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Full text: 26, 1898

Reisen der Schiffe „Nereus“ und „Pestalozzi“ von Lizard nach Valparaiso. 207 
das Hamburger Vollschiff „Erato“, Kapt. J. Lilienthal, welches von einem 
Salpeterhafen kam, und 6. das von. San Francisco kommende, vom Kapitän 
H. Kruse geführte Bremer Vollschiff „Marie Hackfeld“. 7. bezeichnet den 
heimwärts bestimmten Hamburger Viermaster „Placilla“, Kapt. 0. Schmidt, 
und 8, schliefslich die von Australien nach Europa segelnde Bark „Selene“, Kapt. 
F. H. Israel. Von großem Interesse sind die Angaben dieses letzteren Schiffes 
über mehrere Tage vorher, weit westlich im Siillen Ozean beobachtetes stürmisches 
Wetter und einen ungewöhnlich niedrigen Barometerstand, von dem es sehr 
wahrscheinlich erscheint, dafs er zu demselben Tiefdruckgebiete gehört hat, das 
auf seinen Wege nach Osten am 6. und 7. August in die Nähe der Südspitze 
von Amerika gelangte. Die nicht sehr rasche Verschiebung dieser Wetterlage, 
wie sie nach den Beobachtungen der betreffenden Schiffe beim Kap Horn vom 
5. bis zum 7. August stattgefunden zu haben scheint, ist auch bei „Selene“ fest- 
zustellen, doch war sie hier wohl nur scheinbar, da das Schiff gleichzeitig raschen 
Fortgang nach Osten gutmachte. „Selene“ wurde. damals augenscheinlich nur 
so langsam vom Minimum überholt, dafs von ihr fast vier Tage lang ein weniger 
als 720 mm betragender Luftdruck beobachtet wurde. Erst kurz vor dem 
5, August, an welchem Tage mittags „Selene“ in 55,3° S-Br und 100° W-Lg 
einen Barometerstand von 729,3 mm und Westsüdwestwind von Stärke 8 beob- 
achtete, war der Luftdruck wieder über 720 mm gestiegen. Auch bei „Selene“ 
wehten, wie bei den anderen Schiffen, im Verhältnifs zu dem tiefen Barometer- 
stande keine sehr stürmischen Winde, Nachdem am 31. Juli mäßige nordwest- 
liche Winde geherrscht hatten, wurde es am Mittage des 1. August bei „Selene“ 
ganz windstill, wobei der schon sehr niedrige Barometerstand noch weiter rasch 
abnahm. Nachmittags stellte sich dann ein von starkem Regen begleiteter 
stürmischer Südostwind ein, der sich während der ersten Wache des 2. August 
nach SW, dann Schnee und Hagel mit sich führend, veränderte. Um 1*a dieses 
Tages, als „Selene“ sich in 54,9° S-Br und 120,6° W-Lg befand, erreichte der 
Luftdruck mit 706 mm seinen tiefsten Stand. Als er darauf zu steigen begann, 
erfolgte dies bei dem vor stürmischen Westwinden rasch nach Osten segelnden 
Schiffe doch nur in solch langsamer Weise, dafs erst am 4. August bei 55° S-Br 
und 107,5° W-Lg das Barometer wieder einen höheren Stand als 720 mm zeigte. 
Vergleicht man die in der West— Ostrichtung etwa 1600 Sm betragende Entfernung 
der Schiffsorte, in denen „Selene“ und „Pestalozzi“ den tiefsten Barometerstand 
beobachteten, mit dem Unterschiede der Zeit, zu welcher er eintrat, so ergiebt 
sich eine stündliche Fortbewegung des Tiefdruckgebietes nach östlicher Richtung 
von 17,5 Sm. Ein ähnlicher Vergleich zwischen den betreffenden Werthen von 
„Pestalozzi“ und „Nereus“, der freilich, weil die in Frage kommende Entfernung 
nur klein und der Luftdruck bei seinem niedrigsten Stande sich für mehrere 
Wachen nur wenig veränderte, nur geringes Vertrauen verdient, deutet auf eine 
Schnelligkeit von 12 Sm in der Stunde. ‘Das bis soweit schon interessante 
Verfolgen dieses Tiefdruckgebietes auf seiner Bahn erscheint, wenn‘ man die 
Beobachtungen der auf der Heimreise von Chile begriffenen Hamburger Bark 
„Kriemhild“, Kapt. M. C. Holdt, mit in Betracht zieht, noch weiter möglich. 
Als sich dies Schiff am 10. August in 38° S-Br und 335° W-Lg befand, wurde 
es dort nämlich von einem Sturme überholt, der in seinem Verlaufe viele 
Aehnlichkeit zeigte mit dem, was „Selene“ über das von ihr Beobachtete be- 
richtete. Dem Sturme voran ging ein von heftigem Regen begleiteter frischer 
Südostwind von zwei Wachen Dauer, und erst, als dieser plötzlich nach Nord- 
west umgesprungen war, wurde der Wind stürmisch. Die Ab- und Zunahme 
des Luftdruckes, der mit 741,5 mm seinen niedrigsten Stand erreichte und in 
16 Stunden um 20 mm gefallen war, erfolgte hier‘ freilich in kürzerer Zeit. 
Stellt man auch hier eine ähnliche Vergleichung wie die vorerwähnten zwischen 
der in west— östlicher Richtung etwa 1550 Sm grofsen Entfernung der Schiffsorte 
mit der Zeit an, zu welcher der geringste Luftdruck bei „Pestalozzi“ und 
„Kriemhild“ abgelesen wurde, so ergiebt sich eine Fortbewegung nach östlicher 
Richtung von etwa 13 Sm in der Stunde. Diese Berechnungen gehen natürlich 
von ziemlich willkürlichen Annahmen aus und haben nur einen rohen An- 
näherungswerth. Sie sind aber dennoch, wenn man nach den in Kuropa ge- 
sammelten Erfahrungen annimmt, dafs der Wirbel bei seiner Fortpflanzung das 
Gebiet höherer Wärme links und etwas hinter sich gelassen habe und infolge-
	        
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