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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1898, 
dessen sich bis in die Nähe der Südspitze Amerikas nach 0SO, östlich davon 
aber nach ONO oder noch nördlicher, hier auch der verhältnilsmäfßsig warmen 
Meeresströmung folgend, bewegt habe, nicht ganz unwahrscheinlich. Die selten 
gegebene Möglichkeit ein Tiefdruckgebiet hoher südlicher Breiten auf einer mehr 
als 3000 Sm grofsen Entfernung verfolgen und die Schnelligkeit seiner Fort- 
bewegung berechnen zu können, möge das Wagnilfs dieses Versuches rechtfertigen. 
Als das Barometer bei den unweit des Kaps Horn befindlichen Schiffen 
am 6. August nach dem Sturme wieder zu steigen begann, veränderte sich der 
Wind zunächst von nordwestlicher nach südwestlicher und später, wie es in 
diesem Meerestheile unter ähnlichen Verhältnissen nicht selten geschieht, nach 
südöstlicher Richtung. Von SO lief er jedoch schon nach wenigen Wachen, 
durch Süd drehend, zurück nach SW. Den drei Mitseglern „Pestalozzi“, „Nereus“ 
und „Plus“ gewährte der hoch südliche Wind eine sehr erwünschte Gelegenheit 
zur Förderung ihrer Reisen, während „Flotow“, welches Schiff erst wenige 
Wachen vorher das Kap St. John umsegelt hatte, wegen der Nähe des Landes 
and weil die Windstärke hier auch eine viel gröfsere als bei den Mitseglern 
war, ihn nicht ausnutzen konnte. Aehnliche Fälle wie diese sind zur Winters- 
zeit beim Kap nicht selten und zeigen, wie wichtig es hier für den Schiffsführer 
ist, danach zu streben, dafs sein Schiff so rasch wie möglich eine südliche 
Position errreicht, von der aus bei hoch südlichen Winden guter Fortgang nach 
Westen hin erzielt werden kann. Ist es doch gar nicht so sehr selten, dafs da- 
durch der Erfolg einer raschen Umsegelung des Kaps erzielt wird. Am günstigsten 
erwiesen sich die Verhältnisse nach dem Sturme für „Pestalozzi“. Dieses Schiff 
war im Stande, in einem Schlage, ohne wieder wenden zu müssen, nach 50° S-Br 
zu segeln, und das Gleiche konnte auch „Plus“, der dazu freilich nur eine kurze 
Strecke zurückzulegen brauchte, thun. „Nereus“ dagegen mufste noch wieder über 
St. B. - Halsen segeln, und verlängerte sich dadurch dessen Reise bedeutend. 
„Flotows“ Umsegelung des Kaps wurde später durch langanhaltende Stürme so 
ungewöhnlich verlängert, dafs dessen Reise zur Vergleichung mit der der Mit- 
segler nicht mehr zu gebrauchen ist, Der Parallel von 50° Süd im Stillen Ozean 
wurde überschritten: von „Plus“ in 80,5° W-Lg am 8. August, 15 Tage später, 
als dieselbe Breite im Atlantischen Ozean verlassen worden war; von „Pestalozzi“ 
in 79,3° W-Lg am 11. August, nach 13 in höherer als 50° S-Br zugebrachten 
Tagen; von „Nereus“ in 84° W-Lg am 16. August, 15 Tage nach dem Ueber- 
schreiten derselben Breite im Atlantischen Ozean, und „Flotow“, der 23 Tage 
südlich von 50° S-Br zubrachte, kehrte nach diesem Parallel in 80,3° W-Lg am 
27. August zurück. Der Umstand, dafs dieses Schiff in Ballast geladen war, 
mag zu dieser verhätnifsmäfsig langen Zeit das Seinige beigetragen haben. Der 
letzte Reiseabschnitt verlief bei allen vier Schiffen in ganz normaler, zu weiteren 
Bemerkungen keine Veranlassung gebender Weise. Valparaiso wurde erreicht 
von „Plus“ am 16. August nach 84tägiger Reise ab Lizard; von „Pestalozzi“ 
am 17. August, 68 Tage später als der Kanal verlassen worden war, und von 
„Nereus“, für welches Schiff 73 Tage erforderlich gewesen waren, um von Lizard 
aus dahin zu gelangen, am 25. August. „Flotow“ konnte erst am 7. September 
auf der Rhede von Iquique ankern. 
Dem Schlusse seiner Beobachtungen für diese Reise fügt einer der hier in 
Frage kommenden Kapitäne noch einige Bemerkungen hinzu, die das Unstatthafte 
der Vergleichungen von Reisen, ausgeführt von schnellsegelnden Schiffen, wie es 
die meist mit Stückgütern nicht tief beladenen Schiffe des Hamburger Rheders 
Laeisz beispielsweise sind, mit solchen, die von vollgebauten, oft mit Kohlen 
bis zum äufsersten Tiefgange beladenen Schiffen gemacht werden, betonen. 
Diese Bemerkung würde, wenn bei einer solchen Vergleichuung die Erwartung 
ausgesprochen sein sollte, ein Schiff letzterer Art müfßte mit einem der erst- 
erwähnten Schiffe Schritt halten, zutreffend sein. Eine dahin zielende Aeufserung 
ist aber in keiner von der Seewarte ausgehenden Veröffentlichung enthalten. 
Doch ist dagegen wohl das Folgende betont worden, dafs, wenn es einerseits 
nicht zweifelhaft sei, dafs entschlossene, nie ermüdende Schiffsführung, die vereint 
ist mit der Kenntnifs aller in Frage kommenden theoretischen Verhältnisse, einen 
Kapitän befähige, auch mit einem nicht sehr rasch segelnden Schiffe oft befriedigend 
kurze Reisen zu machen, es andererseits doch ganz gewifs sei, dafs kürzeste 
Reisen nur dann zu erzielen seien, wenn jene Kigenschaften gefunden würden
	        
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