr
27° N-Br und 20,6° W-Lg kam am 11. November der Nordostpassat durch, der
auf der Weiterfahrt beständig rechts herum holte und in etwa 5° N-Br und
22,7° W-Lg zum Südostpassat wurde. Am 22, November, nach einer Reise von
25 Tagen, kreuzten wir in 26,7° W-Lg den Aequator. Nachdem am 16. Dezember
der Meridian von Greenwich in 429° S-Br, nach einer Reise von 49 Tagen
passirt war, wurde die Länge bis nach 60° Ost.in nahezu 45° S-Br abgelaufen,
und dann allmählich niederen Breiten zugesteuert. Am 21. Januar 1898 kam
die Küste von Java in Sicht, und am Mittag des 22. Januar peilte Tafel-Huk
(Insel Bali) Nord, 1 Sm entfernt; worauf während des Nachmittags die Lombok-
Straße, gegen einen Strom von 2 Sm, in 8 Stunden bei einem zwischen West
und NW schwankenden, von Regenböen begleiteten Winde durchsegelt werden
konnte. Die Reise hatte bis hierher die Dauer von 86 Tagen. Am 24. Januar
wurde die Salayer-Straße und am 25. Januar die Boeton-Passage durchsegelt.
Am 31, Januar und 1. Februar kreuzten wir bei einer flauen bis frischen Brise
in der Djilolo-Strafse, bis am Mittag des letztgenannten Tages eine Position
erreicht war, von der das Nordwestende der Insel Geby rw. Süd peilte und
etwa 12 Sm entfernt war. In dem letzten Etmal beobachteten wir eine Strom-
versetzung von 21 Sm nach Süd.
Am 7. Februar 1898, 102 Tage in See von Cardıff, 7 Tage nach .dem
Passiren der Enge zwischen Djilolo und Geby, während welcher letzten Zeit uns
der Strom fast um. die Hälfte des bei dem flauen, zwischen NW und West
Ann, d. Hyar, ete., 1898, Heft VI.